Büro für Leichte Sprache

Büro für Leichte Sprache : Hilfe in Eisleben für schwierige Texte

Eisleben - Sylke Kirchberg (56) und Kai Kluke (38) sind Mitarbeiter in der Werkstatt der Lebenshilfe in Eisleben. Neben ihrer Arbeit in der Werkstatt sind die beiden aber auch noch Prüfer im Büro für Leichte Sprache. Sogar zu einem Lehrgang in Bremen sind sie ...

Von Beate Thomashausen 20.02.2019, 08:37

Sylke Kirchberg (56) und Kai Kluke (38) sind Mitarbeiter in der Werkstatt der Lebenshilfe in Eisleben. Neben ihrer Arbeit in der Werkstatt sind die beiden aber auch noch Prüfer im Büro für Leichte Sprache. Sogar zu einem Lehrgang in Bremen sind sie gewesen.

Dort haben sie gelernt, Texte Korrektur zu lesen und den Mut zu haben, zu sagen, wenn sie etwas nicht verstehen. Denn obwohl sowohl Sylke Kirchberg als auch Kai Kluke zu denen in der Werkstatt gehören, die besonders gut lesen können, haben sie doch Probleme im Alltag, schwierig geschriebene Texte zu verstehen.

Durch Aktion Mensch gefördert

Das Büro für Leichte Sprache ist bei der Eisleber Lebenshilfe angesiedelt. Es handelt sich dabei um ein von der Aktion Mensch gefördertes Projekt. In dem Büro arbeiten Michael Bach und Sabine Humpa als Übersetzer. Sie übertragen schwere Texte in leichte Sprache. Das sei Barrierefreiheit auf eine andere Art, findet Bach und sagt: „Was die Rampe für den Rollstuhlfahrer ist, ist die Leichte Sprache für Menschen mit Lernschwierigkeiten.“

Texte in Leichter Sprache wenden sich beispielsweise an Menschen mit einer geistigen Behinderung, an demente Menschen oder an Analphabeten. Aber Behördentexte in Leichter Sprache finden auch bei den Menschen Anklang, die normalerweise keine Probleme mit dem Textverständnis haben.

Inhalt darf nicht verfälscht werden

Sabine Humpa sitzt gerade über einem Heft mit eng beschriebenen Seiten, um Menschen mit Leseschwierigkeiten zu helfen. Es sind die Beförderungsbedingungen der Verkehrsgesellschaft, die sie aktuell bearbeitet. Mit Signalstift hat sie ganze Passagen hervorgehoben. Hier muss sie ran. Denn das sind die Stellen, die sie unbedingt in Leichte Sprache übertragen will und muss.

Was sich später ganz leicht lesen soll, ist für Humpa aber alles andere als eine leichte Aufgabe. „Alle Informationen müssen erhalten bleiben. Nichts darf in seiner Aussage verfälscht werden und trotzdem muss es leicht lesbar sein“, erklärt Teamleiter Bach, der eigentlich Sozialpädagoge ist, aber ein Faible für die Sprache hat. Mit 14 habe er angefangen, Gedichte zu schreiben, erzählt er.

Leichte Sprache im Alltag anwenden

Die eng beschriebenen Seiten des Informationsblattes der Verkehrsgesellschaft sind durchaus eine Herausforderung für die Übersetzer. Aber sie haben ja auch schon einige Erfahrungen mit Behördentexten gesammelt. Sie arbeiteten bereits für ein Ministerium und die Kreisverwaltung. Auch die Stationsordnung eines Krankenhauses und das Informationsheft für ein Theaterstück, das in Eisleben aufgeführt wurde, haben die Eisleber Übersetzer schon in Leichte Sprache übertragen. Und für die Eisleber Lebenshilfe arbeiten die beiden Übersetzer natürlich auch.

Bach hat festgestellt, dass die Infotafel in Leichter Sprache bei der Lebenshilfe sehr oft genutzt wird. Die anderen Infotafeln, an die jeder pinnen kann, was ihm wichtig ist und wie es ihm gefällt, sehen dagegen unübersichtlich aus und werden viel seltener genutzt. Auch der Facebookauftritt der Eisleber Lebenshilfe in Leichter Sprache erhalte viel mehr Kommentare und Likes als die normale Seite.

Humpa und Bach sind schon auf die nächsten Aufträge gespannt. Aus ihrer Sicht gibt es so einiges, was unbedingt in Leichter Sprache veröffentlicht werden sollte. Verträge zum Beispiel oder die Beipackzettel für Medikamente stellen Menschen mit Lernschwierigkeiten oft vor ein Hindernis, das sie allein nicht überwinden können. Und wie sieht das bei einem Zeitungsartikel aus? Wie sich dieser Text in Leichter Sprache lesen würde, das zeigt Michael Bach mit seiner Übersetzung. (mz)