Ernüchterung bei Papenburg

Baufirma Papenburg Halle (Saale): Von 70 Flüchtlingen nur noch einer da

Halle (Saale) - 70 Flüchtlinge haben bei der Unternehmensgruppe Günter Papenburg in Halle vor einem Jahr den Schritt in die berufliche Qualifizierung gewagt. Nach einem Jahr ist nur einer übrig geblieben. Was ist schief gelaufen?

Von Thomas Schöne 23.01.2017, 17:10
Fahrlehrer Sylvio Hanke erklärt den syrischen Asylbewerbern Mustafa al Amir (Mitte) und Basel Jaghssi im Januar 2016 das Cockpit eines 40-Tonners in Halle/Saale.
Fahrlehrer Sylvio Hanke erklärt den syrischen Asylbewerbern Mustafa al Amir (Mitte) und Basel Jaghssi im Januar 2016 das Cockpit eines 40-Tonners in Halle/Saale. dpa-Zentralbild

Von den rund 70 Flüchtlingen, die vor einem Jahr bei der Bauunternehmensgruppe Günter Papenburg in Halle eine Qualifizierung begonnen haben, ist nur noch einer da. „Das ist ein ernüchterndes Fazit“, sagte Geschäftsführerin Angela Papenburg der Deutschen Presse Agentur.

„Ein Grund war, dass die Flüchtlinge immer wieder neue Angebote von irgendwelchen Bildungsträgern bekamen“, sagte Papenburg. Sie seien dann nicht mehr gekommen. Papenburg wollte die Flüchtlinge eigentlich binnen drei Jahren zu Berufskraftfahrern, Betonwerkern, Baumaschinisten und Bauhelfern ausbilden.

Bauunternehmen Papenburg: Nach Angaben der Arbeitsagentur sind viele Flüchtlinge nicht in Halle geblieben

Die Arbeitsagentur Halle teilte schriftlich mit, dass die Flüchtlinge bei Papenburg eine Art Praktikum absolviert hätten - und danach bei einem Bildungsträger eine Maßnahme zur Kompetenzfeststellung. Viele der Flüchtlinge seien auch nicht in Halle geblieben. Eine Wohnsitzauflage gibt es erst seit September 2016 mit dem Integrationsgesetz. Einige wenige wählten den Angaben zufolge eine andere Perspektive für sich.

„Der eine junge Mann wird im kaufmännischen Bereich zum Industriekaufmann qualifiziert. Wenn es für ihn zu schwer wird, kann er in Richtung Büromanagement ausgebildet werden“, sagte Papenburg über den einzigen verbliebenen Flüchtling. „Wenn er das schafft, würden wir ihn auch übernehmen, entweder als Industriekaufmann oder in Richtung Büromanagement.“ Der Azubi komme aus Syrien, sei 22 Jahre alt, verheiratet und habe ein Kind.

Gleichzeitig plane das Unternehmen einen neuen Anlauf bei der Qualifizierung von Flüchtlingen. „Wir wollen mit der Bundesagentur für Arbeit sprechen, die natürlich auch Vermittlungshemmnisse sieht“, sagte Papenburg. (dpa)

In einer ersten Fassung des Textes hieß es, dass 100 Flüchtlinge bei Papenburg mit der beruflichen Qualifizierung begonnen haben. Die Nachrichtenagentur dpa hat inzwischen ihre Angaben korrigiert. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bei einer Informationsveranstaltung über eine Berufsausbildung mit einem syrischen Asylbewerber.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bei einer Informationsveranstaltung über eine Berufsausbildung mit einem syrischen Asylbewerber.
dpa-Zentralbild