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Alarm bei den Bühnen in HalleAlarm bei den Bühnen in Halle (Saale): Theater-Betrieb mit Millionenloch

Halle (Saale) - Ab November droht die Zahlungsunfähigkeit. Fehlen sollen schon jetzt 1,5 Millionen Euro. Am Freitag tagt der Aufsichtsrat.

Von Dirk Skrzypczak und Detlef Färber 21.04.2017, 09:50

Wenn’s ernst wird, gehen im Stadtrat die Türen zu. Gleich um die Belange von 450 Mitarbeitern ging es bei der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses im Stadthaus - aber noch um viel mehr. Denn die Theater-, Oper- und Orchester GmbH Halle - kurz TOOH - ist das Herz der halleschen Kultur. Und deren Herzschlag ist, wie die Stadträte im nicht öffentlichen Teil erfuhren, mächtig aus dem Takt geraten.

Nach MZ-Informationen soll im Etat der halleschen Bühnen eine Deckungslücke von rund 1,5 Millionen Euro klaffen. Wie zu hören war, könnte ab November die Zahlungsunfähigkeit drohen, sollte es Geschäftsführung und Stadt nicht gelingen, gegenzusteuern. Wegen der besonderen Dramatik der Lage soll am Freitag der Aufsichtsrat der TOOH zusammentreten.

Geldnot bei den Bühnen in Halle (Saale): Stadt  leugnet Probleme der Theaterszene nicht

Auf MZ-Nachfrage werden im Ratshof die Probleme nicht geleugnet. „Ein Liquiditätsengpass zeichnet sich zum vierten Quartal hin ab. Kurzfristig steuert der Geschäftsführer im operativen Geschäft dem finanziellen Engpass unter anderem durch ein striktes Ausgabencontrolling entgegen“, erklärt Stadtsprecher Drago Bock.

Der städtische Bühnenbetrieb mit Erhalt aller Sparten sei aber sichergestellt. Die Basis für eine künstlerische und wirtschaftlich tragfähige Struktur der TOOH sei mit Abschluss des Fördervertrags zwischen Stadt und Land ab 2014 gelegt worden.

Damals hatte das Land seinen jährlichen Zuschuss an die TOOH von 12 auf 9  Millionen Euro gekürzt. 21 Millionen steuert die Stadt bei, drei Millionen Euro des 33 Millionen-Haushalts kommen in Form von Erlösen von der TOOH selbst.

Geldnot bei den Bühnen in Halle (Saale): Kürzungen vom Land zwingen Theaterszene harten Schrumpf- und Sparkurs auf

Bedingt durch die Kürzungen der Landesregierung machen die Bühnen Halle seit Jahren einen harten Schrumpf- und Sparkurs durch. Damit begann ein von vielen Protesten aus der Kulturszene begleiteter Prozess, in dem schließlich mit einem Theatervertrag ein Sparziel festgelegt wurde, um dessen Umsetzung sich fortan die Geschäftsleitung unter Rolf Stiska zu kümmern hatte. Dies schränkt seit Beginn der Saison 2016/2017 nun auch die Handlungsspielräume seines Nachfolgers Stefan Rosinski ganz erheblich ein.

Von 480 Stellen im Jahr 2013 gelte es nun, die Belegschaft auf nur noch 419 Vollstellen Ende des Jahres 2019 zu reduzieren, so Rosinski. Mit derzeit 459 Stellen liege man aber im Zeitplan, sagt der Manager der Mitteldeutschen Zeitung.

Geldnot bei den Bühnen in Halle (Saale): Vor allem im Orchester stößt der Personalabbau auf Widerstand

Der Personalabbau ist freilich alles andere als einfach. Vor allem im Orchester stößt der Rationalisierungsplan dem Vernehmen nach auf Widerstand - was die Finanzlage letztlich entscheidend verschärft -, während im Bereich Technik, Verwaltung, Schauspiel und Puppenbühne das Personal schon schrumpfte oder Mitarbeiter einem Lohnverzicht - etwa durch eine Reduzierung der Arbeitszeit - zugestimmt hatten.

Dabei ist noch Geld da, um die Kuh vom Eis zu holen. Für einen sozialverträglichen Stellenabbau und die Finanzierung von Abfindungsregelungen hatten Stadt und Land 2014 einen gemeinsamen Fonds von zehn Millionen Euro gebildet - die Hälfte der Summe soll noch auf einem Konto liegen.

Geldnot bei den Bühnen in Halle (Saale): Neues Gesamtkonzept für die TOOH in Arbeit

Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) verhandelt mit dem Land über die Bedingungen für die Freigabe dieses Geldes. Es werde nachhaltig eine Stärkung der Finanzsituation angestrebt, berichtet Bock. Wie das gelingen soll?

Mit einem überarbeiteten Strukturanpassungs- und Orchesterkonzept, so der Stadtsprecher. Dahinter könnten die Bemühungen der Stadt stehen, den einst festgelegten Personalabbau flexibler gestalten zu dürfen: „Als Verhandlungsgrundlage dient ein neues Gesamtkonzept für die TOOH“, sagt Bock. Mit dieser Strategie wolle man eine langfristige Förderung des Kulturangebots in Halle bis zum Jahr 2023 erzielen. (mz)