Schadstoffbelastung im Grundwasser der alten Nazi-Fabrik

Debatte um Altlasten: Orgacid-Gelände in Ammendorf wird Fall für den Landtag

Die Bürgerinitiative aus Ammendorf war in Magdeburg.

Von Jonas Nayda 22.10.2021, 12:00
Orgacid-Gelände soll renaturalisiert werden. Doch durch die Schadstoffbelastung im Grundwasser der alten Nazi-Fabrik machen das schwierig.
Orgacid-Gelände soll renaturalisiert werden. Doch durch die Schadstoffbelastung im Grundwasser der alten Nazi-Fabrik machen das schwierig. (Foto: Silvio Kison)

Halle (Saale)/MZ - Für das Gelände der ehemaligen Giftgasfabrik „Orgacid“ in Ammendorf und die gleichnamige Bürgerinitiative gibt es wieder mehr Hoffnung. Der Landtag von Sachsen-Anhalt hat sich nun dem mutmaßlich schwer verseuchten Areal angenommen. Erich Gadde, Sprecher der Bürgerinitiative, war am Mittwoch nach Magdeburg gereist, um dort im Petitionsausschuss zu sprechen. Es sei ein voller Erfolg gewesen, sagt Gadde auf MZ-Nachfrage. „Endlich wurde uns mal intensiv zugehört.“

Altlasten im Grundwasser des Fabrikgeländes: Land soll sich um Thematik kümmern

Gadde und seine Mitstreiter weisen schon seit Jahren auf die Gefahr durch Schadstoffbelastung im Grundwasser der alten Nazi-Fabrik hin und versuchen, eine Sanierung des Geländes in die Wege zu leiten. Zuletzt hatte die Stadt Halle eine Studie durchführen lassen, die ergab, dass noch immer Belastungen durch Kampfmittel oder Abbauprodukte von Giftgas im Boden vermutet werden und dringend mehr Proben und Testungen durchgeführt werden sollten.

Die Abgeordneten des Petitionsausschusses forderten die Landesregierung auf, weitere Schritte einzuleiten und sich um die Zukunft des Orgacid-Geländes zu kümmern. In den nächsten Monaten sollen alle Informationen gesammelt und an den zuständigen Fachausschuss übermittelt werden.

Orgacid-Gelände soll zum klimaneutralen Gewerbegebiet entwickelt werden

Auch Vertreter der Stadt Halle sollen dann noch einmal zu Wort kommen. Ein Vor-Ort-Termin in Ammendorf wurde abgelehnt, weil die kontaminierten Flächen zum Großteil nur schwer begehbar beziehungsweise zugeschüttet sind. Der Ammendorfer CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Keindorf, der sich ebenfalls seit Jahren für die Sanierung des Gebietes stark macht, ist vorsichtig optimistisch.

„Die Landesregierung muss offen gebliebene Fragen beantworten und die Stadt bei der Entwicklung des Geländes unterstützen“, so Keindorf. Im Rahmen des Strukturwandels ist langfristig geplant, das Orgacid-Gelände mit Fördergeld von der Bundesregierung zu einem klimaneutralen Gewerbegebiet zu entwickeln, nachdem es vollständig saniert worden ist.