Ein Stück HistorieEin Stück Historie: Erster Teil des Barocktors von Halles altem Rathaus ist fertig

Halle (Saale) - Behutsam streicht Christoph Reichenbach mit den Fingern über die steinernen Blüten und Blätter. „Ich bin fasziniert von diesem Relief“, sagt der Bildhauer und Restaurator, der in Halle unter anderem mit der Restaurierung von Kuh und Pferd an der Giebichensteinbrücke und - ganz aktuell - eines aus dem 14. Jahrhundert stammenden Marien-Reliefs aus der Kirche Moritzkirche bedeutende Spuren hinterlassen ...

Von Katja Pausch 19.06.2020, 14:00

Behutsam streicht Christoph Reichenbach mit den Fingern über die steinernen Blüten und Blätter. „Ich bin fasziniert von diesem Relief“, sagt der Bildhauer und Restaurator, der in Halle unter anderem mit der Restaurierung von Kuh und Pferd an der Giebichensteinbrücke und - ganz aktuell - eines aus dem 14. Jahrhundert stammenden Marien-Reliefs aus der Kirche Moritzkirche bedeutende Spuren hinterlassen hat.

Nach einem Vierteljahr Arbeit hat Reichenbach nun die Nachbildung eines großen Sandsteinreliefs fertiggestellt, das sich einst zwischen den Fenstern des Barockflügel-Portals des Alten Rathauses auf dem Markt befunden hat.

Rekonstruktion des Barockflügelportals des Alten Rathauses

Mit dem 2,20 Meter hohen, 85 Zentimeter breiten und 30 Zentimeter tiefen Kunstwerk, das Reichenbach aus einem rund 800 Kilogramm schweren Warthauer Sandsteinblock geschaffen hat, sind die Mitglieder der Stiftung Altes Rathaus und der Bürgerinitiative „Historische Rathausseite Halle“ jetzt einen wichtigen Schritt weiter in ihrem Vorhaben: die Rekonstruktion des Barockflügelportals des Alten Rathauses.

Dafür, vielmehr noch für die geplante Aufstellung des historischen Portals und schlussendlich auch für den Wiederaufbau des Alten Rathauses selbst engagiert sich der Verein, der zahlreiche Unterstützer und Förderer hat, seit Jahren. So konnte auch die Nachbildung, deren Kosten sich auf 11.500 Euro belaufen, dank einer Zuwendung der VR-Stiftung der Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie der Volksbank Halle finanziert werden.

Restaurierung des Reliefs durch Steinpaten möglich

Noch bis zum Frühjahr wurden für das 1702 vollendete und errichtete barocke Portal, das im Gegensatz zum Alten Rathaus und der Alten Ratswaage auf der Ostseite des Marktes im Zweiten Weltkrieg nicht zerstört und dennoch entgegen eines damaligen Stadtratsbeschlusses von 1949 ein Jahr später abgerissen wurde, Stein-Paten für den Wiederaufbau gesucht. Seit April nun haben alle 90 Steine und Bögen jeweils einen Paten gefunden.

„Damit steht die Finanzierung der Steine in Höhe von 125.000 Euro“, freut sich Ulrich Schröder. Der Vereinsvorsitzende hat gemeinsam mit Reichenbach den fertigen Stein Nr. 13 in der Steinmetzwerkstatt Olaf Korgers in der Talstraße begutachtet, bevor das Relief bis zur geplanten Errichtung des kompletten Portals zwischengelagert wird. Auch Korger und dessen Sohn David, ebenfalls Steinmetz, unterstützen mit ihrer Arbeit den Aufbau des Barockportals.

Einweihung des Portals Oktober 2021

Als Vorlage für das Sandsteinrelief mit seiner Blütenornamentik diente Christoph Reichenbach lediglich ein historisches Foto des Portals. „Das habe ich auf Raster vergrößert und daraus zunächst ein Tonmodell geformt“, so der Bildhauer. Das anschließend geschaffene Gipsmodell diente dann als Vorlage für die bildhauerische Arbeit am Sandstein. „Mit Hilfe eines so genannten Punktiergeräts wird dabei das Motiv Stück für Stück herausgearbeitet“, so Reichenbach.

Drei weitere Reliefs - zwei Zwickelsteine über dem Portal sowie das obere Motiv - hat Reichenbach ebenfalls in Arbeit. Für die Aufstellung des fertigen Portals, dessen Einweihung der Verein am 3. Oktober 2021 plant, sind vom Verein noch einmal 83.000 Euro aufzubringen. Dafür, so Schröder, sei jeder Beitrag willkommen.

››Alle Infos zum Wiederaufbau und zum Verein auf halles-altes-rathaus.de (mz)