LKa und Staatsanwaltschaft ermitteln

In Geburtsklinik in Halle wurden Blutproben von Neugeborenen vorsätzlich manipuliert

In einer Geburtsklinik in Halle sind offenbar über mehrere Jahre hinweg Blutproben von Säuglingen manipuliert worden. Eine im Elisabethkrankenhaus beschäftigte Person soll dabei vorsätzlich gehandelt haben.

Von Annette Herold-Stolze 26.10.2021, 12:13 • Aktualisiert: 26.10.2021, 13:38
Offenbar wurden Blutproben von Neugeborenen im Elisabethkrankenhaus über acht Jahre manipuliert.
Offenbar wurden Blutproben von Neugeborenen im Elisabethkrankenhaus über acht Jahre manipuliert. (Foto: Lutz Winkler)

Halle (Saale)/MZ - In einer halleschen Geburtsklinik sind Blutproben von Neugeborenen manipuliert worden. Wie das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara am Dienstag mitteilte, ist am 5. Oktober bei einer Laboruntersuchung in Magdeburg offenbar geworden, dass es sich bei drei Proben nicht um Säuglings-, sondern um Erwachsenenblut handele.

Halle Saale: Ermittlungen wegen manipulierter Blutproben von Neugeborenen

Es stamme von ein und derselben Person, berichtete der Ärztliche Direktor Dr. Hendrik Liedtke. Offenbar habe eine im Elisabethkrankenhaus beschäftigte Person vorsätzlich gehandelt. Landeskriminalamt und Staatsanwaltschaft haben demnach die Ermittlungen aufgenommen. Die Person sei inzwischen nicht mehr im Krankenhaus beschäftigt, sagte Pflegedirektorin Daniela Marintschev.

Bei so genannten Screenings wird das Blut von Neugeborenen unter anderem auf Erbkrankheiten untersucht. „Wir müssen den Worst Case annehmen, dass diese Person über acht Jahre hinweg gefälscht hat“, sagte der Ärztliche Direktor. Die Motive dafür seien unklar. Anhand von Dienstplänen sei nachvollzogen worden, dass die mutmaßliche Täterin – dem Vernehmen nach soll es sich um eine Pflegekraft handeln – für die Blutproben von etwa 800 Kindern verantwortlich war.

Klinik werde nun Kontakt zu den betroffenen Familien aufnehmen

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Vielzahl von Kindern unerkannt an einer der untersuchten Krankheiten erkrankt ist, sei gering, machte Liedtke deutlich. Man gehe statistisch davon aus, dass auf 1.000 Geburten ein Kind mit positivem Befund kommt. Nichtsdestotrotz werde der Vorfall sehr ernst genommen.

Die Klinik werde nun Kontakt zu den betroffenen Familien aufnehmen und Nachuntersuchungen veranlassen. Die Klinikleitung bittet Eltern ausdrücklich, von Nachfragen abzusehen. Das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara ist mit rund 2.000 Geburten pro Jahr die größte Geburtsklinik in Sachsen-Anhalt.