Dorfkirche Döblitz

Dorfkirche Döblitz: Hallenser macht Ibach-Orgel fit

Döblitz - „Hören sie mal!“, sagt Birgit Simon vom Förderverein Kultur und Geschichte Döblitz und lauscht den ersten Klängen die Orgelbauer Josef Poldrack der von ihm restaurierten Ibach-Orgel entlockt. „Ich bin so glücklich. Schon als ich das erste Mal die Dorfkirche hier in Döblitz betrat, fiel mir die Orgel auf. Und ich wünschte mir, dass wir es schaffen müssten, sie wieder zum Klingen zu bringen“, erzählt Birgit Simon. Das war im Jahr ...

Von Claudia Crodel

„Hören sie mal!“, sagt Birgit Simon vom Förderverein Kultur und Geschichte Döblitz und lauscht den ersten Klängen die Orgelbauer Josef Poldrack der von ihm restaurierten Ibach-Orgel entlockt. „Ich bin so glücklich. Schon als ich das erste Mal die Dorfkirche hier in Döblitz betrat, fiel mir die Orgel auf. Und ich wünschte mir, dass wir es schaffen müssten, sie wieder zum Klingen zu bringen“, erzählt Birgit Simon. Das war im Jahr 2002.

Der Verein hat über viele Jahre Spenden gesammelt, hat Konzerte und Kunstauktionen veranstaltet, hat Kuchen über Kuchen gebacken und auf dem Kuchenbasar verkauft. Die Sanierung der Orgel bezahlt er ganz ohne Fördergelder.

Ein Organist, der in der Kirche zu Gast war, hat vor Jahren einmal gesagt: „Das ist ein ziemlich großes Instrument für eure kleine Kirche. Da werdet ihr staunen.“ Birgit Simon, die in Döblitz zu Hause ist und die jeden Tag auch in die Kirche kommt, kann jetzt schon über den vollen Klang staunen, alle anderen das erste Mal am 21. Mai. Dann nämlich soll die historische Ibach-Orgel in einem Gottesdienst geweiht werden.

Orgelbauerlehre

Dass die Orgel wieder spielbar ist, ist Josef Poldrack zu verdanken. Der Orgelbauer, dessen Eltern beide Mitglied der Staatskapelle Halle sind, wuchs in der Saalestadt auf. Er absolvierte eine Orgelbauerlehre in der Werkstatt Ekkehart Groß in Waditz bei Bautzen und ließ sich anschließend in Chemnitz nieder. Mehrfach habe er schon bei einer grundhaften Restaurierung einer Orgel mitgewirkt.

„Die Ibach-Orgel der Döblitzer Kirche ist allerdings das erste Instrument, dass ich ganz alleine wieder flott mache, mit allem, was dazu gehört“, so Poldrack. Er suchte sich diese Orgel aus einem ganz bestimmten Grund aus: Sie ist sein Meisterstück.

Normalerweise ist der Neubau einer Orgel für ein Meisterstück gefordert, es sei denn, es handelt sich um eine Königin der Instrumente, bei der der Rekonstruktionsanteil so hoch ist, dass alle geforderten handwerklichen Tätigkeiten eingeschlossen sind. Das war bei der Döblitzer Orgel der Fall. Rund 70 Jahre schwieg das Instrument, das die einzige Ibach-Orgel Ostdeutschlands ist. Ende August baute Poldrack die Orgel vollständig auseinander und reinigte erstmal alle Teile.

Historisches Vorbild

Gut sechs Monate arbeitete er an dem Instrument, alles ganz nach dem historische Vorbild. Es stellte sich allerdings bereits beim Ausbau heraus, dass sich die Orgel nicht mehr ganz im Originalzustand befand, sondern dass einige Sachen verändert worden waren. „Mehr als 40 der insgesamt 353 Pfeifen, gedeckte Holz- wie auch Metallpfeifen, mussten erneuert werden“, erläutert Poldrack.

Und noch viele weitere Tätigkeiten waren notwendig. Viele der Tonmechaniken, Abstrakten aus Zedernholz, mussten ersetzt, 216 kleine Lagerstellen ausgebessert, die Windlade und der Blasebalg restauriert werden. Poldrack verwendete dafür spezielle Materialien. Beispielsweise ein besonders gutes Schafsleder in Glacée-Gerbung, das mit den häufigen Feuchtigkeitsschwankungen im sakralen Bau gut zurechtkommt und nicht so leicht bricht wie andere Lederarten.

Sieben Register

Dieser Tage baut Josef Poldrack das Instrument wieder zusammen, das über sieben Register verfügt. Einige Register klingen bereits wieder. Mit Lukas Georgi aus Markersbach im Erzgebirge hilft ihm ein Freund und Kollege beim Einbau. Georgi hat bereits seine Meisterprüfung vollständig abgelegt. Für Poldrack kommt der große Moment am 19. Mai. Dann trifft eine Prüfungskommission in Döblitz ein, dem in einer Sackgasse direkt an der Saale gelegenen kleinen Dorf, das zur Stadt Wettin-Löbejün gehört. Die Experten begutachten, was Poldrack geschaffen hat und ob er des Meistertitels würdig ist. Der junge Orgelbauer ist optimistisch.

Die Orgelweihe am 21. Mai wird in besonderer Weise begangen. Bereits ab 15 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen. Der dann womöglich frisch gebackene Orgelbaumeister Josef Poldrack bietet Orgelführungen an und beantwortet Fragen der Besucher. 17 Uhr folgt ein Weih-Gottesdienst mit Pfarrer Andreas Schuster. Organist Tim-Dietrich Meyer gibt das erste Konzert auf der restaurierten Orgel. (mz)