Umweltbundesamt in Dessau

Umweltbundesamt in Dessau: Einsatz von Recycling-Beton einzigartig in Sachsen-Anhalt

Dessau - Am Anfang stand eine Rechnung: Die Firma muss im Umkreis von maximal 150 Kilometern gefunden werden - sonst stimmt die Ökobilanz für den Einsatz von Recycling-Beton nicht.

Von Lisa Garn 29.04.2017, 10:00

Am Anfang stand eine Rechnung: Die Firma muss im Umkreis von maximal 150 Kilometern gefunden werden - sonst stimmt die Ökobilanz für den Einsatz von Recycling-Beton nicht.

Das besondere Material wird in Dessau für den dringend nötigen Erweiterungsbau des Umweltbundesamtes (Uba) eingesetzt. Die Behörde mit rund 900 Mitarbeitern ist damit Vorreiter. Der recycelte Beton wird erstmals überhaupt in Sachsen-Anhalt verbaut.

Recycling-Beton für Anbau des Umweltbundesamts in Dessau

Er ist ein ökologischer Baustein für ein ehrgeiziges Projekt: Für fast 14 Millionen Euro entsteht direkt neben dem Hauptgebäude ein Plus-Energie-Haus, das mehr Energie produziert, als es verbraucht.

Der Rohbau ist bereits zu sehen, er ist seit ein paar Wochen fertiggestellt. Alle vier Etagen bestehen aus dem recycelten Beton. Dabei werden Kies oder gebrochener Naturstein mit aufbereitetem Bauschutt angereichert - es ist quasi neuer Beton aus altem Beton.

„Wir haben vorher Berechnungen aufgestellt, ob wir ihn verwenden können“, sagt Antje Schindler, Referatsleiterin für Bau und Technik im Uba. Es ging vor allem um den CO2 -Verbrauch beim Transport.

Neben Hauptgebäude wird ein Plus-Energie-Haus gebaut

Der ökologische Fußabdruck musste so gering wie möglich ausfallen. „Hätte die Firma nur ein paar Kilometer außerhalb des Zuliefererkreises gelegen, hätten wir komplett normalen Beton nehmen müssen.“

Knapp 60 Prozent des Betons bestehen nun aus dem umweltschonenden Material - von insgesamt fast 3.000 Kubikmeter. Nur beim Fundament, die „weiße Wanne“, brauchte es Normalbeton, weil er grundwasserdicht ist.

Rund 60 Prozent des Betons ist umweltschonend

Deutschlandweit ist der Einsatz des recycelten Materials noch selten. Zulieferer-Firmen zu finden, war nicht einfach. Das Uba hatte auch mit Unternehmen in Sachsen-Anhalt gesprochen, aber am Ende war ein Unternehmen in Berlin günstiger.

„Bisher besteht in der Region keine Nachfrage.“ Auch wenn die Kosten für Recycling-Beton nur geringfügig höher sind. „Das hat auch etwas damit zu tun, wie viele Bauvorhaben umgesetzt werden. In Sachsen-Anhalt wird weniger gebaut als in Süddeutschland oder in der Schweiz, wo dieses Material auch häufiger eingesetzt wird.“

Kosten für Recycling-Beton nur geringfügig höher

Mit dem Material schließt sich der Kreis, für den der Erweiterungsbau konzipiert ist. Das Ziel: Das Plus-Energie-Haus soll seine benötigte Energie mit Hilfe von Photovoltaikanlagen und Erdwärme zu mehr als 100 Prozent selbst erzeugen.

Überschüssiger Strom soll auch für das Hauptgebäude genutzt werden. Verbaut wird neben Recycling-Beton auch Hanf zur Innendämmung.

Auf den vier Etagen entsteht Platz für über 111 Büroarbeitsplätze und Konferenzräume. Die sind nötig, weil das Hauptgebäude aus allen Nähten platzt und in den vergangenen Jahren weitere Mitarbeiter für neue Aufgaben eingestellt worden waren.

Photovoltaik und Erdwärme sollen Energie liefern

Seit 2008 müssen Büros im Fürst-Leopold-Carré angemietet werden, derzeit arbeiten dort 95 Mitarbeiter. Der Einzug in den Erweiterungsbau ist für März 2018 geplant - zwei Monate später als geplant.

Die Ausschreibung für die spektakuläre Gebäudehülle musste wiederholt werden, weil die erste Firma die Anforderungen nicht erfüllen konnte. Die Fassade soll komplett aus Photovoltaik-Elementen bestehen, ist Schutz und Energieproduzent zugleich. Sie ist das Kraftwerk des Neubaus und soll später einmal leicht bräunlich schimmern.

Fertigstellung ist im Frühjahr 2018 geplant

„Es ist eine Sonderanfertigung. In dieser Dimension ist das in Deutschland noch nicht gebaut worden“, so Schindler. Im Sommer soll die Installation der Elemente beginnen, die Fertigstellung ist für den Herbst vorgesehen.

Die Planungen für den Bau hatten 2008 begonnen. Im April 2017 war der Grundstein gelegt worden. Das Umweltbundesamt hat seit 2005 seinen Sitz in Dessau. Damals begann die Behörde mit 750 Mitarbeitern.

Der Bau ist einzigartig in Deutschland

Das neu gebaute Hauptgebäude war schon damals ein ökologischer Vorbildbau, der nach Anlaufproblemen den hohen Erwartungen auch energetisch gerecht und vielfach ausgezeichnet wurde.

Das neue Gebäude soll nun erneut Maßstäbe für die Zukunft nachhaltigen Bauens setzen und Pilotprojekt für Bundesbauten sein. So sind auch eine Sanierung sowie ein Laborneubau der Behörde in Berlin geplant sowie ein neues Labor- und Bürogebäude im sächsischen Bad Elster. (mz)