Forstwirtschaft in Holzzelle

Fachfirmen arbeiten vom Wirbelsturm verwüstete Fläche bei Holzzelle auf.

Holzzelle - Lauter Bäume, aber kein Wald zu sehen - das trifft auf den Hang am Nonnengrund unterhalb von Holzzelle im wahrsten Sinne zu. Von den vielen stattlichen Buchen, Eichen und Ahornen, die hier einst wuchsen, stehen nur noch einzelne stark lädierte dünnere Exemplare da. Die anderen Bäume liegen kreuz und quer auf dem Boden. Diese Spur der Verwüstung hinterließ am 7. Juli 2015 ein Tornado, der einige Minuten lang bei Holzzelle tobte. Obwohl bis zu fünf Fachfirmen im Auftrag des Forstbetriebes Süd mit der Aufarbeitung des Bruchholzes in den landeseigenen Wäldern im Landkreis Mansfeld-Südharz beschäftigt sind, haben sie es bisher nicht geschafft, alle Stämme zu zersägen und zum Abtransport ...

Von Wladimir Kleschtschow

Lauter Bäume, aber kein Wald zu sehen - das trifft auf den Hang am Nonnengrund unterhalb von Holzzelle im wahrsten Sinne zu. Von den vielen stattlichen Buchen, Eichen und Ahornen, die hier einst wuchsen, stehen nur noch einzelne stark lädierte dünnere Exemplare da. Die anderen Bäume liegen kreuz und quer auf dem Boden. Diese Spur der Verwüstung hinterließ am 7. Juli 2015 ein Tornado, der einige Minuten lang bei Holzzelle tobte. Obwohl bis zu fünf Fachfirmen im Auftrag des Forstbetriebes Süd mit der Aufarbeitung des Bruchholzes in den landeseigenen Wäldern im Landkreis Mansfeld-Südharz beschäftigt sind, haben sie es bisher nicht geschafft, alle Stämme zu zersägen und zum Abtransport vorzubereiten.

„Die Fläche bei Holzzelle ist ziemlich die letzte, wo wir noch nicht fertig sind“, sagt Holger Koth, Leiter des Fortbetriebes Süd, eines der fünf Filialen des Landesforstbetriebes Sachsen-Anhalt. Hier seien die Folgen des Tornados besonders schlimm, hier hätten es die Arbeiter mit außerordentlich schwierigen Einsatzbedingungen zu tun. „Die Bäume liegen kreuz und quer übereinander, manchmal mehrere Meter hoch“, schildert Koth. Sie zu entzerren sei selbst für erfahrene Forstleute mit schwerer Technik eine gefährliche Aufgabe. Einer der Arbeiter sei dabei von einem Ast an einer Schulter verletzt worden.

Der Wirbelsturm hatte ganze Arbeit geleistet. „Auf 800 Hektar von unserer insgesamt 2 000 Hektar großen Waldfläche haben wir Schäden“, erklärt der Betriebsleiter. „Sonst schlagen wir jährlich 12 000 bis 15 000 Festmeter Holz. Durch die Aufarbeitung des Bruchs kommen wir auf 20 000 Festmeter.“ Das sei alles andere als erfreulich. Zum einen bewirke das Überangebot, dass die Holzpreise fallen. Zum anderen habe die Naturgewalt die Bäume wahllos entwurzelt oder umknicken lassen. Etliche davon haben noch nicht das Alter erreicht, in dem sie normalerweise gefällt werden. „Sie hätten noch weiter wachsen können“, bedauert Koth. „Das bedeutet für uns Verlust an Holzmasse.“

Der Betriebsleiter hat Fotos vom Tornado auf seinem Handy. Ein Mitarbeiter hatte zufällig die Aufnahmen gemacht. Eine finstere schwarz-blau-weißliche Wolke ist zu sehen, dann ein sich herannahender himmelhoher „Schlauch“, wie sie aus den USA bekannt sind. „Klimawandel“, sagt Koth. Auch die Forstwirtschaft müsse mit Folgen rechnen. Tornados könnten öfter auftreten. Die Klima-Erwärmung bekomme manchen einheimischen Baumarten nicht. „Der Buche zum Beispiel, die es lieber etwas kühler mag“, weiß Koth. Das werde bei der Neupflanzung berücksichtigt. Mehr Bäume mit kräftigerem Wurzelwerk kommen in die Erde. Also keine Fichten, sondern Lärchen. Oder Eichen. Im Kommen ist die Douglasie: anspruchslos, mit tiefgehenden Wurzeln. Douglasien wurden schon bei Holzzelle nachgepflanzt. Demnächst findet hier eine weitere Pflanzaktion statt.

Was Koth noch Sorgen macht, ist der Personalmangel. Der Forstbetrieb Süd habe nur noch drei eigene Forstarbeiter, die seien schon 55 bis 60 Jahre alt. „Neuanstellungen gibt es nicht“, beklagt sich der Betriebsleiter. „Dabei arbeitet der Landesforstbetrieb mit Gewinn. Waldarbeiter, Forstleute, Büroangestellte - überall fehlt es an Personal. Die Leute werden verheizt.“ (mz)