Aus für „Herder“-Gymnasium

Aus für „Herder“-Gymnasium : Hans-Dietrich Genscher kommt aufs Schild

Halle (Saale) - Ab dem 1. August trägt die Schule in der Friesenstraße den Namen ihres berühmtesten Absolventen - nach langer Kontroverse. Ein Festakt folgt im Oktober.

Von Detlef Färber

Erste Male sind oft unspektakulär. Und erste Tage erst recht. Als etwa ein gewisser Hans-Dietrich Genscher - vermutlich noch mit einem Ranzen auf dem Rücken - erstmals durch das große Tor der prächtigen wilhelminischen Schule in der halleschen Friesenstraße trat, dürfte kaum jemand Notiz genommen haben von diesem Knaben der untersten Klassenstufe.

Und genauso war es auch am Dienstag an gleicher Stelle wieder - an jenem Tag, als Genscher offiziell zurückkehren durfte an seine alte „Penne“. Denn der 1. August im Vorfeld des neuen Schuljahrs 2017/18 ist der Stichtag, ab dem das bisherige Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium offiziell seinen neuen Namen trägt - nämlich den seines wohl berühmtesten Schülers, des deutschen Langzeitaußenministers der Jahre 1974 bis 1992 und Mit-Architekten der deutschen Einheit. Die neuen Schüler, die mit Beginn des Schuljahres an die Schule in der Friesenstraße wechseln, dürfen sich also von Anfang an Genscher-Gymnasiasten nennen.

Umbenennung des Gymnasiums umstritten

Dass es dazu kommen würde, hing freilich lange am seidenen Faden, denn mit der Genscher-Ehrung allgemein und mit der Umbenennung des Gymnasiums insbesondere hatte sich Halles Stadtpolitik ausgesprochen schwer getan. Nachdem der in Reideburg geborene und in Halle aufgewachsene spätere Weltpolitiker vor 16 Monaten 89-jährig verstorben war, kam eine Diskussion nur langsam in Gang - darüber, wie die Stadt den Mann, der zu Lebzeiten immerhin einer ihrer wenigen Ehrenbürger war, nach seinem Tod ehren könnte.

Schließlich erwies sich die (von vielen jedoch als suboptimal eingeschätzte) Idee im Stadtrat doch als mehrheitsfähig, den zuvor namenlosen halleschen Bahnhofsvorplatz nach Genscher „um“-zubenennen: Ausgerechnet den Platz am Bahnhof! - jenem Ort, von dem ein anderer berühmter hallescher Gymnasiast, der spätere deutsche Komödienkönig Curt Goetz, schelmisch bemerkt hatte, er sei so schön, weil man Halle von hier aus so schön schnell in alle Richtungen verlassen könne!

Straßenumbenennung zugunsten Genschers

Die Entscheidung fiel zudem erst, nachdem ausgerechnet Halles ,befreundete Landeshauptstadt Magdeburg eine (zunächst irgendeine!) Straßenumbenennung zugunsten Genschers beschlossen hatte. Geworden ist es dort dann die Straße, die zum Möbelhaus Ikea führt: Eine Straße also für Leute, die vorerst am Ort bleiben wollen!

Und richtig bitter für Halle war mit Blick auf Genscher dann die Debatte über die Schulumbenennung, die zunächst im Kulturausschuss des Stadtrats sogar gescheitert war - obwohl deren Mitinitiatorin Sabine Schwarz, eine Lehrerin der Schule, plausibel erklärt hatte, dass dies ja gerade keine Entscheidung gegen den alten Namenspatron Herder sein solle, sondern geeignet sei, „ein bisschen Moderne in Herders Ideale zu bringen“.

Am Ende gab aber ein Votum der Schulvollversammlung und des Stadtratsplenums doch noch fürs Genscher-Gymnasium den Ausschlag. Eine Festveranstaltung zur Umbenennung wird es übrigens auch noch geben: Mit Genschers Witwe Barbara und seinem Amtsnachfolger Klaus Kinkel: am 27. Oktober, 13 Uhr. (mz)