Ehrenamtlicher Einsatz

Seit 15 Jahren hilft das Kriseninterventionsteam in MSH als Stütze in der Not

Von Tina Edler
Simone Detto (li.), Leiterin des Eisleber KIT, überreicht Veronika Zeidler (re.) und Sebastian Bartsch Blumen für ihr Engagement seit der Gründung des Kriseninterventionsteams . (Foto: Tina Edler)

Eisleben/Sangerhausen

Ein Zeitungsartikel war es, der Veronika Zeidlers Neugier weckte. Damals - im Jahr 2005 - suchte man im Landkreis nach Notfallseelsorgern. „Ich habe mich sofort daraufhin gemeldet“, sagt die Eisleberin. Als gelernte Krankenschwester und Hebamme „ist das Helfersyndrom ein Teil von mir“, sagt sie. Es dauerte nicht lange und Veronika Zeidler bekam mit rund 20 anderen Freiwilligen eine Ausbildung im Bereich der Notfallbegleitung und Krisenintervention. Und im Frühjahr 2006 nahmen die somit neu gebildeten Kriseninterventionsteams (KIT) aus Eisleben und Sangerhausen ihre Arbeit offiziell auf.

Kriseninterventionsteam arbeitet ehrenamtlich

15 Jahre später sind sie noch immer im Einsatz, wenn es darum geht, Hinterbliebenen unmittelbar nach einer schrecklichen Tragödie beizustehen. Während die Polizei und Einsatzkräfte die traurige Nachricht den Angehörigen vermitteln, „sind wir danach da, die Fassungslosigkeit wahrzunehmen und es auszuhalten“, sagt Sebastian Bartsch. Der Hettstedter Pfarrer ist ebenso wie Veronika Zeidler Teil des Eisleber Teams und seit der Gründung dabei. Vorher wurde die Notfallseelsorge häufig durch die evangelischen Pfarrer übernommen. Das sei aber weniger organisiert und eher sporadisch gewesen, erklärt Bartsch. Dank des neuen KIT wurde die Rollen- und Aufgabenverteilung klarer.

Die Mitglieder lernen in ihrer Ausbildung, wie man Menschen in Krisensituationen weiterhilft. „Man wird dafür sensibilisiert, jemanden reden zu lassen, sich auszusprechen“, sagt Bartsch. Und Veronika Zeidler ergänzt: „Oft ist es aber auch nur, die Hand zu halten oder daneben zu sitzen.“

13 Mitglieder sind derzeit im Eisleber KIT-Team aktiv, zwölf im Sangerhäuser. Gemeinsam agieren sie unter dem einheitlichen Namen Kriseninterventionsteam Mansfeld-Südharz. Ihre jeweiligen Einsatzbereiche umfassen weitestgehend noch die Altkreise Sangerhausen und das Mansfelder Land, die zur Gründung Bestand hatten. Da die Arbeit rein ehrenamtlich ist, sind die KIT-Mitglieder auf Unterstützung angewiesen. Die bekommen sie von ihren Trägern, dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Regionalverband Mansfeld-Südharz, dem Kirchenkreis Eisleben-Sömmerda und dem Landkreis Mansfeld-Südharz. „Die Zusammenarbeit funktioniert gut, dafür sind wir dankbar“, sagt Simone Detto, die seit 2013 Mitglied im Eisleber Team ist und dieses seit 2015 leitet.

Simone Detto: „Wir wissen ja nie, was uns beim Einsatz erwartet“

Benötigt wird die Unterstützung für Ausrüstung, Kleidung, Aus- und Weiterbildung. Denn man lerne immer wieder etwas dazu, kein Einsatz gleiche dem anderen. „Wir wissen ja nie, was uns beim Einsatz erwartet“, sagt Detto. Zwischen 30 und 40 Mal pro Jahr werden die Seelsorger im Landkreis durch die Leitstelle der Feuerwehr oder den Notarzt angefordert. Die Einsätze gehen aber auch an den Helfern nicht spurlos vorbei. „Es gibt solche, die wirken noch lange nach“, sagt Bartsch. Dazu gehören vor allem Einsätze, bei denen Kinder involviert sind. „Das geht einem sehr nahe“, meint Detto dazu. Um das Gesehene und Erlebte zu verarbeiten, wird im Team darüber gesprochen.

Wie lange man so ein Ehrenamt machen kann? Veronika Zeidler hat dafür eine eindeutige Antwort. „So lange man eben anderen helfen will. Ich sehe keine Nachteile darin, wenn man schon älter ist. Im Gegenteil, dann hat man mehr Lebenserfahrung“, sagt Zeidler, die mittlerweile selbst Rentnern ist. Ans Aufhören bei den Notfallseelsorgern denkt sie noch nicht. (mz)