Enthüllung auf dem Markt

Enthüllung auf dem Markt: Plastik erinnert an Altes Rathaus

Halle/MZ. - Zwölf Uhr mittags war's, und von der Kirche her erklang der erste Glockenschlag - da hoben Theresa und Karin Wildgruber gestern den blauen Samtstoff in die Höhe und gaben den Blick frei auf das, was Ulrich Schröder eine neue "Sehenswürdigkeit" Halles nannte: eine Bronzeplastik, die das Alte Rathaus zeigt und die ihren Platz vor dem Ratshof am Markt auf den Grundmauern des Barockflügels des Gebäudes gefunden ...

Von Peter Godazgar

Zwölf Uhr mittags war's, und von der Kirche her erklang der erste Glockenschlag - da hoben Theresa und Karin Wildgruber gestern den blauen Samtstoff in die Höhe und gaben den Blick frei auf das, was Ulrich Schröder eine neue "Sehenswürdigkeit" Halles nannte: eine Bronzeplastik, die das Alte Rathaus zeigt und die ihren Platz vor dem Ratshof am Markt auf den Grundmauern des Barockflügels des Gebäudes gefunden hat.

Initiiert wurde das neue Denkmal vom Kuratorium Altes Rathaus, das sich um den Wiederaufbau des Gebäudes bemüht, und dessen Vorsitzender Ulrich Schröder ist. Geschaffen wurde das Kunstwerk samt einer 1,20 Meter hohen Säule von der Burg-Absolventin Cathleen Meier, finanziert wurde es allein durch Spenden.

Auch Oberbürgermeisterin Ingrid Häußler (SPD) meinte, sie habe "selten einen so bewegenden Moment erlebt". Die Initiatoren hätten erreicht, dass viel mehr Menschen über die künftige Gestaltung der Innenstadt diskutierten - eine "gute Diskussion", die fortgesetzt werden sollte, wie die Oberbürgermeisterin meinte.

Der Kustos der Martin-Luther-Universität, Ralf-Torsten Speler, ging in seiner Festrede auf die Bedeutung des Marktplatzes in der europäischen Kulturgeschichte ein und meinte, der hallesche Markt habe "zweifelsohne keine befriedigende Platzform". Er erinnerte daran, dass in vielen anderen Städten historische Bauten neu errichtet würden, sprach sich aber auch dagegen aus, an die Stelle des Alten Rathauses "kurzfristig etwas hinzubauen" - stattdessen solle man die historische Situation belassen und erst bauen, wenn genügend Geld vorhanden sei. Ihre eigenen Gedanken über die Gestaltung des Markts machte sich schließlich Rita Hunger in hallescher Mundart. Ihr Fazit: "Hier fehlt was, und da muss eben das Alte Rathaus wieder hin."

Die geschätzten Kosten für einen Wiederaufbau liegen bei 50 Millionen Mark (und sie spielen übrigens auch auf Cathleen Meiers Bronzeplastik eine Rolle). Um diesem Ziel näher zu kommen, bat Ulrich Schröder die Hallenser nach der Enthüllung zu Bratwurst und Bier - freilich nicht ganz uneigennützig: Die Einnahmen aus dem Verkauf kommen dem Projekt zugute.