Die Sofazeit ist vorbei

TuS Kochstedt hat durch die Pandemie 50 Mitglieder verloren - Wie geht es jetzt weiter?

Bei TuS Kochstedt hat der Trainingsbetrieb im Freien längst begonnen. Während der Pandemie ist der Sportverein geschrumpft.

Von Annette Gens
Einige Fußballer der C-Jugend sind auf dem Platz von TuS. Fit gemacht werden sie auch mit Kraftübungen.
Einige Fußballer der C-Jugend sind auf dem Platz von TuS. Fit gemacht werden sie auch mit Kraftübungen. (Foto: Annette Gens)

Kochstedt - Von wegen „freitags ab eins macht jeder seins“. An jenem Freitagnachmittag knien Torsten Hänßgen, Michael Werthmann und Martin Eckertsberg mit vielen anderen Mitstreitern vom TuS Kochstedt mitten im Dreck. Zu tun gibt es einiges. Zum Beispiel sollen an einem der Fußballfelder auf dem Kochstedter Sportplatz neue Trainerbänke aufgestellt werden. Die alten Bänke sind längst abgebaut.

Die neuen Sitzgelegenheiten benötigen ein Fundament, und die Fläche muss zudem gepflastert werden. Dieser Nachmittag ist einer der ersten, an dem sich Vereinsmitglieder wieder unbeschwert treffen können. Und sei es beim Arbeitseinsatz auf dem Sportgelände nahe dem Kochstedter Zoberberg. Die Aktion ist übrigens für manchen im „Blaumann“ so etwas wie „warmlaufen“, denn anschließend geht es auf den Platz. Das Runde soll ins Eckige.

Viel zu lange mussten die Mitglieder des TuS Kochstedt auf Gruppensport verzichten

TuS hatte verschiedene Bauarbeiten länger im Blick. Ertüchtigt werden soll eine Zuwegung zum Vereinsheim, erzählt Vereinsvorstand Mario Pinkert. Jetzt, mit den Lockerungen der Auflagen der Corona-Pandemie, sind sie möglich geworden. Und auch der Verein hat inzwischen dank neuer Landesverordnungen erheblich bessere Möglichkeiten zum Sporttreiben. Sport unter freiem Himmel ist kein Problem. Der Hallensport allerdings ist nur unter Auflagen möglich. Wenn möglich, wird deshalb im Außenbereich trainiert.

 Torsten Hänßgen, Martin Eckersberg und Michael Werthmann (v.l.n.r.) beim Arbeitseinsatz auf dem Sportplatz.
Torsten Hänßgen, Martin Eckersberg und Michael Werthmann (v.l.n.r.) beim Arbeitseinsatz auf dem Sportplatz.
(Foto: Annette Gens)

Aufatmen bei TuS Kochstedt: Viel zu lange mussten die Mitglieder auf Gruppensport verzichten. Es gab seit März 2020 viele Aufs und Abs, erinnert sich Pinkert: Je nach Entwicklung der Inzidenzzahlen durfte Fußball gespielt werden oder es wurden die Teams wieder zu Online-Sport in die eigenen vier Wände verpflichtet. Am 13. März 2020 war nicht nur für die TuS-Sportler für lange drei Monate Schluss mit dem Hobby.

TuS zählt neben Dessau 05 oder Germania Roßlau mit aktuell 420 Mitgliedern zu den größeren Sportvereinen

Danach durfte wieder trainiert werden, der Punktspielbetrieb lag zunächst brach. Im August 2020 begann die Punktspielsaison - die im November wiederum jäh endete. Es folgte eine lange Zeit nichts. Die Bundesnotbremse ereilte die Doppelstadt. Das Leben in den Sportvereinen schlummerte nicht nur in Kochstedt vor sich hin. „Gerade für Kinder und Jugendliche war dies ein herber Rückschlag“, weiß Pinkert. Es war wie die Fahrt auf einer Achterbahn. Nicht immer gelang es, die Leute vom Sofa hochzubekommen. Und nun, mit den neuen Freiheiten, stehen die Trainer vor der Herausforderung, „eingerostete Knochen“ wieder geschmeidig zu machen.

TuS zählt neben Dessau 05 oder Germania Roßlau mit aktuell 420 Mitgliedern zu den größeren Sportvereinen. Auf dem Sportplatz am Kochstedter Zoberberg ist längst nicht mehr nur der Fußball zu Hause. Im Verein sind unter anderem Volleyball, Tischtennis, Gymnastik, Zumba, Kindersport oder Rehasport möglich. Besonders beliebt ist die Kindergruppe „Fit für Kids“.

Ein Gehweg soll angelegt werden. Dafür muss zunächst Erde weg.
Ein Gehweg soll angelegt werden. Dafür muss zunächst Erde weg.
(Foto: Annette Gens)

Während der Corona-Pandemie hatten insgesamt 50 Mitglieder - allein 25 Gymnastikfrauen - ihren Austritt erklärt

Trotz der Vielfalt der Sportarten ist es laut Vereinsvorstand nicht leicht gewesen, die Pandemie finanziell zu bewältigen. „Wir mussten klug wirtschaften“, erzählt Pinkert, dass der Sport brach lag, aber laufende Rechnungen zu begleichen waren. Es waren unter anderem Verbandsbeiträge abzuführen. Erschwert wurde die Situation durch den Weggang einiger Mitglieder.

Während der Corona-Pandemie hatten insgesamt 50 Mitglieder - allein 25 Gymnastikfrauen - ihren Austritt erklärt. Diskutiert wurde unter anderem, weshalb der Beitrag trotz Wegfalls der sportlichen Angebote zu zahlen sei. „Wir kennen aber nicht die Gründe von allen, die sich vom Verein verabschiedet haben“, betont Mario Pinkert und erinnert daran, dass manche Menschen während des Lockdowns wirtschaftliche Einbußen verkraften mussten und deshalb die Reißleine gezogen haben. Massive Verluste gibt es bei der Einnahme von Spenden.

TuS befindet sich mit all den Problemen der Pandemie in guter Gesellschaft mit anderen Vereinen, weiß Pinkert. Deshalb versucht man auf dem Zoberberg, wieder mehr dem Sport Raum zu geben. Dass aber demnächst der Punktspielbetrieb wieder aufgenommen wird, das halten viele für ausgeschlossen. (mz)