Bilder und Video vom Melt!

Melt! 2017: So war das Festival-Wochenende in Ferropolis

Gräfenhainichen - Melt!: Positive Bilanz für Festival in Ferropolis

Von Paul Damm 16.07.2017, 12:19

Eine ausgedehnte Zeltlandschaft und rappelvolle Parkplätze - die Baggerstadt Ferropolis bei Gräfenhainichen befand sich am Wochenende wieder fest in der Hand von Musikfans aus aller Welt. Beim Melt! verschmelzen die Gäste mit dem Gelände zu einem einzigartigen Erlebnis. Es gehört zu den spektakulärsten Elektro-Festivals in Deutschland.

Für die knapp 8.000 Einwohner in Gräfenhainichen war es somit für einige Tage mit der Ruhe vorbei. Bereits am Donnerstag reisten die ersten der etwa 20.000 Partymacher an. Sie ließen sich mit ihren Zelten und Campingwagen auf dem Festivalgelände nieder - die Stimmung war - fast schon traditionell - entspannt und ausgelassen.

Melt!: Festival findet seit 1998 in Ferropolis statt

Seit dem Jahr 1998 findet das Melt! Festival in Ferropolis statt. In diesem Jahr aber war es nicht komplett ausgebucht, dabei wurde mit besonderen Aktionen gelockt: Neben der Melt! Stage, der Hauptbühne des Festivals, gab es zusätzlich eine im Wald gelegene „Sisyphos Stage“. Die Besucher zeigten sich angetan von dem neuen Angebot, weil die Bäume Schatten spenden und sich der weiche Sandboden zum Barfußgehen eignet.

Insgesamt wurden auf dem Areal zwölf Bühnen aufgebaut, auf denen bis zu 130 Künstler unter anderem aus den USA, Deutschland, Südafrika und den Niederlanden beeindruckende Shows darboten. Die Musikrichtungen waren hauptsächlich Elektro und Indie, aber auch Hip-Hop. Für Musikdurstige spielte der Sleeplessfloor rund um die Uhr die angesagtesten Elektro-Songs, so dass niemand aus der Stimmung kam.

Am Samstagnachmittag öffneten sich die Tore des Festivalgeländes erst mit einer Stunde Verspätung. Aufgrund der erhöhten Terrorgefahr bei Großveranstaltungen wurden die Sicherheitsmaßnahmen im Vergleich zum vergangenen Jahr deutlich verschärft. Eine Art Schleuse, ähnlich denen auf Flughäfen, ließ die Gäste nur einzeln nacheinander auf die Partymeile. Die Taschen wurden genau kontrolliert, so dass niemand verbotene Gegenstände mit aufs Festivalgelände schmuggeln konnte. Auch die beiden Freundinnen Kira Petrasch aus Leipzig und Geanna Schumann aus Hannover warteten gespannt darauf, eingelassen zu werden.

„Ich habe mich wirklich schon lange darauf gefreut, hier teilzunehmen. Besonders die Entfernung von Leipzig ist nicht so weit und dieses Flair mit den Baggern im Hintergrund ist einfach nicht zu übertreffen“, schwärmte die Leipzigerin Kira. Aber auch ihre Freundin Geanna wirkte begeistert. Dennoch gab es auch Kritik am Festival: „Leider hat es dieses Jahr häufiger geregnet, daher sind einige Wege durchgehend matschig und die Toiletten stinken fürchterlich.“ Mit dieser Meinung stand Geanna nicht allein da, ähnlich kritisch äußerten sich auch andere Festivalbesucher. Trotzdem fand die junge Frau aus Hannover, es sei sauberer als noch in den Jahren zuvor gewesen.

Nichts zu beanstanden gab es bei der Versorgung. Für jeden Geschmack war etwas dabei: von Pizza, Pulled Pork, bis hin zu Käsespätzle und hausgemachten Pommes. Doch womit soll man die Speisen und Getränke bezahlen, wenn Bargeld auf dem gesamten Gelände nicht mehr angenommen wird?

An jedem Bändchen, was die Besucher beim Einlass erhielten, war ein kleiner Chip integriert. Darauf konnten sie beliebig viel Bargeld buchen und somit auf dem Festival nur mit der „Hand“- sozusagen „cashless“ bezahlen.

Melt! in Ferropolis: Besucher finden neues Bezahlsystem gut

Dem Österreicher Reinhard Pötz gefiel dieses Prinzip sehr gut. „Ich habe kein kleines Geld mehr in den Taschen und somit auch nichts, was ich verlieren könnte. Außerdem brauche ich kein Portemonnaie auf das Festivalgelände mitnehmen, wo man es mir vielleicht klauen könnte.“ Der Steiermarker Pötz ist übrigens ein Glückspilz. Seine e Tickets hat er beim österreichischen Radiosender FM 4 gewonnen. Als er hier ankam, war er fasziniert von der Wirkung dieser monströsen Bagger. „Von einer Skala von 1 bis 10 würde ich dem Melt! Festival eine Elf geben. Ich bin mega-begeistert.“

Das besondere Melt-Flair war vor allem an den dicht umlagerten Bühnen zu spüren. Aus jeder Ecke war ein Dröhnen zu vernehmen, welches die Stadt aus Eisen in eine faszinierende „Halle“ der Musik verwandelte. Künstler wie „die Antwoord“, „Bonobo“ und „Bilderbuch“ zogen das tanzende Publikum in ihren Bann, immer wieder brandete Jubel auf.

(mz)