Bundestagswahl 2021

Sepp Müller holt erneut das Direktmandat im Wahlkreis Dessau-Wittenberg

Der CDU-Kandidat zieht wie vor vier Jahren in den Bundestag ein. Bangen bei der AfD, Freude bei den Liberalen und Enttäuschung bei den Linken.

Von Oliver Müller-Lorey und Marcel Duclaud 26.09.2021, 22:20
Der CDU-Kandidat Sepp Müller hat, wie schon vor vier Jahren, das Direktmandat im Wahlkreis 70 klar gewonnen.
Der CDU-Kandidat Sepp Müller hat, wie schon vor vier Jahren, das Direktmandat im Wahlkreis 70 klar gewonnen. (Foto: Thomas Klitzsch)

Dessau-Roßlau/MZ - Sepp Müller hat es wieder geschafft. Erneut zieht der 32-Jährige mit 34 Prozent der Erststimmen für den Wahlkreis 70 (Dessau-Wittenberg) in den Bundestag ein. In der alten Gutsscheune in Radis hatte er mit Parteifreunden dem Ausgang der Wahl entgegengefiebert. Und früh trug er ein Strahlen im Gesicht. „Mir geht es hervorragend.“ Er sprach von einer „super Aufholjagd in den letzten Tagen“ vor der Wahl. Das CDU-Ergebnis im Bund bezeichnete er jedoch als Enttäuschung.

Er selbst hat einen engagierten Wahlkampf geführt. Müller riss in seinem Wahlkreis an 16 Tagen stattliche 488 Kilometer herunter - alles auf dem Fahrrad. 80 Termine, mit über 1.000 Menschen im Dialog. Und nicht nur mit denen aus der „eigenen Blase“. Das sei bewusst sein Ziel gewesen, sagt der 32-Jährige.

Müllers direkter Konkurrent von der AfD bekam am Wahlabend zunächst gar nichts von dem Rennen um das Direktmandat mit

Müllers direkter Konkurrent, der Dessauer Bundestagsabgeordnete Andreas Mrosek (AfD) bekam am Wahlabend zunächst gar nichts von dem Rennen um das Direktmandat mit. Er beobachtete im Gymnasium Philanthropinum - wie er sagte ohne die Ergebnisse im Internet zu verfolgen - die Auszählung der Briefwahl. „Und da haben wir dieses Mal gar nicht so schlecht abgeschnitten“, sagte er rund zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale.

Für das Direktmandat werde es aber wohl nicht reichen, musste er nach einer ersten Sichtung der Zahlen zugeben. Im ländlichen Raum habe Müller den „Unions-Bonus“, dafür sei er in der Stadt Dessau-Roßlau bekannter. Ob Mrosek, der auf Listenplatz vier steht, wie im Jahr 2017 den Einzug in den Bundestag schafft, war am Sonntag noch unklar.

Enttäuscht von seinem Abschneiden zeigte sich der Linken-Kandidat Johannes Hüthel

Einen Achtungserfolg von 6,7 Prozent erzielte der Alexander Oppelt von der FDP. Er war erst vor kurzem in die Politik gegangen. „Dafür, dass ich neu in der Politik bin, ist das ein gutes Ergebnis. Ich habe auf die richtigen Themen gesetzt und Kontakt zu den Wählern gesucht“, sagte der Unternehmer. Dass es für ihn trotz Listenplatz fünf nicht für einen Einzug reicht, störe ihn nicht. Er wolle in der Politik bleiben und jetzt „Anlauf nehmen“ für die nächste Wahl.

Enttäuscht von seinem Abschneiden zeigte sich der Linken-Kandidat Johannes Hüthel, der mit Parteifreunden in der Dessauer „CuBar“ die Ergebnisse mitverfolgte. 7,9 Prozent konnte er letztendlich einfahren. „Ich hatte auf einen dritten Platz gehofft“, sagte der 22-jährige Verwaltungsfachangestellte.

Grünen-Direktkandidatin Steffi Lemke sah ihr Ergebnis, 6,6 Prozent, mit gemischten Gefühlen

Dass sein Alter nicht allein für das schlechte Ergebnis verantwortlich sein konnte, ahnte er, da der noch jüngere SPD-Kandidat Leonard Schneider besser abschnitt.

Der kämpfte den Abend über mit Mrosek um Platz 2, den er um gerade einmal 0,1 Prozent verpasste und erklärte: „Wir sind beruhigt, weil es die Sorge gab, dass die Union auf den letzten Metern vorbei zieht.“ Für sich habe er sich aber mehr gewünscht. „Wir haben für mehr gekämpft und wir haben auch mehr geleistet.“

Grünen-Direktkandidatin Steffi Lemke sah ihr Ergebnis, 6,6 Prozent, mit gemischten Gefühlen. Sie habe „ganz explizit einen Zweitstimmenkampf“ geführt, sagte die Dessauerin. Das leichte Plus von zwei Prozent gegenüber dem Ergebnis von 2017 zeige ihr aber das gewachsene Interesse an Grünen-Politik auch im ländlich geprägten Raum.