Widerstand gegen Abriss

Widerstand gegen Abriss: Diskussionen um Problemfall „Neue Hütte“ in Wimmelburg

Wimmelburg - Neue Hütte in Wimmelburg: Diskussion um Abriss oder Sanierung

Von Daniela Kainz

So viele Leute wie am Dienstagvormittag versammelten sich schon lange nicht mehr an der Neuen Hütte in Wimmelburg. Auf dem verwaisten Grundstück kamen mehr als 30 Personen zusammen, die sich mit der Zukunft des Industriedenkmals auseinandersetzten.

Vor wenigen Tagen erst musste Bürgermeister Andreas Zinke (parteilos) die Polizei rufen, weil auf dem seit Jahrzehnten leerstehenden Gelände eingebrochen wurde. Seit langem sorgt er sich um die Sicherheit auf dem Grundstück.

Gemeinde Wimmelburg will Gebäude abreißen lassen

Für ihn und die Ratsmitglieder gibt es inzwischen nur eine praktikable Lösung: den Abriss des Gebäudeensembles mit Hilfe von Fördermitteln, sofern der Denkmalschutz sein Einverständnis gibt. Der Gemeinderat fasste dazu einen Beschluss und plante finanzielle Mittel in Höhe von 60.000 Euro in den Haushalt ein. Für eine Sanierung fehlt der kleinen Kommune schlichtweg das Geld. Auch mit Fördermitteln wäre sie dazu nicht in der Lage.

Der geplante Abbruch stößt vor allem bei der „Mansfeldischen bergbauforschenden Gesellschaft“ auf Widerstand. Sie zweifelt sogar die Rechtmäßigkeit des Ratsbeschlusses an. Aus ihrem Kreis erfuhr CDU-Bundestagsabgeordneter Torsten Schweiger vom beabsichtigen Abriss. Er war es, von dem die Initiative für den Vororttermin mit dem Bürgermeister am Dienstag ausging. Vertreter des Landes, der Kommune und des Denkmalschutzes fanden sich auch ein. Schweiger: „Die Bürger haben Sorge, dass mit dem Abriss ein Stück Industriegeschichte unwiederbringlich verschwindet.“

„Mansfeldische Bergforschende Gesellschaft“ will Industriedenkmal erhalten

Thomas Wäsche und seine Mitstreiter von der Mansfeldischen bergbauforschenden Gesellschaft würden es am liebsten sehen, wenn die Neue Hütte, in der 1790 bis 1801 die modernsten Schmelzöfen der damaligen Zeit in Betrieb waren, für nachfolgende Generationen erhalten bliebe. Er hatte für seine Forschungen rund um das Objekt den Denkmalpreis des Landes Sachsen-Anhalt im Jahr 2015 erhalten.

Wäsche räumt ein, dass eine Entscheidung, ob Abriss oder Erhalt, schwierig sei. Zumal auch die Frage im Raum steht, wer und wie die Kosten für eine Sanierung beziehungsweise die Kosten der Kofinanzierung, wenn Fördermittel dafür bewilligt werden, aufgebracht werden sollen. Seine Idee ist es, den Gebäudekomplex beispielsweise für Wohnzwecke, Gastronomie oder als Jugendherberge herzurichten.

„Wir müssen ehrlich sein, wir können nicht alles erhalten“

Verbandsgemeindebürgermeister Norbert Born (SPD) hat seine Zweifel, dass solche Vorstellungen realistisch sind: „Wir müssen ehrlich sein, wir können nicht alles erhalten.“ Er befürchtet, dass mit der aktuellen Diskussion Zeit verspielt wird, und die greifbare Chance, die Gebäude mit Fördermitteln abzureißen, vertan wird.

Diese Bedenken teilt Wimmelburgs Bürgermeister. „Wenn wir kein Geld haben, sind wir ganz schnell bei ,Wünsch dir was’“, so Zinke zum Thema Sanierung. Er verweist auf die jahrelangen Anstrengungen der Kommune rund um die Neue Hütte. Zinke macht sich nichts vor. Wenn die Kommune die erforderlichen Genehmigungen und Mittel für den Abriss nicht erhält, bleibt das Gelände weiterhin langfristig ein Problemfall. Er wartet nun auf eine Entscheidung des Landes. Bundestagsabgeordneter Schweiger kommt nach der Runde in Wimmelburg derweil in puncto Abriss zu dem Schluss: „Das ist eine vom Gemeinderat pragmatische und durchdachte Entscheidung.“ (mz)