Tanzsport

Deutsche Meisterschaft im Tanzsport in Halle Saale: Nach dem Karneval ist vor dem Karneval - für rund 2000 Tänzer

Halle (Saale) - Die Halle „kocht“: laute, stampfende Rhythmen nach dem Klang von Trommeln, Tröten, Ratschen. Fans feuern lautstark die Akteure an. Konfetti-Kanonen schießen immer wieder bunte Glitzerstreifen zur Decke. Die Stimmung ist ausgelassen, überall sind Menschen in bunten Kostümen zu sehen. Ist denn noch ...

Die "Mini-Schnooge" des SV "Die Holzbiere" Knielingen nehmen in der Kategorie Tanzgarden Altersklasse 1 Jugend (2007-2012) auf der 47. deutschen Meisterschaft des karnevalistischen Tanzsport 2018 teil.
Die "Mini-Schnooge" des SV "Die Holzbiere" Knielingen nehmen in der Kategorie Tanzgarden Altersklasse 1 Jugend (2007-2012) auf der 47. deutschen Meisterschaft des karnevalistischen Tanzsport 2018 teil. dpa-Zentralbild

Die Halle „kocht“: laute, stampfende Rhythmen nach dem Klang von Trommeln, Tröten, Ratschen. Fans feuern lautstark die Akteure an. Konfetti-Kanonen schießen immer wieder bunte Glitzerstreifen zur Decke. Die Stimmung ist ausgelassen, überall sind Menschen in bunten Kostümen zu sehen. Ist denn noch Karneval?

In der Messehalle in Halle ist, so scheint es, seit Aschermittwoch noch längst nicht alles vorbei. Bei der „47. Deutschen Meisterschaft im karnevalistischen Tanzsport“ zeigen 2000 Kinder und Jugendliche aus ganz Deutschland, was ihre Sparte zu bieten hat - ob als Tanzmariechen, als Tanzpaar oder Tanzgarde.

Der zweitägige Wettbewerb ist hart, die Kriterien sind streng. Der Sport erfordert Disziplin, Ausdauer, Kraft, Koordination - und soll mit Spaß am Karneval verbunden sein.

Radschlagen, klatschen, Beine in die Höhe, und alles im Takt der karnevalistischen Marschmusik. Tanzmariechen Mara-Milena Öhrlein etwa von der „Tanzsportabteilung TV 73 Würzburg“ zaubert im roten Kostüm in atemberaubender Geschwindigkeit ihre Figuren in einer gekonnten Choreografie auf das Parkett.

Alles sieht leicht aus, dabei stecken viele Jahre und viele Stunden hartes Training in einem wenige Minuten dauernden Auftritt. Öhrlein gehört laut Veranstalter zu den Besten.

Aber was ist das Besondere am Karnevalstanz? Die Kostüme sind den Uniformen aus dem 18. Jahrhundert mit Dreispitz, Perücke und Uniformjacke entlehnt. Das Tanzmariechen als traditionelle Figur, besonders im rheinischen Karneval, geht auf Marketenderinnen zurück.

„Wer in einem Tanzverein ist, der tanzt. Hier ist es mehr, eine Kombination von Brauchtum, Musik, Rhythmus, Darstellung und Ausstrahlungskraft“, erklärt Stefan Mohr aus dem Ausschuss Tanzturnier im „Bund Deutscher Karneval“ inmitten des Trubels und vielen Zuschauern auf Tribünen am Samstag.

„Ich tanze, seit ich vier Jahre alt bin“, erzählt Tanzmariechen Elisabeth Misiurny vom „Roitzscher Carnevalsverein (RCV)“ aus Sachsen-Anhalt. Ihr Ziel: „Ich möchte unter die ersten zehn kommen“, sagt die Elfjährige vor ihrem Auftritt. Sie hat sich zum ersten Mal für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert.

Der Präsident des Karneval Landesverbandes Sachsen-Anhalt, Dirk Vater, ist stolz, dass sein Bundesland den Zuschlag für die diesjährige Ausrichtung des Wettbewerbes bekommen hat. „Das kommt in meinem karnevalistischen Leben wohl nur einmal vor“, sagt Vater mit bewegter Stimme. Vor der bundesweiten Konkurrenz hat er hohen Respekt.

Die 15-jährige Jana Göll aus Baden-Württemberg tanzt seit zehn Jahren im karnevalistischen Schautanz. Ihre Freundin Paula Schmitt ist 13 Jahre und seit neun Jahren dabei. „Ich habe erst Ballett gemacht, mich dann aber für diesen Tanz entschieden“, sagt Schmitt. Die beiden Mädchen haben Spaß - und dafür trainieren sie pro Woche sechs Stunden. Mindestens. (dpa)