Basketball-Bundesliga

Basketball-Bundesliga: Gisa Lions stehen vor einem Mammutprogramm

Halle (Saale) - Es hatte etwas von einer Einstandsrunde, als Styliani Fouraki diese Woche mit selbst gebackenen Weihnachtsplätzchen aufkreuzte. In der so außergewöhnlichen Zeit, in der Corona ein gemeinschaftliches Weggehen und eine Weihnachtsfeier erst recht unmöglich macht, kamen die von der frisch zu Halles Basketballerinnen gestoßenen Griechin zur Videoanalyse mitgebrachten Leckereien gut ...

Von Petra Szag

Es hatte etwas von einer Einstandsrunde, als Styliani Fouraki diese Woche mit selbst gebackenen Weihnachtsplätzchen aufkreuzte. In der so außergewöhnlichen Zeit, in der Corona ein gemeinschaftliches Weggehen und eine Weihnachtsfeier erst recht unmöglich macht, kamen die von der frisch zu Halles Basketballerinnen gestoßenen Griechin zur Videoanalyse mitgebrachten Leckereien gut an.

Die theoretische Vorbereitung auf den Schlagabtausch am Sonntag mit dem bislang noch ungeschlagenen Top-Team aus Wasserburg war der Aufgalopp eines wahren Kraftaktes, der den Lions für den Rest des Jahres bevorsteht.

Gisa Lions vor Endspurt 2020: Neuland für Trainer Peter Kortmann

Vier Aufgaben muss Halle 2020 noch lösen. Nach dem Spiel jetzt in Oberbayern kommt erst Hannover (23.12.) und dann Saarlouis (27.12.). Und zu guter Letzt wartet auswärts auch noch Heidelberg (30.12.). „So viele Spiele in so kurzer Zeit und dazu noch über die Feiertage - ich kann mich nicht erinnern, dass wir das schon einmal so hatten, seit ich dabei bin - und ich bin schon lange dabei“, sagt Halles Trainer Peter Kortmann.

Der Kraftakt könnte aber durchaus gelegen kommen. Denn der Sieg zuletzt gegen Nördlingen, so hofft der 58-jährige, hat nach dem Stotterstart den Knoten gelöst. „Der Schlüssel wird sein, es in kurzen Abständen zu schaffen, die Kräfte wieder neu herzustellen“, sagt der Trainer-Fuchs angesichts des gewaltigen Pensums. Wer am besten regeneriert und dann seine Leistung abrufen kann, der habe auch die besten Chancen. Um im Kampf um den Klassenerhalt auf Kurs zu bleiben, streben die Lions zwei Siege in den vier Spielen an.

Gegen Wasserburg ist es wahrscheinlich am schwierigsten, zu punkten, auch wenn Kortmann es allgemein so formuliert: „Ich glaube, wenn wir das abrufen, was wir im letzten Spiel gemacht haben, dann haben wir immer eine Chance.“ Also 40 Minuten Intensität. Die Wurfquote erfüllen.

Gisa Lions gegen Wasserburg klarer Außenseiter

Ein Sieg wird aber auch dann ungleich schwerer als gegen Nördlingen. So groß ist die individuelle Klasse der Gastgeberinnen. Zu denen gehört mit Laura Hebecker eine Spielerin, die von Kortmann vor Jahren in Halle zur Bundesligatauglichkeit geführt wurde. Dazu auch deren jüngere Schwester Elisa. In dem Insiderwissen sieht Halles Coach keine Vorteile. „Vielleicht kann man deshalb den einen oder anderen Tipp mehr geben“, sagt er. Aber mehr eben auch nicht.

Der Vorteil für die Gisa Lions: Wasserburg ist kein Muss. Wasserburg ist ein Kann. Der Druck liegt beim Gegner. Um angesichts des Mammutprogramms die Strapazen so gering wie möglich zu halten, machen sich die Lions am Sonntagmorgen mit zwei Kleinbussen los. Ein Reisebus wäre noch länger unterwegs als die jeweils fünf einkalkulierten Stunden für Hin- und Rückfahrt.

Eine Übernachtung lässt Corona ebenso wenig zu wie ein Zwischenstopp im Restaurant. Am Tag nach dem Spiel wird das Basketball-Training durch Yoga ersetzt. Das eignet sich bestens für Regeneration, hatten die Lions letzte Woche beim „ersten Mal“ festgestellt.

Corona-Lockdown: Gisa Lions müssen Lagerkoller vermeiden

Doch wie soll die gute Laune hochgehalten und ein „Lagerkoller“ vermieden werden? „Die Mannschaft ist Gott sei dank intakt“, sagt Kortmann, „die Mädchen helfen sich untereinander.“ Die größtenteils jungen Spielerinnen seien meist zum ersten Mal weg von zu Hause und den Familien. Ihr Aktionsradius beschränkt sich tatsächlich gerade auf Sporthalle, Gästewohnung und Bus zur Auswärtsfahrt.

„Das ist eine enorme Herausforderung“, bestätigt Kapitänin Klaudia Grudzien. Und meint das nicht nur körperlich, sondern auch mental. „Das ist eine einmalige Saison.“ Um der Einsamkeit entgegenzuwirken, wolle sie zu Weihnachten nicht allein sein, werde bestimmt eine ihrer Teamkolleginnen besuchen.

Auch die Vereinsführung der Lions macht sich Gedanken, wie man den Spielerinnen beistehen kann. „Ursprünglich war ein Adventssingen mit dem Halle-Neustädter Mädchenchor in der Erdgasportarena geplant“, erzählt Geschäftsführerin Lysann Kairies. Weil das wegen der Hygienevorschriften nicht möglich ist, versuche man ein digitales Weihnachtssingen zu organisieren. Viele Möglichkeiten gibt es gerade nicht. Umso mehr freuen sich die Lions über Gesten wie die Weihnachtsplätzchen.

››Das Spiel gegen Wasserburg am Sonntag ab 16 Uhr zeigt sporttotal.tv. (mz)