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Andreas Silbersack im MZ-Interview Andreas Silbersack im MZ-Interview: "Wenn ich OB werde dann..."

12.09.2018, 08:07
Andreas Silbersack: „Ich trete an, um zu gewinnen.“
Andreas Silbersack: „Ich trete an, um zu gewinnen.“ silvio kison

Halle (Saale) - Andreas Silbersack will Halle bewegen. Als Oberbürgermeister. Bei der OB-Wahl im Herbst 2019 tritt der 50-jährige Anwalt mit FDP-Parteibuch als Kandidat von CDU und Liberalen an.

Der Vater von drei Kindern hat sich bislang vor allem im Sport als Präsident des Landessportbunds und als Chef des USV Halle einen Namen gemacht. Kann er auch Politik? Und wofür steht er?

2016 und 2017 war er als Kandidat bei den Landtags- und Bundestagswahlen angetreten und hatte respektable Ergebnisse erzielt. Für die MZ haben Hartmut Augustin und Dirk Skrzypczak mit dem Hallenser gesprochen.

War es schwierig, die CDU zu überzeugen, dass Sie der Richtige sind?

Andreas Silbersack: Das müssen Sie die Leute aus der CDU fragen. Für mich war die Diskussion vor der Nominierung ehrlich und spannend. Ich verstehe CDU-Mitglieder, die lieber einen CDU-Kandidaten hätten, der durch die FDP unterstützt wird. Die Schnittmengen zeigen aber, dass uns viele Dinge gemeinsam bewegen und das überzeugte letztlich.

Sie hatten noch kein politisches Amt. Wieso glauben Sie, dem Job gewachsen zu sein?

Das stimmt. Ich sitze weder im Stadtrat, noch bin ich bislang in der Kommunalpolitik in Aktion getreten. Als Präsident des Landessportbunds habe ich mich stark mit der Landespolitik beschäftigt. Ich weiß, wo wirtschaftlich und sozial die Probleme liegen. Die Stadt verfügt über viel Fachwissen in der Verwaltung, auf das ich als OB zurückgreifen werde. Ich denke, dass der Blick von außen, wie ich ihn habe, kein Nachteil ist.

Welche Visionen hat Andreas Silbersack für Halle?

Apropos Blick. Wenn Sie OB werden, wo sehen Sie Halle im Jahr 2030?

Wir reden von einem Prozess. Und wir müssen uns auch fragen: Wo kommt Halle her, was hat die Stadt geprägt? Und was bedeutet das für die Zukunft? 2030 ist da nur ein Punkt.

Halle hat nach 1990 den maximal größten Strukturwandel durchlebt. Und daraus ergeben sich auch die Überschriften der Zukunft. Das sind wirtschaftliche Themen und soziale Aspekte. Beim Gewerbesteueraufkommen liegen wir bei der Hälfte von dem, was Magdeburg erzielt und auch Dessau ist in Relation viel weiter.

Wir brauchen mehr werthaltige Arbeitsplätze. Und ich will stärkere Identifikationen mit unseren lokalen Stärken schaffen, denn dies ist letztlich eine starke Basis für Engagement und Visionen. Wenn ich an die Schwemme als alte Brauerei denke und sehe, wie viele Hallenser dafür brennen, dann brauchen wir mehr solcher Identifikationsmomente.

Wie wollen Sie Firmen dazu bringen, hier zu investieren?

Das gelingt nur, wenn Leute unser Potenzial sehen. Halle ist ein wesentlicher Bestandteil von Mitteldeutschland. Wir müssen unsere Rolle finden, vernetzt in der Region, auf Augenhöhe mit dem Umland. Wir haben mit Leipzig und dem Saalekreis gemeinsame Interessen und können selbstbewusst sein.

Identifikation? Sie haben in Höhnstedt selbst zwei Weinberge und könnten ja einen OB-Wein anbieten.

Das Thema Wein ist nur ein Beispiel von vielen. Im Mittelpunkt steht aber hier die Region, nicht die Person des OB.

Muss Halle mehr mit dem Umland zusammenarbeiten?

