Tourismus

Luther-App erweckt den Reformator zum Leben

Eisleben - Die App „Luther virtuell“ der Standortmarketing Mansfeld-Südharz gewinnt Landestourismuspreis.

Von Ralf Böhme 23.11.2016, 20:38

Daumen hoch! Weil es gefällt. Ein Stadtbummel an der Seite von Martin Luther (1483-1546). Bisher ein unerfüllbarer Traum, nun kein Problem mehr. Alles, was es für Luther im Jackentaschen-Format braucht, sind ein Smartphone oder Tablet mit Kamera.

Drei Klicks genügen, dann: Ab die Post. Der große Reformator erklärt seine Welt, besser als im richtigen Kino. Das interessiert, stellt sich schon nach wenigen Tagen im Netz heraus, mehr Menschen als gedacht.

Neugierig? So funktioniert es. Die aufregende Zeitreise ins Mittelalter startet via Internet. Jeder kann sich anschließen. Wer dabei sein will, muss lediglich seine Suchmaschine füttern. „Luther virtuell“, dieser eine Begriff reicht schon. Der Rest erklärt sich dann auf dem Bildschirm von selbst. Möglich macht das alles eine neue App für Luther-Touristen.

Die elektronische Hilfe mit dem Button der roten Lutherrose, die der Nutzer für iOS und Android kostenlos herunterladen darf, führt ihn direkt nach Eisleben (Mansfeld-Südharz).

In der verwinkelten Kleinstadt am Bächlein „Böse Sieben“ ist der weltberühmte Bibel-Übersetzer geboren und gestorben. 2017 - das kommende Jahr bringt dem ehemaligen Bergbauort den vermutlich größten Besucheransturm seiner Geschichte. Kein Wunder, denn die Welt feiert schließlich den 500. Jahrestag von Luthers aufrührerischen Thesenanschlag in Wittenberg.

Luther: Sachsen-Anhalt rechnet mit Millionen von Gästen zum 500. Jahrestag des Thesenanschlags

Sachsen-Anhalt rechnet deshalb mit Millionen von Gästen, nicht zuletzt ausländischen. Aus diesem Grund gibt es die Offerte im Netz nicht nur in deutscher, sondern auch in englischer Sprache. Brillante Panoramabilder, die Besuchermagnete von außen und innen zeigen, runden die verlockende Einladung ins Ursprungsland der Reformation ab. Diese Aufnahmen vermitteln Eindrücke, selbst wenn man daheim nur auf dem Sofa sitzt oder vor Ort die Museen gerade einmal geschlossen sind.

13 Mal legen Luther und seine Begleiter einen Zwischenhalt ein. Videos im 3-D-Format machen jeden dieser Stopps rundum zum Erlebnis. Einzige Voraussetzung: Der Besucher schaut durch die entsprechende Brille.

Dann stellt sich rasch das Gefühl ein, man folgt dem Weltveränderer auf Schritt und Tritt - und ist mit ihm sogar per Du. Den Mann im schwarzen Theologen-Talar mimt dabei ein Meister seines Faches. Es ist ein hallescher Schauspieler, das TV-Schwergewicht Hilmar Eichhorn.

Für ihn scheint es eine Paraderolle zu sein. Es macht Spaß, mit ihm durch die Kirchenhistorie zu wandern. Toll, denn eigentlich will der 62-Jährige nach seinen eigenen Worten sonst mit Religion nicht viel am Hut haben. Doch stört das, wenn der Auftritt überzeugt?

So steht er da und kann nicht anders. Viel zu erzählen gibt es für ihn beispielsweise über Luthers Eltern. Ganz Praktisches steht dabei im Mittelpunkt. „Tretet ein und seht selbst, was meine Mutter auf den Tisch stellt“, lädt der Gastgeber ein. Auch auf andere Fragen lassen sich hier Antworten finden. Womit spielt Luther als kleines Kind? Wie paukt der spätere Bibel-Übersetzer seine ersten lateinischen Worte?

Luther virtuell wurde als Tourimuswerbung konzipiert

Auftraggeber des Projektes „Luther virtuell“ ist die Standortmarketing-Gesellschaft Mansfeld-Südharz (SMG). Ihr gedanklicher Ausgangspunkt: Tourismuswerbung muss mehr als Fakten transportieren. Geschäftsführer Mark Lange: „Ziel ist ein Erlebnis, vor allem auch für junge Leute. Ohne Emotionen läuft da nichts.“

Da sei eine App ein gutes Transportmittel, das zeitgemäß auf Sehenswertes aufmerksam machen könne. Darüber hinaus hört der Nutzer aber auch jede Menge flotte Luther-Sprüche. Kostprobe gefällig? „Glaubst du, so hast du. Zweifelst du, bist du verloren.“

Schlag auf Schlag - Eichhorn liefert: Anekdoten, amüsante Details und allerlei verbürgte Lebenserfahrung. Etwa von dieser Art: „Man schlachtet nicht eine Gans, die einem täglich ein goldenes Ei legt.“

Diese Ermahnung soll Luther dem befreundeten Grafen von Mansfeld ins Stammbuch geschrieben haben, als der unmäßigen Zins von Bergleuten abverlangt. Doch switcht der Protagonist auch mal Hoppla-Hopp in die Gegenwart. Wer es noch nicht weiß, so wirbt der Sprecher, in St. Petri können sich Erwachsene neuerdings ganz bequem taufen lassen - in einem großen Bodenbecken.

Als Partner, Produzent und Betreuer von „Luther virtuell“ fungiert die hallesche Multimedia-Firma „Virtiv“. Mitinhaber Steffen Melzer: „Das sieht alles einfach aus, ist technisch aber extrem aufwendig und kompliziert.“ Die SMG und ihre Partner haben dafür eine fünfstellige Summe auf den Tisch gelegt. Offenbar gut angelegtes Geld, denn Tourismus-Manager Martin Schulze schwärmt vom problemlosen Lauf der App. Ohne die technische Raffinesse der Entwickler, die damit auf Fachmessen für Aufsehen sorgen, wäre das kaum möglich gewesen.

Virtueller Luther als bodenständiger Begleiter in einer App

Gewusst wie, der virtuelle Luther bleibt immer ganz bodenständig und steht auch virtuell stets am richtigen Platz. Dabei helfen der Aktion via App die dafür verarbeiteten Geodaten, aber genauso die elektronisch-optische Markierung sämtlicher Objekte.

Diese Präzision zahlt sich auch bei den vier Luther-Zielen im benachbarten Mansfeld aus, darunter das gräfliche Schloss und das Elternhaus des Reformators. Eine Erweiterung der Tour nach Halle, Schauplatz des legendären Streits mit Kardinal Albrecht, soll in Kürze folgen. (mz)