Wahlkreis 70

Sepp Müller will als Titelverteidiger mit seinem Direktmandat für die CDU in den Bundestag

In Dessau und Wittenberg stehen zehn Direktkandidaten für den Einzug in den Bundestag bereit. Die MZ stellt die Bewerber vor. Heute: Sepp Müller (CDU)

Von Julius Jasper Topp
Sepp Müller auf Wahlkampftour mit dem Rad - hier im Bad Schmiedeberger Ortsteil  Österitz
Sepp Müller auf Wahlkampftour mit dem Rad - hier im Bad Schmiedeberger Ortsteil Österitz (Foto: Thomas Klitzsch)

Wittenberg/MZ - Im Wittenberger Wahlkreisbüro türmen sich die Flyer. In seinem Büro steht der 2,03 Meter große CDU-Direktkandidat am Stehtisch. Sepp Müller will sein 2017 für die CDU gewonnenes Direktmandat verteidigen. Die vergangenen zwei Wochen verbrachte er zum Teil im Sattel seines Fahrrades - traf Unternehmen und Menschen in der Region und empfahl sich für die nächste Legislaturperiode.

Auch wenn Müller diese Einschätzung nach vielen Gesprächen nicht teilen will: Für seine Partei verheißen die jüngsten Umfragen wenig Erfreuliches für die Wahl in knapp drei Wochen. Kann er sich auch mit einer Rolle in der Opposition anfreunden? „Ich bin so jung, ich möchte gestalten“, sagt Müller. Seinen ärgsten Konkurrenten unter den insgesamt zehn Direktkandidaten für den Wahlkreis Dessau-Wittenberg hat er bei der AfD ausgemacht. „Eines ist ganz klar: Um dieses Direktmandat kämpft Sepp Müller und der Kandidat von den Rechtspopulisten. Wer seine Heimat durch einen Demokraten vertreten sehen will, der kann nur mich wählen.“

Beim Thema Klimaschutz zeichnet der CDU-Kandidat ein ambivalentes Bild

Zum Management in der Coronakrise attestiert Müller Deutschland im internationalen Vergleich ein recht gutes Abschneiden. Verbesserungsbedarf gebe es aber bei der Digitalisierung der Ämter. Die nächste Welle sei so gut wie sicher - da müssten die Kapazitäten der Schnelltests erhöht werden, gerade in Pflegeheimen, damit Angehörige weiter zu Besuch kommen könnten. Außerdem findet Müller: „Es ist gut, dass wir von der Inzidenz weggehen und uns die Hospitalisierung anschauen. Das ist der Zukunftsweg.“

Beim Thema Klimaschutz zeichnet der CDU-Kandidat ein ambivalentes Bild: Einerseits setzt sich Müller stets für den Ausbau des ÖPNV ein, pflanzt Bäume, spricht mit Friday for Future, zeigt sich im Wahlkampf auf dem Fahrrad. Andererseits stimmte er gegen ein Tempolimit auf Autobahnen und für weniger Dieselfahrverbote. Wie passt das zusammen? „Insofern, dass wir die Menschen entscheiden lassen wollen, welche Wege sie gehen“, sagt er. So zeigten der Wittenberger Energiezellenspeicher-Hersteller Tesvolt oder das Wissenschaftlich technische Zentrum (WTZ) in Dessau, dass Umweltschutz und neue Arbeitsplätze zusammen funktionierten. „Wir müssen technologieoffen sein für alle Bereiche. Verbote oder Limits sind nicht zielführend.“

Beim Thema Migration setzt Müller auf die häufig zitierte „Hilfe zur Selbsthilfe“

Und die gestiegenen Spritkosten? Sieht er da Änderungsbedarf? Der CO2-Preis wird weiter steigen - das werde auch noch höhere Spritkosten bedeuten, sagt Müller. Hier wolle die Union die Pendlerpauschale erhöhen, um Verbraucher zu entlasten. Für Senioren könne man eine negative Einkommenssteuer einführen. Die bekämen Steuern erstattet, obwohl sie gar keine bezahlen.

Beim Thema Migration setzt Müller auf die häufig zitierte „Hilfe zur Selbsthilfe“. Im nahen Osten müsse finanzielle Unterstützung geleistet werden, damit sich nicht erneut Menschenströme auf den gefährlichen und leidvollen Weg nach Europa machten. Außerdem müsse die Bundeswehr so weit ertüchtigt werden, dass sie ohne Hilfe der Amerikaner für Friedensmissionen gerüstet sei. Hier brauche es aber auch eine europäische Lösung. Der Abzug aus Afghanistan müsse im neuen Bundestag aufgearbeitet werden.

Bei der Wirtschaftsförderung in der Region will Müller vor allem auf Infrastruktur setzen

Bei der Wirtschaftsförderung in der Region will Müller vor allem auf Infrastruktur setzen: Ortsumfahrungen seien unabdingbar - etwa in Wittenberg und Zahna-Elster, Coswig oder Jessen. Auch S-Bahnen im kürzeren Takt solle es geben. Außerdem wolle er sich weiter für den Internetausbau einsetzen. Die Heidebahn müsse dringend wiederbelebt werden. Das sei nicht nur für Angestellte im südlichen Landkreis wichtig, sondern auch für Betriebe. Müller nennt das Kieswerk Rackith, das seine Waren künftig auch per Schiene transportieren könne. „Das ist Wirtschaftsförderung und gleichzeitig Klimaschutz.“

Zur Person

Sepp Müller ist 32 Jahre alt, Vater eines Sohnes, gelernter Bankkaufmann und diplomierter Bankbetriebswirt aus Gräfenhainichen. Den ersten Posten in der Politik erhielt Müller im Jahr 2007, direkt nachdem er sein Abitur erlangt hatte.

Damals zog er in den Kreistag ein, später in den Gräfenhainichener Stadtrat. Bei der Wahl 2017 erhielt er 35 Prozent der Erststimmen im Wahlkreis 70 und wurde Mitglied im Deutschen Bundestag. Dort sitzt er unter anderem im Finanzausschuss und war Berichterstatter für die Union für die Umsetzung der Änderung zur EU-Geldwäscherichtlinie. Müller selbst ist passionierter Handballspieler, seine jüngere Schwester übt den gleichen Sport aus - beim Erstligisten Buxtehuder SV.