Amateurfunker in Gräfenhainichen

Amateurfunker in Gräfenhainichen: Michael Walther hat eine Antenne für die anderen

Gräfenhainichen - Amateurfunker Michael Walther begeistert sich nicht nur wegen der Technik für sein Hobby. Warum es ihm auch zwischenmenschlich hilft.

Von July Wagner

Viele Jugendliche seien nicht nur in ihr Smartphone verliebt, sondern auch schon fast damit verheiratet, meint Michael Walther aus Gräfenhainichen. Dabei wüssten nur die wenigsten, wie dieses eigentlich funktioniert: „Das sind im Prinzip auch einfach nur Funkwellen, die sich ausbreiten. Der einzige Unterschied ist der kleine, eingebaute Computer, der das alles regelt.“

Ansonsten würde ein kurzes Telefonat für viele wahrscheinlich zu einer großen Anstrengung werden: Antenne ausrichten, passende Tageszeit abwarten und am Ende auch wirklich die Person erreichen, die man sprechen wollte. Für den geprüften Amateurfunker Michael Walther ist das alles kein Problem. Er ist einer von ungefähr drei Millionen Menschen weltweit, von etwa 60.000 in Deutschland und elf im Gräfenhainichener Ortsverein, die sich auch bestens ohne Telefon verständigen können.

„Ich habe schon, als ich zwölf Jahre alt war, gerne an Radios rumgebastelt. Irgendwann habe ich dann vom Amateurfunk gehört und angefangen, mich immer mehr dafür zu interessieren“, erklärt der heute 62-Jährige. „Das ist eben auch das tolle an diesem Hobby - man kann es mit zehn Jahren anfangen und mit 100 Jahren immer noch Spaß daran haben.“

Auch über Kochrezepte

Denn egal, welches Alter, welches Geschlecht, welche Herkunft oder welche Religion - es gäbe beim Funken keine Grenzen: „Wenn ich einen allgemeinen Anruf starte, weiß ich vorher nie, mit wem ich sprechen werde.“ Das sei auch ganz egal, so lange man immer höflich bleibe.

„Die Verständigung klappt eigentlich immer und das sogar, obwohl die offizielle Funkersprache Englisch ist“, erzählt Michael Walther. Viele würden die Sprache nur sehr gebrochen sprechen, aber es gebe sich trotzdem jeder Mühe.

Die meisten würden sich dann hauptsächlich über technische Themen wie ihr Funkgerät austauschen. Generell könne man sich jedoch über alles Mögliche unterhalten. Walther sagt: „Man könnte auch über Kochrezepte reden – es darf nur nicht kommerziell sein.“

Mittlerweile ist Michael Walther schon seit 47 Jahren Funkamateur. „Das wird man aber nicht einfach so“, erklärt er. „Dazu muss man eine staatliche Prüfung ablegen, die nicht ganz einfach ist. Da geht es dann vor allem um Betriebstechnik und Gesetzeskunde.“

Einige würden schon in einem Alter von zwölf oder 13 Jahren an der Prüfung teilnehmen – es sei also auf jeden Fall machbar. „Wenn man bestanden hat, ist das wie ein internationaler Führerschein“, meint Michael Walther. „Dadurch kann man auf viel mehr Frequenzen mit Gott und der Welt funken sowie eigene Geräte bauen.“

Was wohl von Vorteil wäre, um an Wettbewerben teilnehmen zu können: „Es gibt Wettkämpfe ohne Ende: für Einzelpersonen und für Mannschaften, welche, die zwölf oder sogar 48 Stunden lang dauern, und auch die Weltmeisterschaften.“

Jedoch sei eines immer gleich: Es geht um Kilometer - und darum, wer es schafft, über die größte Entfernung hinweg zu funken. „Beim UKW-Pokal sind wir mittlerweile der erfolgreichste Ortsverband Sachsen-Anhalts.“ Deshalb hätte jedes Vereinsmitglied auch schon mindestens einen Pokal zuhause stehen. „Der Preis ist immer ein Pokal und ein Schulterklopfen.“

Miteinander zählt

Für viele würde sich die Begeisterung für den Amateurfunk jedoch nicht aufgrund der möglichen Siege in den Wettbewerben entwickeln, sondern aufgrund des Miteinanders: „Das Durchschnittsalter von Funkamateuren liegt bei 50 bis 60 Jahren – für sie ist das eine Art, Menschen kennenzulernen, sich zu unterhalten und neue Freundschaften zu schließen.“

Auch Michael Walther selbst könne das gut nachvollziehen: „Es hilft mir dabei, Englisch zu lernen und wenn man im Urlaub mal jemanden mit einer großen Antenne auf dem Wohnmobildach trifft, sind da keine Hemmungen – man geht einfach mal klingeln und tauscht sich aus.“ (mz)