Braucht Halle eine bessere Zusammenarbeit mit dem Saalekreis? Das Verhältnis zum Umland dümpelt vor sich hin.

Ich mache da keine Rangliste auf, wer für Halle der wichtigere Partner ist. Aber mit dem Saalekreis haben wir nun mal viele Gemeinsamkeiten. Wir müssen nicht versuchen, Leipzig zu kopieren. Das gelingt uns sowieso nicht. Was wir aber können, ist, unsere Stärken besser einzusetzen.

So klingt ein Politiker. Wo sehen Sie Halles Potenziale?

Unter anderem in der stärkeren Vernetzung mit dem Weinbergcampus und der Universität. Biotechnologie, Digitalisierung: Das sind Zukunftsthemen.

Halle muss den Anspruch haben, wissenschaftlich die Vorreiterrolle in Sachsen-Anhalt einzunehmen. Und wir als Stadt müssen mit dem Land den Rahmen schaffen, damit wirtschaftliche Ausgliederungen aus der Universität leichter möglich sind. Wir holen die schlauen Köpfe doch nicht her, damit sie uns wieder verlassen.

Macht Oberbürgermeister Bernd Wiegand im Verhältnis zur Uni zu wenig?

Ich will das nicht personifizieren. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die Chancen nicht ausgeschöpft werden.

An vielen Familien geht der Aufschwung vorbei...

Was wollen Sie tun, damit die Hallenser von diesen Potenzialen auch profitieren können? An vielen Familien geht der Aufschwung vorbei.

Halle kann nur dann seine Zukunft gestalten, wenn der soziale Frieden da ist. Ich gebe mich da keinen Illusionen hin. Aber wir müssen an den sozialen Brennpunkten arbeiten. Das beginnt bei den Verdienstmöglichkeiten der Eltern und reicht bis zu Förderprogrammen.

Wir dürfen sozial schwache Familien nicht abschreiben, sondern müssen gerade auch bei Langzeitarbeitslosen verkrustete Strukturen aufbrechen, damit sich keine Parallelgesellschaften bilden. Halle kann das nicht alleine. Dafür benötigen wir gemeinsame Anstrengungen mit Land und Bund. Ich sage aber auch ganz klar, dass es sich um ein Geben und Nehmen handelt.

Was verstehen Sie darunter?

Es darf nicht nur gegeben, sondern muss auch gefordert werden. Wenn wir Familien maximal unterstützen, dann müssen Eltern auch die Angebote nutzen, die der Staat unterbreitet. Es kann nicht sein, dass Kinder den ganzen Tag in der Kita abgeladen werden und die Eltern zu Hause vor dem Fernseher hängen.

Sie würden also den Anspruch auf einen Kita-Platz an den Willen der Eltern koppeln, sich eine Arbeit zu suchen?

Es geht mir um die Eltern und die Durchbrechung vererbter Erwerbslosigkeiten. Für eine Stadt ist es wichtig, dass die Bürgerschaft etwas zurückgibt, soweit es ihr möglich ist.

Ich weiß, wie wichtig eine Kita für die soziale Entwicklung von Kindern ist. Wenn dieses staatliche Angebot jedoch von der berufstätigen Allgemeinheit für alle finanziert wird, gehört es zum gesellschaftlichen Ausgleich dazu, dass die Erwachsenen, die darauf zurückgreifen, sich auch erkennbar mühen, irgendwann auch selbst zur Finanzierung beitragen zu können.

Wie kann Halle die Integration von Migranten meistern?

Kontrovers diskutiert wird die Migration. Wie beurteilen Sie das Zusammenleben mit den Ausländern in der Stadt?

Da muss man mehrere Aspekte betrachten. Ich bin ein Verfechter eines Einwanderungsgesetzes. Wir brauchen Zuzug, da müssen wir uns doch nur unsere demografische Entwicklung anschauen. Allerdings muss die Migration beherrschbar sein.

