Fahrradkino in Halle

Fahrradkino in Halle: Strampeln für den Strom

Gerade wurde in der alten Zigarrenfabrik noch die Brandschutzdecke eingezogen. Kilian Hüfner und Franziska Grieser sind erleichtert, die Bauarbeiten sind fast abgeschlossen. Zu organisieren gibt es für die beiden 28-jährigen Studenten aber trotzdem noch genug. Denn ab Samstag soll hier, auf dem Gelände des Postkult-Vereins, das Fahrradkino-Festival stattfinden und im Rahmen der Bildungswochen ein Zugang zum Motto „Flüchtige Bekanntschaften“ geschaffen werden. An zehn Fahrrädern werden dann die Zuschauer mit ihrer Muskelkraft selbst den Strom erzeugen, der benötigt wird, um den Film auf die Leinwand zu ...

Von Sandy Schulze

Gerade wurde in der alten Zigarrenfabrik noch die Brandschutzdecke eingezogen. Kilian Hüfner und Franziska Grieser sind erleichtert, die Bauarbeiten sind fast abgeschlossen. Zu organisieren gibt es für die beiden 28-jährigen Studenten aber trotzdem noch genug. Denn ab Samstag soll hier, auf dem Gelände des Postkult-Vereins, das Fahrradkino-Festival stattfinden und im Rahmen der Bildungswochen ein Zugang zum Motto „Flüchtige Bekanntschaften“ geschaffen werden. An zehn Fahrrädern werden dann die Zuschauer mit ihrer Muskelkraft selbst den Strom erzeugen, der benötigt wird, um den Film auf die Leinwand zu bringen.

Auf die Idee, eine Fahrradkinoanlage für ihre verschiedenen Projekte zu nutzen, kam vor sechs Jahren eine Gruppe von Studenten der Interkulturellen Europa- und Amerikastudien, die sich zuvor als Verein CultureConAction zusammengefunden hatten - und solche Fahrradkinoanlagen schon aus den USA kannten. Schon bald konnten sie sich mit eigenen Mitteln, verschiedenen Förderungen und über die Crowdfunding-Plattform Vision Bakery, über die im Internet Geld gespendet werden kann, in Leipzig für 3.000 Euro selbst eine solche Anlage bauen lassen. Die Hinterräder werden dafür auf Rollentrainer mit Lichtmaschine gestellt. Das Strampeln beginnt, ein Spannungsumwandler wandelt den erzeugten Gleich- in Wechselstrom um. Und über eine Steckdose kann der Strom dann fließen, um den Film auf die Leinwand zu projizieren. „Wir haben auch eine Autobatterie zwischengeschaltet, zu Sicherung und auch als Puffer“, sagt Kilian Hüffner. Etwa 60 Watt werden auf diese Weise pro Fahrrad erzeugt. Um einen Film abspielen zu lassen, sind mindestens sechs fleißig Strampelnde nötig, die Last wird dabei auf alle gleichmäßig verteilt.

Achtung, ich kann nicht mehr

Neben aller Technik ist, zumindest für die Radfahrer, auch eine andere Kleinigkeit wichtig: Mit der läutenden Klingel wird signalisiert: Achtung, ich kann nicht mehr. „Oft steht dann schon jemand zur Ablösung bereit“, sagt Hüfner. Bis zu 200 Besucher kommen zu den Veranstaltungen, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen, mit Rechtsextremismus oder dem Thema Lebensmittel. Zusätzlich zum Film sind jeweils auch Experten eingeladen und im Anschluss ergeben sich lockere Gespräche.

Um noch mehr Kräfte bündeln zu können, möchte sich CultureConAction demnächst auch offiziell mit Postkult zusammenschließen. Und damit auch mit Ehrenamtlern, wie Franziska Grieser, die Kilian Hüfner schon aus dem gemeinsamen Studium der Erziehungswissenschaften kennt und die sich für Urban.Aktiv, eine Projektgruppe von Postkult, engagiert. „Im vergangenen Jahr haben wir uns mit Rechtsextremismus beschäftigt, jetzt wollen wir zeigen, was uns wichtig ist und helfen Ressentiments über Kennenlernen abzubauen“, sagt die Hallenserin. Gemeinsam mit Flüchtlingen soll so auch über die drei geplanten Filme hinaus ein Miteinander entstehen.

Auf Trab gehalten werden die Studenten aber darüber hinaus nicht nur mit dem Fahrradkino und ihrer ehrenamtlichen Arbeit. Beide planen, zusammen ihre Masterarbeit zu schreiben. Und Kilian Hüfner ist ohnehin immer in Bewegung. Er ist vor vier Monaten Vater geworden. (mz)

Filmvorführung am 12. und 15. März um 19 Uhr und am 21. März um 20 Uhr im Böllberger Weg 5. Mehr unter cultureconaction.wordpress.com