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Besonderer GedenktagWorldwide Candle Lighting Day - Sternenkinder-Verein Dessau plant einen Lichterspaziergang

Der Verein Sternenkinder Dessau hat große Unterstützung durch die Johannisloge erfahren. Die Zusammenarbeit hält an. In der Ferdinand-von-Schill-Straße in Dessau kann man den Verein am Sonntag zum Worldwide Candle Lighting Day kennen lernen.

Von Heidi Thiemann Aktualisiert: 09.12.2023, 14:04
Zum Worldwide Candle Lighting Day am Sonntag laden der Verein Sternenkinder, die Johannisloge „Zu den drei Säulen“ und die Evangelische Landeskirche Anhalts zu einem gemeinsamen Gedenken ein.
Zum Worldwide Candle Lighting Day am Sonntag laden der Verein Sternenkinder, die Johannisloge „Zu den drei Säulen“ und die Evangelische Landeskirche Anhalts zu einem gemeinsamen Gedenken ein. (Foto: dpa)

Dessau-Rosslau/MZ. - „Unsere Freude ist unbeschreiblich, wir sind sehr dankbar“, sagt Tina Henze vom Verein Sternenkinder. Der hat zum Abschluss der Reihe „Kultur im Logenhaus“ einen Spendenscheck von über 2.300 Euro erhalten.

Zum dritten Mal hatte die Freimaurerloge „Zu den drei Säulen“ in der Ferdinand-von-Schill-Straße 7 zu ihrer Veranstaltungsreihe im Herbst eingeladen. Sechs Abende waren dabei von unterschiedlichen Gruppen bestritten worden - es gab Lesungen, Musik, eine Podiumsdiskussion und eine Ausstellung von Cornelius Rinne zum Thema „Money“. Alle Künstler traten ohne Gage auf. Der Eintritt war frei. Gebeten wurde bei den Besuchern um Spenden. Und die kamen in diesem Jahr zu 100 Prozent dem Sternenkinder-Verein zugute. Der wurde 2020 als Selbsthilfegruppe gegründet und ist seit dem vergangenen Jahr ein eingetragener Verein mit derzeit 18 Mitgliedern.

Als Sternenkinder werden verstorbene Kinder bezeichnet, insbesondere, wenn sie vor, während oder kurz nach der Geburt verstorben sind

Als Sternenkinder werden verstorbene Kinder bezeichnet, insbesondere, wenn sie vor, während oder kurz nach der Geburt verstorben sind. Der Verein bietet Familien Hilfe an, gibt ihnen die Möglichkeit, mit weiteren Betroffenen in den Austausch zu treten. Tina Henze selbst hat ihre älteste Tochter vor der Geburt verloren und weiß, wie hilflos und überfordert sich Eltern fühlen, wenn ihr Kind plötzlich verstirbt und es keine Anlaufstelle gibt, wohin sie sich wenden können. Weshalb sie die Initiative für die Sternenkinder Dessau ergriffen hatte.

Im Verein wird Betroffenen in Gesprächskreisen Zeit und Raum gegeben, über den Verlust der Kinder zu sprechen, alle Gefühle zuzulassen und sich in liebevoller Erinnerung auszutauschen. Auch eine Selbsthilfegruppe Folgeschwangerschaft gehört mittlerweile dazu, wie auch ein Kreativkreis. Und es gibt eine Akutbegleitung für Familien. Das bedeutet, der Verein unterstützt Familien ab dem Moment, in dem sie erfahren haben, dass das Herz ihres Kindes aufgehört hat zu schlagen oder sie eine Diagnose erhalten haben, die den Verlust ihres Kindes bedeuten. Ein bis zweimal im Monat trete dieser Fall auf, sagt Henze.

Uwe Dorand von der Johannisloge „Zu den drei Säulen“ (l.) übergibt  Tina Henze   und Veronika Olejnicki  den Spendenscheck mit dem Erlös von „Kultur im Logenhaus“.
Uwe Dorand von der Johannisloge „Zu den drei Säulen“ (l.) übergibt Tina Henze und Veronika Olejnicki den Spendenscheck mit dem Erlös von „Kultur im Logenhaus“.
(Foto: Sternenkinder Dessau)

Doch sie weiß, dass es generell Vorurteile gegen Betroffenenkompetenzen gibt. „Deshalb sind wir dabei uns weiterzubilden, um den Helfern das nötige Rüstzeug mitzugeben.“ Sie selbst hat die Ausbildung zur Trauerbegleiterin durchlaufen und bietet neben zwei weiteren Vereinsmitgliedern Akutbegleitung an. Diese dauert meist bis zur Beisetzung des Kindes.

Weil Weiterbildung ein so wichtiges Thema ist, „waren wir positiv geschockt“, sagt Tina Henze über die Summe, die sie und Veronika Olejnicki von Uwe Dorand vom Logenhaus überreicht bekamen. Das Geld wird in Weiterbildungen fließen. „Wir hatten gedacht, wir können von den zu erwartenden Spenden ein oder zwei ermöglichen, nun werde es sogar drei“, freut sie sich.

Die Freude ist besonders groß, „weil der Tod in Deutschland nicht förderfähig ist“, wie sie sagt. Es sei schwer für den Verein, Förderungen zu erhalten, „denn der Grund ist, das Kind ist verstorben“. Zwar gibt es eine Förderung der GKV, aber die nur über die „Krücke“ posttraumatische Belastungsstörungen, hadert Henze.

Die Unterstützung durch die Johannisloge „Zu den drei Säulen“ hält weiter an. So sei beispielsweise angeboten worden, den Saal für Tagungen zu nutzen. Am kommenden Sonntag, 10. Dezember, zum Worldwide Candle Lighting Day, bei dem weltweit verstorbenen Kindern gedacht wird, laden der Verein Sternenkinder, die Loge und die Evangelische Landeskirche Anhalts zum gemeinsamen Gedenken ein. Um 15.30 Uhr findet im Logenhaus (Ferdinand-von-Schill-Straße 7) ein offener Treff und Austausch statt, zu dem betroffene Familien und Interessierte eingeladen sind.

Bei Kaffee und Kuchen besteht die Möglichkeit, die Angebote und die Vereinsarbeit des Vereins Sternenkinder Dessau kennen zu lernen

Bei Kaffee, Kuchen und kreativen Bastelangeboten besteht die Möglichkeit, die Angebote und die Vereinsarbeit des Vereins Sternenkinder Dessau, die Arbeit des Kinder- und Jugendhospizdienstes Lila Wolke (Anhalt Hospiz) und die Vereinsarbeit von Sternenzauber & Frühchenwunder näher kennenzulernen und sich auszutauschen, sagt Henze. Zu sehen ist dann auch die Ausstellung „Sternenkinder“ der Funus-Stiftung. Die Stiftung setzt sich dafür ein, die Kultur der Endlichkeit in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und die Bestattung als Kernelement der Menschenwürde zu fördern.

Gegen 17.45 Uhr findet am Sonntag ein kleiner Lichterspaziergang von der Johannisloge zur Kirche St. Johannis statt. Dort wird der Köthener Pfarrer Martin Olejnicki die „Andacht bei Kerzenschein“ ab 18 Uhr leiten. „In diesem Rahmen werden die Namen aller Sternenkinder verlesen, die mit unserem Verein verbunden sind“, sagt Henze. Teilnehmen können alle, auch wenn sie nicht mit der Kirche verbunden sind, betont Henze.

Mehr Informationen: www.sternenkinder-dessau.de/