Bekennerschreiben aufgetaucht

Staatsschutz ermittelt: Angriff auf Wohnhaus in Roßlau mit Farbrauchbombe

Roßlau - In Roßlau hat eine Gruppe ein Wohnhaus mit einer Rauchbome angegriffen. Die Polizei vermutet einen politischen Hintergrund. Ein mutmaßliches Bekennerschreiben im Netz verhärtet den Verdacht.

Nach einer Attacke auf ein Wohnhaus eines führenden Mitglieds einer rechten Kameradschaft in Anhalt am Freitagabend ist im Internet eine Art Bekennerschreiben aufgetaucht. Auf einem linken Nachrichtenportal wird die Tat als „kleiner Gruß“ beschrieben - und gedroht. Wenn es durch den Betroffenen weiterhin zu Übergriffen und Bedrohungen vor Geflüchtetenunterkünften komme, „sehen wir uns gezwungen, zeitnah wieder an dich heranzutreten, egal wo“. Die Polizei prüft das Schreiben, das in der Nacht zum Sonnabend gegen 1.26 Uhr auf die Seite gestellt wurde. Eine Bewertung wollte man noch nicht vornehmen.

Angriff auf Wohnhaus mit Rauchbombe

Nach bisherigen Erkenntnissen hatten eine Gruppe von etwa acht bis zehn schwarz gekleideten Personen am Freitag gegen 19.40 Uhr eine rote Farbrauchbombe auf den Hof des Hauses  und zwei größere Steine durch eine Fensterscheibe in den Wohn- und Schlafbereich der Wohnung geworfen. Dazu wurden nach MZ-Informationen zwei schwarze Antifa-A hinterlassen - eines am Tor des Hauses, eines am Torpfosten. Die Polizei sprach nur von einem linken Symbol. 

Auf dem Hof soll es am Freitagabend eine private Feier gegeben haben. Verletzt wurde bei der Attacke niemand. Der Sachschaden liegt im unteren vierstelligen Bereich. Die Polizei ermittelt wegen Landfriedensbruch.  Weil ein politischer Hintergrund des Angriffs wahrscheinlich ist, hat der Staatsschutz die Ermittlungen übernommen. Die  Polizei hat am Sonnabend zugleich einen Zeugenaufruf gestartet. Die unbekannten Täter sollen nach der Tat in Richtung Roßlauer Bahnhof geflüchtet sein. Wer  gegen 20 Uhr in der Roßlauer Innenstadt etwas Auffälliges gesehen hat, soll sich bei der Polizei melden.

Polizei fürchtet Racheakte und verstärkt Präsenz

Die Polizei selbst hatte nach dem Zwischenfall die Präsenz im Roßlauer Stadtgebiet deutlich erhöht - man fürchtete einen Racheakt der Rechten. Auch am heutigen Sonnabend ist die Polizei verstärkt vor Ort - und sensibilisiert. Auf der Roßlauer Wasserburg findet ein Open-Air-Konzert unter der Überschrift „Tanz für Toleranz“ statt. Gastgeber ist das Projekt „Ballerina“, das zeigen will, „dass es auch in kleineren Städten wie Roßlau immer noch genug Menschen gibt, die für Toleranz und Menschlichkeit stehen“. Los geht es 14 Uhr. Am Abend spielen Bands wie „A Shade Higher“, „Arsen“ und „Endlich schlechte Akustik“. (mz/sb)