OB-Kandidaten im Porträt

Warum für Karsten Lückemeyer „Geht nicht, gibt’s nicht“ in der Lokalpolitik von Dessau-Roßlau gelten soll

Karsten Lückemeyer will hoch hinaus. Warum die Stadt einen Raketenstartplatz, Jugendclubs oder Konzepte gegen leere Wohnungen braucht.

Von Thomas Steinberg
Karsten Lückemeyer ist großer Raumfahrtfan. Zum zweiten Mal tritt er an, den Chefsessel im Dessau-Roßlauer Rathaus zu erobern.
Karsten Lückemeyer ist großer Raumfahrtfan. Zum zweiten Mal tritt er an, den Chefsessel im Dessau-Roßlauer Rathaus zu erobern. (Foto: Thomas Ruttke)

Dessau-Roßlau - Karsten Lückemeyer will hoch hinaus. Er will Oberbürgermeister werden von Dessau-Roßlau. Das wollen auch sieben andere Männer, insofern ist dieser Plan fast nichts besonderes. Doch Lückemeyer hat für den Fall, dass er es ins Rathaus schafft, sogar die hochfliegendsten Pläne, die die der anderen Kandidaten um Längen schlägt: Die Stadt, sagt er, braucht einen Raketenstartplatz.

Dass sie dazu keinerlei Voraussetzungen bietet, vermag den oft im Raumfahrkostüm als Peter Ghost auftretenden Lückemeyer nicht irritieren. „Geht nicht, gibts nicht für mich.“ Schließlich startete Johannes Winkler in Dessau die erste europäische Flüssigkeitsrakete. Das war 1931. Von Dessau aus führten gerade Linien zur amerikanischen Saturn oder der sowjetisch/russischen Sojus.

Wenn ihn Corona nicht hindert, tritt er als Astronaut mit Kinderprogrammen auf

Schon klar, erklärt Lückemeyer, man könne keinen konventionellen Raketenstartplatz hier bauen, aber es gebe längst kleinere Raketen, die - so steht es in seinem Wahlprogramm - „perspektivisch auch mitten in Wohngebieten gefahrlos“ starten könnten.

Lückemeyer, 1963 in Dessau geboren, lernte Mechatroniker. Als er sein Automatisierungsstudium beendet hatte, gab es für ihn 1990 keinen Job in Dessau, also handelte er mit Gebrauchtwagen. 2001 sattelte er um, gründete einen Verlag, bei dem die Autoren die Veröffentlichung mitfinanzieren. Wenn ihn Corona nicht hindert, tritt er als Astronaut mit Kinderprogrammen auf oder als Wiederkehr des Dessauer Originals Hobusch. Bei YouTube finden sich noch Videos, die ihn als singenden Autohändler zeigen.

Vor sieben Jahren trat Lückemeyer schon mal bei der OB-Wahl an

Vor sieben Jahren trat Lückemeyer schon mal bei der OB-Wahl an. Warum? Er war zunehmend genervt von der für ihn oft als unfair empfunden Kritik an der Politik. Lückemeyer blieb chancenlos.

Karsten Lückemeyer (2.v.l.) schlüpft bei verschiedenen Gelegenheiten in die Rolle des Dessauer Originals Hobusch.
Karsten Lückemeyer (2.v.l.) schlüpft bei verschiedenen Gelegenheiten in die Rolle des Dessauer Originals Hobusch.
(Foto: Karsten Lückemeyer)

Doch seither ist er politisch unterwegs. Man sieht ihn, beziehungsweise sein Alter Ego Peter Ghost, immer wieder auf Demos, sei es gegen Rechts oder für Klimaschutz. Wo er sich politisch verorte? „Links“, sagt er kurz und knapp. Rechte oder ausländerfeindliche Kommentare löscht Lückemeyer auf der von ihm moderierten Facebook-Seite „Dessau - Meine Heimatstadt“ mit ihren 10.000 Abonnenten konsequent. Und als nach der ersten Solidaritätswelle 2015 die Spenden für Flüchtlinge abebbten, legte er sich ins Zeug: „Zwei Drittel der Spenden hatten dann etwas mit mir zu tun.“

Leerstehende Wohnungen sollten günstig an junge Leute vermietet werden

Wenn man mit ihm über seine politischen Pläne spricht, sagt Lückemeyer manchmal: „Moment, da muss ich mal in mein Wahlprogramm gucken.“ Er will Solarzellen auf Dächer setzen, hält es für unmöglich, dass immer mehr Jugendklubs geschlossen wurden. Das zu ändern, nennt er eine „erste große Baustelle“, wenn er die Wahl gewinnt.

Leerstehende Wohnungen sollten günstig an junge Leute vermietet werden, um sie in der Stadt zu halten, das Theater als Aushängeschild unbedingt erhalten bleiben und es müsse mehr Elektromobilität geben. Er will nicht nur die Bundesgartenschau, sondern die Weltausstellung Expo nach Dessau-Roßlau holen.

„Die anderen haben doch keine Chance. Ich werde mir auf jeden Fall meine Stimme geben.“

Und: Die Verwaltung müsse bürgerfreundlich werden. Dass der Amtsinhaber keinen seiner drei Briefe beantworten lässt, ärgert Lückemeyer. Und meint, wer im Rathaus seine Arbeit nicht mache, müsse mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen. „Ein Arbeitsplatz im Rathaus ist nicht zum Ausruhen.“

Dass er selbst über keine politische Erfahrung verfügt und keine in Verwaltungsdingen - seinen Platz im Mosigkauer Ortschaftsrat will er nicht als Qualifikation verstanden wissen - ficht Lückemeyer nicht an. „Ich bin selbstständig, ich weiß, dass Probleme auf mich zukommen.“ Und im übrigen gelte ja: „Geht nicht, gibt’s nicht.“

Hat er Chancen? Das Gespräch mit ihm findet auf seinen Wunsch im Freien statt. Lückemeyer/Ghost hat seinen Raumfahrerhelm ab- und einen Mundschutz angelegt. Man sieht nicht, ob er lächelt, als er sagt: „Die anderen haben doch keine Chance. Ich werde mir auf jeden Fall meine Stimme geben.“ (mz)