Wahlkreis 70

Steffi Lemke ist Direktkandidatin der Grünen und hat große Lust aufs Mitregieren im Bundestag

Zum fünften Mal setzt die Dessauerin Steffi Lemke von den Grünen zum Sprung in den Bundestag an. Warum für sie das Klima ein Schlüsselthema ist.

Von Heidi Thiemann 17.09.2021, 11:47 • Aktualisiert: 17.09.2021, 13:36
Steffi Lemke ist mit Leib und Seele Dessauerin. Für die Grünen will sie zum fünften Mal in den Bundestag einziehen.
Steffi Lemke ist mit Leib und Seele Dessauerin. Für die Grünen will sie zum fünften Mal in den Bundestag einziehen. (Foto: Thomas Ruttke)

Dessau/MZ - Das Umweltbundesamt in Dessau hat sich Steffi Lemke als Fotokulisse gewünscht. Dass dieses in Dessau angesiedelt wurde, die Grüne hat einen Anteil daran. Ebenso, dass das Dessau-Wörlitzer Gartenreich Aufnahme fand in die Unesco-Weltkulturerbeförderung. „Das waren Entscheidungen, die wir als Regierungsfraktion mit herbeiführen konnten. Aus der Opposition heraus ist es viel schwerer, etwas zu bewegen“, sagt die Frau, die auf bundespolitischem Parkett schon ein alter Hase ist.

Vier Legislaturperioden saß die Dessauerin bereits im Bundestag. Und in ihren Worten schwingt mit: Die Grünen wollen wieder in Regierungsverantwortung im Bund. Sie selbst will zum fünften Mal im Bundestag vertreten sein.

Seit einigen Wochen ist Lemke im puren Wahlkampf und nimmt eine „unglaublich positive Stimmung“ wahr

Im Land sind die Grünen gerade von der Regierungs- auf die Oppositionsbank gewechselt. Doch die Bundes- und die Landtagswahl, das seien andere Situationen, nicht miteinander zu vergleichen, sagt Lemke. „Grün hat Schwung“, so die Dessauerin, die mit 18 bis 21 Prozent Zustimmung am Wahltag rechnet. Allerdings treibt sie die Sorge um, „wenn die Grünen nicht an der Regierung beteiligt werden, dann gibt es keine wirkliche Veränderung im Land“. CDU/CSU und SPD hätten zwar Veränderungen versprochen, aber passiert sei nichts. „Der Ausbau der Erneuerbaren Energien wurde gebremst, der Kohleausstieg verschleppt“, zählt sie auf. Dass die Christdemokraten dennoch behaupten würden, sie seien „grün“, sei in ihren Augen eine Unverfrorenheit.

Seit einigen Wochen ist Lemke im puren Wahlkampf und nimmt eine „unglaublich positive Stimmung“ wahr. Selbst auf Terrain, das nicht unbedingt zum grünen Pflaster zählt. Wie bei der Freiwilligen Feuerwehr in Pratau. Doch Lemke glaubt, die Menschen in der Stadt und auf dem Land wollen Veränderung. Aus gutem Grund: „Die Auswirkungen der Klimakrise werden Jahr um Jahr drastischer und auch die Corona-Pandemie stellt nach wie vor unser gesellschaftliches Leben auf den Kopf.“ Das werde überall gespürt. Menschengemachte Krisen seien das, die menschengemachte Lösungen erfordern.

Heizen, Fahren, Wohnen müssten laut Lemke klimaneutral werden

„Waldbrände, Dürren, Hochwasserkatastrophen - wir müssen jetzt handeln und dürfen nicht erst über Ziele 2040 oder 50 reden“, erklärt die 53-Jährige. Klimaschutz sei purer Eigennutz, sagt sie, „denn es geht um Menschenschutz“. Der schnelle Kohleausstieg gehöre da dazu. Und den Transformationsprozess müsse man mit Wirtschaft und Industrie gemeinsam gestalten. Wie man auch mit Landwirten gemeinsame Lösungen zum Umsteuern finden müsse, wenn es um Klimaschutz, Einsatz von Insektiziden und Pestiziden gehe. „Aus Eigennutz umsteuern“, sagt Lemke auch hier.

Wie beim CO2-Ausstoß, der schon lange an seine Grenze gestoßen sei. Heizen, Fahren, Wohnen müssten klimaneutral werden. Dass da die Preise, wie etwa beim Sprit steigen, sei unbestritten. „Aber das muss man sozial kompensieren“, erklärt sie. Daher wollen die Grünen 75 Euro pro Kopf Energiegeld zahlen. Das entlaste Geringverdiener.

Besser handhaben müsse das Land auch die Migration

Neben der Klima-, gelte es auch die Coronakrise zu bewältigen. „Die Hauptkonsequenz muss mehr Vorsorge gegen solche Katastrophen sein“, erklärt Lemke. Sie hofft aber, dass es nicht noch einen Lockdown gibt. „Am besten hilft impfen und die AHA-Regeln einhalten.“ Nicht an allen Stellen sei die Coronakrise in Deutschland gut gemanagt worden. Dass jetzt parteiübergreifend Hilfen für Soloselbstständige und Künstler auf den Weg gebracht wurden, sei wichtig. „Es wurde viel zu lang auf die Großen und zu wenig auf die Kleinen geguckt.“

Besser handhaben müsse das Land auch die Migration. „Deutschland ist eine Einwanderungsgesellschaft“, stellt Lemke fest. Sachsen-Anhalt etwa sei überaltert und auf Zuwanderung angewiesen. „Das klappt aber nicht, wenn wir uns nicht um diese Menschen kümmern.“ Migration müsse gesteuert werden.

Zur Person

Steffi Lemke ist 53 Jahre alt, in Dessau geboren und aufgewachsen. Noch heute wohnt die Frau, die zu den Gründungsmitgliedern der Grünen in der DDR gehörte, in ihrer Heimatstadt. Sie ist geschieden, hat einen Sohn und lebt mit ihrem Lebensgefährten in einer Patchworkfamilie. Die Dessauerin ist gelernte Melkerin, ihr Abitur machte sie neben der Arbeit. Seit 1993 ist sie Diplom-Agraringenieurin. Zu Lemkes Hobbys zählen Paddeln und Garten.

Ihre Liebe zur Natur hat sie in die Politik geführt. Dem Deutschen Bundestag gehörte sie von 1994 bis 2002 an und seit 2013 wieder. Von 2002 bis 13 war Lemke Politische Geschäftsführerin (Generalsekretärin) der Bundespartei. Jetzt kandidiert sie als Direktkandidatin in ihrem Wahlkreis und als Spitzenkandidatin Sachsen-Anhalts für ihre fünfte Legislaturperiode im Deutschen Bundestag.