Wegen entwurzelter Kiefer

Wegen entwurzelter Kiefer: Dessauerin muss Strafe zahlen und drei Bäume pflanzen

Dessau - Als sie neulich von mehreren gefällten alten Eichen in Haideburg in der Zeitung las, da platzte Sylvia Beier aus dem Gasterstädtweg in Dessau-Alten endgültig der Kragen.

Von Danny Gitter 09.05.2017, 05:45

Als sie neulich von mehreren gefällten alten Eichen in Haideburg in der Zeitung las, da platzte Sylvia Beier aus dem Gasterstädtweg in Dessau-Alten endgültig der Kragen.

„Vor allem, weil die Stadt das abgesegnet hat. Ich dagegen mit meiner popligen Kiefer habe hier massive Probleme“, verschafft sich die verwitwete Hauseigentümerin aus Alten Luft.

Seit auf ihrem Grundstück eine Kiefer umfiel, bekommt sie viel Post von der Stadtverwaltung. Strafe musste sie bereits bezahlen, doch sie soll auch noch Ersatz pflanzen. Das ärgert Beier- auch wenn die Stadtverwaltung rechtlich korrekt handelte.

278 Euro Bußgeld wegen entwurzelter Kiefer

Am 6. Mai 2016 ist Beier bei Schachtarbeiten für eine neue Abwasserleitung eine entwurzelte Schwarzkiefer, 40 Zentimeter im Durchmesser, auf ihrem Grundstück umgekippt. Seitdem erhält sie regelmäßig Post von der Stadt.

Einen Bußgeldbescheid in Höhe von 278 Euro flatterte ihr schon ins Haus und die Aufforderung, bis zum April 2018 für die umgekippte Kiefer ersatzweise drei neue Laub- oder Nadelbäume auf ihrem Grundstück zu pflanzen. „Da wird man für ein Versehen doppelt und dreifach bestraft“, moniert Beier.

Sie empfindet das Prozedere als ungerecht. Doch nach Angaben der Stadtsprecherin Cornelia Maciejewski gibt es keine Alternative. Im Februar 2016 beantragte die Hauseigentümerin bei der Stadt die Fällung ihrer Schwarzkiefer auf dem Grundstück vor ihrem Haus.

Baum hätte nicht gefällt werden dürfen

Im Frühjahr wollte sie ihre Abwasserleitung erneuern lassen. Weil es keine Pläne gab, wo die Rohrleitungen im Erdreich entlang führen, wollte Beier die Kiefer vorsichtshalber entfernen, um ungehindert nach den Rohren baggern und buddeln lassen zu können.

Ein Mitarbeiter des Stadtpflegebetriebs begutachtete im März 2016 die Situation und entschied, dass die Kiefer nicht gefällt werden darf. Unter anderem auch, weil es aus naturschutzrechtlichen Gründen in der Regel verboten ist, vom 1. März bis zum 30. September Bäume zu fällen.

Nachbar wollte Abwasserrohre mit Bagger freilegen

Am 6. Mai passierte das, was von Amts wegen nicht hätte passieren dürfen. Ein Nachbar von Beier besorgte kostengünstig einen Bagger, um die Abwasserrohre freizulegen. Sie führten direkt unter dem Wurzelwerk der Kiefer lang.

„Plötzlich kam mein Nachbar ins Haus und sagte mir, dass der Baum umgefallen sei“, erinnert sich Beier. Sie rief beim Stadtpflegebetrieb an, um den Vorfall zu melden und die Situation vor Ort begutachten zu lassen. Doch es dauerte fast drei Wochen, bis ein Mitarbeiter kam.

Entfernung des Baums war laut Stadt verboten

„Wir konnten die Baustelle ja so lange nicht stilllegen. Schließlich ist in diesem Fall Zeit auch Geld“, erzählt Beier. Die Arbeiten wurden fortgesetzt und die entwurzelte Kiefer entfernt. Der Mitarbeiter des Stadtpflegebetriebs stellte daraufhin bei seinem Besuch zwei Ordnungswidrigkeiten fest.

Zum einen, dass trotz Verbots der Baum entfernt wurde und dass er im Zeitraum, wo Fällungen verboten sind, entfernt wurde. Ein Widerspruch von Beier blieb ohne Erfolg. Ein Bußgeld wurde angeordnet - das bezahlte sie - und die Ersatzpflanzung von drei neuen Bäumen auf ihrem Grundstück.

Dessauerin muss drei neue Bäume Pflanzen

Die drei neuen Bäume bereiten Beier großes Kopfzerbrechen. „Das Areal vor meinem Haus ist nur rund 70 Quadratmeter groß. Wo sollen da noch drei Bäume hin?“, fragt sie.

Die Stadt hält das für zumutbar. Maciejewski verweist darauf „dass dem Bürger die Möglichkeit eingeräumt wird, entsprechend seines Grundstücks sowie seiner Vorlieben Baumarten für die Ersatzpflanzung auszuwählen.“

Unterlassungen würden mit Bußgeld belegt, betont die Stadtsprecherin. „Zugleich bleibt die Forderung der Ersatzpflanzung bestehen, bis sie ausgeführt wurde.“

Nach dem ganzen Ärger fragt sich die Altenerin, „ob ich als Ehrliche die Dumme bin und vielleicht nicht doch lieber unbemerkt von den Ämtern die Kiefer entfernt hätte?“

Das könne man als Stadt zwar nicht lückenlos kontrollieren, „wir gehen aber in diesen Fällen Anzeigen Dritter und eigenen Beobachtungen nach“, erklärt Maciejewski. (mz)