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Attacke auf Thyssenkrupp-Chef

Attacke auf Thyssenkrupp-Chef in Halle (Saale): Heinrich Hiesinger mit Farbe bespritzt

Halle (Saale) - Demonstranten bespritzen Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender des Industriekonzerns, in Halle mit Farbe. Der Manager bleibt unbeeindruckt.

Von Steffen Höhne und Dirk Skrzypczak 09.05.2018, 06:21

Das hat es bei den Halleschen Wirtschaftsgesprächen noch nicht gegeben: Als der Gastredner des Abends, Heinrich Hiesinger, die Franckeschen Stiftungen in Halle kurz vor 18 Uhr betreten wollte, wurde der Vorstandschef des Industriekonzerns ThyssenKrupp an der Eingangstreppe von einer Gruppe von zehn bis 15 jungen Menschen abgefangen.

Sie umringten ihn und es entspann sich laut Augenzeugen schnell eine Diskussion um U-Boot-Lieferungen des Konzerns an die Türkei.

Attacke auf Heinrich Hiesinge: „Am Thyssen-Krupp-Chef klebt Blut“

Einem der Demonstranten reichte das nicht: Er holte zwei Flaschen heraus und bespritzte Hiesinger mit roter Farbe. Das Symbol dahinter war eindeutig: An dem Thyssen-Krupp-Chef klebt Blut, sollte das heißen. Anschließend flüchtete die Gruppe. Der Staatsschutz ermittelt nun.

Anwesende Professoren der Universität Halle und die Ausrichter der Veranstaltung, das Institut für Unternehmensforschung und Unternehmensführung, zeigten sich zunächst perplex. Mit einer solchen Attacke hatte niemand gerechnet. „Wir sind ein Forum für friedliche Diskussionen, das allen offen steht“, hieß es. Hiesinger wechselte nur schnell seinen Anzug und trat wenige Minuten später unbeeindruckt auf die Bühne des Freylinghausen-Saals.

Zu Beginn seines Vortrages „Der digitale Wandel und seine Bedeutung für einen globalen Industriekonzern“ sagte er: „Ich wurde hier lebhaft begrüßt.“ Der Vorstandschef meinte, dass er es „akzeptiere, dass es Menschen mit anderen Einstellungen gibt“. Er stelle sich der Diskussion.

ThyssenKrupp beschäftigt weltweit knapp 160.000 Mitarbeiter

ThyssenKrupp gehört zu den 30 größten deutschen Börsenunternehmen. Der Industriekonzern erwirtschaftete im vergangenen Jahr etwa 43 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt weltweit knapp 160.000 Mitarbeiter. Ein Unternehmensteil ist Thyssen-Krupp Marine Systems GmbH (TKMS) mit Sitz in Kiel, der nach eigenen Angaben führende europäische Systemanbieter für U-Boote und Marineschiffe.

Die Firma beschäftigt knapp 4.000 Mitarbeiter. Mediale Aufmerksamkeit erregt derzeit ein Rüstungsauftrag von der Türkei. Nach Hiesingers Vortrag fragte dann auch ein Zuhörer: „Wie können Sie U-Boote an Erdogan verkaufen, der in Syrien Krieg führt.“ Der Mann erinnerte auch an den 8. Mai 1945, dem Ende des 2. Weltkrieges, „an dem die Firma Krupp gut verdiente“.

Hiesinger antwortete, dass die Lieferung der U-Boote bereits 2009 vertraglich vereinbart worden sei und die Türkei ein Nato-Partner ist. Die Verträge ließen sich auch nicht ohne weiteres kündigen. Hiesinger betonte, dass Thyssen-Krupp keine militärische Ausrüstung produziere, die bei innerstaatlichen Konflikten angewendet werden können. Thyssen-Krupp sei sich seiner Verantwortung durchaus bewusst. (mz)