Zu einer Willkommenskultur gehört aber auch, etwas einzufordern. Wenn ich in einem anderen Land leben möchte, muss ich mich integrieren wollen. Dazu ist es wichtig, die deutsche Sprache zu lernen und die hier herrschenden Werte und Regeln anzuerkennen. Und als Stadt muss man sensibel einwirken, um eine kulturelle Spaltung zu verhindern. Es ist falsch, wenn Migranten in einzelnen Stadtteilen wie der Silberhöhe oder der Neustadt konzentriert werden. Das fördert nicht die Integration, das schafft Probleme.

Veränderte Gefahrenlage auf der Peißnitz

Sie haben das Thema Sicherheit ganz oben auf Ihre Agenda gestellt. Ist Halle unsicher?

Wenn sich Leute zu gewissen Zeiten und an bestimmten Orten nicht mehr raustrauen, dann habe ich damit ein Problem. Das Verschweigen dieser Dinge aus Sorge vor einem Imageverlust hilft nicht weiter. Da muss die Stadt mehr Präsenz mit ihren Ordnungskräften zeigen. Ich bin ein absoluter Verfechter des Rechtsstaats.

Welche Orte sind aus Ihrer Sicht denn gefährlich?

Mir liegen hier keine Statistiken vor, jedoch eine Menge Rückmeldungen von Menschen dieser Stadt und dabei geht es nicht nur um Stadtrandgebiete, sondern auch um Orte im Zentrum der Stadt. Ich gebe Ihnen ein Beispiel aus meiner Familie. Zur Peißnitz gehen auch meine Kinder hin. Was sie schildern, kann man nicht anders als mit einer veränderten Gefahrenlage beschreiben.

Muss das Ordnungsamt präsenter sein?

Das Gewaltmonopol liegt beim Staat, bei der Polizei und nur dort. Aber auch wir als Stadt müssen mehr tun. Wir sind verpflichtet, den sozialen Frieden zu erhalten. Und da müssen wir auch in der Stadt nachsatteln.

Übernimmt sich Silbersack mit vielen Ehrenämtern?

Kommen wir mal zu Ihnen. Wie verdienen Sie Ihr Geld?

Das ist doch offenkundig. Ich bin Anwalt und sitze mit meiner Kanzlei am Markt.

Bei Gerichtsprozessen haben wir Sie noch nie gesehen.

Ich bin kein Strafrechtsverteidiger, sondern berate Unternehmen, Ärzte, Freiberufler. Deshalb war es auch möglich, 2008 die Präsidentschaft im Landessportbund anzutreten.

Ein gutes Stichwort. Sie sammeln Ehrenämter wie andere Briefmarken. Alleine im Sport sind es sechs Funktionen. Und Sie wollen im Dezember ins Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbunds. Ist das nicht zu viel des Guten?

Ich bin ein Teamspieler und hatte nie den Anspruch, alles alleine machen zu wollen. 2008 lag der LSB am Boden, da habe ich tatsächlich 60 Prozent meiner Wochenarbeitszeit in den Verband investiert. Die Zahl der Ämter klingt viel, sie bauen aber aufeinander auf. Und es gibt hauptamtliche Mitarbeiter, die die eigentliche Arbeit erledigen.

In Aschersleben ist Andreas Michelmann OB und gleichzeitig Chef des Deutschen Handballbunds. Das sorgt regelmäßig für Konflikte mit dem Stadtrat, weil das Ehrenamt viel Zeit benötigt. Und er hat nur ein Ehrenamt.

Ganz klar, Priorität hat der Job als OB. Und wenn meine Ehrenämter damit nicht vereinbar sind, lege ich sie nieder. Es wäre aber falsch, jetzt schon damit anzufangen. Das würden die Verbände auch nicht witzig finden. Warten wir erst mal die Wahl ab. Übrigens, was glauben Sie eigentlich, wie viele Leute denken, dass ich als LSB-Präsident Geld verdiene.

Eine Aufwandsentschädigung werden sie doch bekommen.

Bei allen meinen sportlichen Ehrenämtern fließt bis auf die übliche jährliche Ehrenamtspauschale des LSB in Höhe von 750 Euro nichts. Ich würde es auch nichts anders wollen. (mz)

Andreas Silbersack: „Ich trete an, um zu gewinnen.“
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Silvio Kison