Bürgerpreis „Der Esel, er auf Rosen geht“

Die Hüter der Kirchturmuhr

Volker Rapsilber und Steffen Sauer hegen und pflegen das Schätzchen an dem Gotteshaus in Dammendorf.

03.05.2022, 18:09
Volker Rapsilber (links) und Steffen Sauer aus Dammensdorf sind für den Bürgerpreis nominiert für ihr Engagement um die örtliche Kirche.
Volker Rapsilber (links) und Steffen Sauer aus Dammensdorf sind für den Bürgerpreis nominiert für ihr Engagement um die örtliche Kirche. Foto: Silvio Kison

Landsberg - Gründe, um in den kleinen Ort Dammendorf zu fahren, der kurz hinter Spickendorf und Schwerz liegt, gibt es eigentlich genug: Der Ortskern, typisch für ein slawisches Sackgassendorf, steht unter Denkmalschutz. Im Ort ist auch eine rund 300 Jahre alte Eiche zu bewundern. Und: Eine zum Teil verfallene Dorfkirche aus dem 14. Jahrhundert - mit einer Turmuhr, die die Zeit immer korrekt anzeigt und zur vollen und halben Stunde schlägt. Dafür sorgen Volker Rapsilber aus Dammendorf und Steffen Sauer aus Schwerz, die deshalb für den Bürgerpreis „Der Esel, der auf Rosen geht“ nominiert sind.

Denn die 1918 eingebaute Uhr lief lange Zeit nicht. Verrostet und vergammelt war sie im Kirchturm - bis der Turm 1999/2000 im Rahmen einer Dorfentwicklungs-Maßnahme saniert wurde. „Damals hatte sie ein Gemeindearbeiter ausgebaut und angefangen, sie zu zerlegen“, erinnert sich der heute 58-jährige Steffen Sauer, der in dieser Zeit Mitglied im Gemeinderat war. So richtig kam der Mann mit der Sanierung der Uhr nicht zurecht, erzählt Sauer. „Deshalb habe ich ja gesagt, als ich gefragt wurde, ob ich helfen kann.“ Der gelernte Werkzeugmacher besorgte sich ein Sandstrahlgerät und entfernte mit feinstem Quarzsand den Rost, ersetzte defekte Lager und Getriebe, erneuerte den Hammer, der auf die Uhrglocke schlägt. „Das waren schon drei bis vier Monate Arbeit“, berichtet er.

Bis in die Nacht gewerkelt

Danach lief die Uhr zwar wieder - musste aber einmal die Woche aufgezogen werden. „In der ersten Zeit gab es einige Kinderkrankheiten, einiges klappte nicht. Wir haben oft bis abends gebastelt“, sagt der 57-jährige Volker Rapsilber, der 2004 mit in das Projekt „Erhaltung der Kirchturmuhr“ eingestiegen ist. Damals war Rapsilber stellvertretender Ortsbürgermeister von Dammendorf.

2004 erhielt die Uhr auch noch einen elektrischen Antrieb durch eine Fachfirma. Bezahlt wurden alle Arbeiten von der Gemeinde, denn die Uhr gehört der Kommune - im Gegensatz zum Gebäude, das der Kirche gehört.

Trotzdem müssen sich die beiden regelmäßig um das technische Wunderwerk kümmern: Bei Stromausfällen bleibt die Uhr stehen und muss wieder in Gang gebracht werden. Zudem verändert sich das Holzpendel der Uhr durch die Witterung, vor allem bei Feuchtigkeit. Dann müssen Rapsilber und Sauer händisch nachhelfen, dass das Pendel wieder genau schwingt, indem es durch eine Schraube länger oder kürzer eingestellt wird. Auch auf Winter- und Sommerzeit muss per Hand umgestellt werden. Darüber hin-aus machen beide auch Führungen in dem sonst verschlossenen Kirchenareal, etwa zum Tag des offenen Denkmals.

Uralte Glocken erklingen

Denn der Turm hat noch ein besondere Kostbarkeit aufzuweisen: zwei Glocken aus dem 13. und 15. Jahrhundert. Selbst das eingefallene und dachlose Schiff der 1371 erstmals erwähnten Kirche ist ein Blickfang mit einem alten Barockaltar. „Hier werden zum Beispiel zu Himmelfahrt Freiluftgottesdienste gefeiert, auch Konzerte gab es hier schon“, berichtet Rapsilber, der 1964 in dem Gotteshaus getauft wurde. Der gebürtige Dammendorfer führt auch gerne über den stillgelegten und entweihten Friedhof, auf dem noch drei schmuckvolle Gräber der wohlhabenden Kaufmannsfamilie Weil stehen. Sie stammen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.

Für dies alles zu sorgen, ist für das Duo eine Selbstverständlichkeit: „Es ist für uns eine Ehre, die Uhr und das Kirchenareal in Ordnung zu halten und zu pflegen.“ Genau das freut die jetzige Ortsbürgermeisterin Beate Bunge, die die beiden vorgeschlagen hat. „Diese Bürger fragen nicht nach Geld, dazu sind sie viel zu bescheiden, leise und still. Sie freuen sich, wenn sie anderen eine Freude machen dürfen. Dafür gilt mein Dank und Respekt“, schreibt sie.