Typisierung in Dessau-Roßlau

Typisierung in Dessau-Roßlau: Lebensretter für krebskranke Lehrerin gesucht

Dessau - Eine Lehrerin des Dessauer Berufsschulzentrums „Hugo Junkers“ ist an Leukämie erkrankt. Eine Kollegin und ihre Schüler organisieren eine Typisierung.

Von Steffen Brachert 30.11.2016, 16:18

Die Nachricht kam am Dienstag per Handy - und war lang und voller Zuversicht. „Ich hoffe auf einen baldigen Spender und kämpfe weiter.“ Kristin Erfurt hatte diese Zeilen an ihre Freunde geschrieben. Die 30-Jährige ist Lehrerin am Dessauer Berufsschulzentrum „Hugo Junkers“ und an einer aggressiven Form der Leukämie erkrankt.

„Ihre Chemotherapie hat versagt“, sagt Mandy Boddenberg. „Seit dieser Woche steht fest: Der Krebs ist bei ihr zurück und wächst schnell und aggressiv.“ Boddenberg ist eine Lehrerkollegin und eine Freundin von Kristin Erfurt - und kämpft mit ihr um eine Stammzellspende.

Typisierungsaktion soll das Leben von krebskranker Dessauerin retten

Diese könnte das Leben der jungen Dessauer Lehrerin retten. Am Freitag soll es kurzfristig von 9 bis 13 Uhr am Berufsschulzentrum in der Junkersstraße eine große Typisierungsaktion geben. „Wir hoffen, dass sich ganze viele beteiligen.“

Erfurt stammt aus Blankenburg im Harz und kam vor zwei Jahren an das Dessauer Berufsschulzentrum „Hugo Junkers“. Die 30-Jährige unterrichtete dort Pädagogik, Soziologie und Psychologie. Bis bei ihr im Juli Krebs diagnostiziert wurde.

„Die vergangenen Monate waren ein einziger Kampf“, sagt Boddenberg. Viele bangen mit Kristin Erfurt. Viele wollen helfen. Gerade jetzt.

Deutschlandweite Suche nach einem Stammzellen-Spender für krebskranke Lehrerin aus Dessau-Roßlau

Erfurts Bruder wollte natürlich Stammzellen spenden. Doch die Zellen waren nicht kompatibel. Die Suche nach einem Spender soll nun deutschlandweit ausgeweitet werden. Zusätzlich hofft Erfurt auf einen Platz in einer speziellen Versuchsgruppe der Uni Halle. Die Entscheidung darüber steht aber noch aus.

Sieben Millionen Einwohner sind in Deutschland in einer der landesweit 26 Stammzelldateien eingetragen und typisiert. „Der Abgleich läuft“, sagt Annette Wiedemann, Koordinatorin der Deutschen Stammzellspenderdatei am Altener Damm in Dessau. Die hat 120.000 Namen in ihrer Übersicht. Tendenz steigend. Dessau ist damit die achtgrößte Datei in Deutschland. Ob unter den sieben Millionen ein geeigneter Spender dabei ist, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

Wie die Chancen für die Lehrerin stehen, einen passenden Stammzellen-Spender zu finden.

„Es müssen zehn Gewebemerkmale übereinstimmen“, erklärt Wiedemann. Ab sechs Übereinstimmungen gehe man eine aufwändige Feindiagnostik an. Wie groß die Chancen für Kristin Erfurt sind? „Das kann man nicht verallgemeinern“, erklärt Wiedemann.

„Es gibt Gewebemerkmale, da liegt die Wahrscheinlichkeit, einen geeigneten Spender zu finden, bei 1:1.000. Es gibt aber auch Fälle, da beträgt die 1:600.000.000.“ Sieben Millionen Typisierte können da schnell ganz wenig sein. „Wir suchen“, macht Wiedemann klar, „die Nadel im Heuhaufen.“

Schüler und Lehrer des Anhaltischen Berufsschulzentrum wollen am Freitag beim Suchen helfen - und sich typisieren lassen. Das heißt, mit einem Wattestäbchen wird Speichel aus dem Mundbereich entnommen und untersucht. Es tut nicht weh, es geht schnell.

Lehrerkollegen hoffen auf Treffer bei der Typisierungsaktion

40 Euro kostet eine Typisierung. Bei vielen Hilfsaktionen ist das ein Problem. In Dessau hilft die Deutsche Stammzellspenderdatei. „Wir haben einen Spendentopf, der nicht überquillt, den wir aber am Freitag nutzen wollen“, sagt Wiedemann. Mit einer Einschränkung. „Wir zahlen die Typisierung der Spender im Alter von 18 bis 40 Jahren.“ Wer älter ist und sich trotzdem typisieren lassen will, der wird gebeten, dafür eine Spende zu hinterlassen.

Boddenberg ist für die unkomplizierte Hilfe der Stammzellspenderdatei sehr dankbar. „Die haben für die Typisierungsaktion sofort zugesagt“, freut sich die Lehrerin, die seit Mittwoch Werbung für die Aktion macht. „Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, dass dort so viele wie möglich hinkommen“, sagt Boddenberg. „Wir hoffen, dass sich ein Spender findet.“ (mz)