Nach Wiedereinweihung

Runderneuerter Hafen Roßlau ist ein Jahr am Netz - Güterbahnhof ist gut ausgelastet

Für viele Millionen Euro ist in Roßlau ein modernes Logistikzentrum an der Elbe entstanden. Vor Ort brummt der Umschlag von der Schiene auf die Straße und wächst. Auf Wasserstraße hingegen ist Ruhe.

Von Silvia Bürkmann Aktualisiert: 04.08.2022, 12:20
Auf dem  Kai reihen sich die zu entladenen Waggons, im Wasser wartet ein einzelnes Arbeitsschiff auf einen Einsatz.
Auf dem Kai reihen sich die zu entladenen Waggons, im Wasser wartet ein einzelnes Arbeitsschiff auf einen Einsatz. Fotos (4): Thomas Ruttke

Rosslau/MZ - Das Einjährige nach dem Umbau und Wiedereröffnung war bereits im Juli. Zeit oder nur einen Gedanken für eine Geburtstagsparty aber verschwendete niemand im Industriehafen Roßlau. Hier wird gearbeitet. „Und wir haben gut zu tun“, sagt Hafendisponent Jens Seyffert kurzum.

Wir, das sind aktuell zehn Leute in der Crew vom Industriehafen Roßlau, einem von sechs Häfen im Verbund der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe (SBO). Während Eisenbahnbetriebsleiter Mario Steinert und Disponent Jens Seyffert im Büro die Arbeiten organisieren und managen, sind auf dem Gelände fünf Hafenarbeiter zugange und drei Lkw-Fahrer. Gearbeitet wird einschichtig acht Stunden am Tag. Die Roßlauer Hafenarbeiter sind zum Teil schon lange dabei und flexibel einsetzbar. So also kann es sein, dass ein und derselbe Kollege am Montag den Kran führt und am Dienstag die Rangierlok.

Im Hafen tummeln sich viele Waggons und ein Schiff dümpelt einsam dahin

Der Umschlag vom Gleis oder Lager auf die Transporter gehört im trimodalen Logistikzentrum Hafen mit seinen drei Verkehrsträgern Wasser, Bahn und Straße zu den am stärksten nachgefragten. Be- und Entladungen von Schiffen stagnieren aktuell. So hat Seyffert, der als Logistiker seit März 2022 zum Team kam und als Disponent die Warenein- und -ausgänge kontrolliert und die Bücher führt, bisher lediglich ein Getreideschiff am Kai ankern sehen sowie die Ent- und Beladung für das Elbeschiff organisiert.

Augenblicklich hat lediglich „Hans Paul“ im Roßlauer Hafenbecken festgemacht. Das ist ein Arbeitsschiff der Wasserbauer. Das Motorschiff bringt Mensch und Material zu Baustellen an Buhnen oder Deckwerken am Fluss. Momentan ruhen die Arbeiten in der Dessau-Roßlauer Umgebung. Doch noch in diesem Jahr ist die Lieferung von 4.000 Tonnen Wasserbausteinen angekündigt. Dann bekommt auch „Hans Paul“ gut zu tun.

Wo jetzt schon täglich kräftig in die Hände gespuckt werden muss, ist eindeutig auf dem „Güterbahnhof Hafen Roßlau“. An drei so genannten Zuführungstagen bringt die Deutsche Bahn am Montag, Mittwoch und Freitag Waggons mit Gütern nach Roßlau, die vom Gleis auf die Straße umzuschlagen sind.

Aktuell wird hauptsächlich Stahl verladen

Das sind im Wochenschnitt jeweils zwischen zehn und 15 Waggons. Darunter waren bis zum Juni noch viele Holzstämme. Inzwischen rückte wieder klar die Stahl-Verladung an die erste Stelle im Arbeitsprogramm. So konnten mit der Erweiterung der Kaianlagen und der versetzten Hafenspundwand unter anderem landseitig zusätzlich 2.000 Quadratmeter neuer, befestigter Lagerflächen gewonnen werden. Und da nun stapeln sich jetzt die Stahlbleche (für Bauvorhaben) oder reihen sich Spulen aneinander mit gewickeltem Eisendraht (für die Schraubenproduktion).

 Jörg Prinke steuert den neuen Hafenkran bei der  Verladung von Stabstahl.
Jörg Prinke steuert den neuen Hafenkran bei der Verladung von Stabstahl.
Thomas Ruttke

Viel Raum belegen derzeit die zu Einzelpaketen portionierten Stahlstäbe. Sie sind das Rohmaterial für die Herstellung von Bewehrungen für Betonbauteile. Erst die Bewehrung, auch Armierung und Moniereisen genannt, macht den Beton tragfähig und belastbar. Macht ihn zum Stahlbeton.

 Lokführer Matthias Titsch bedient die Rangierlok, eine  robuste V60.
Lokführer Matthias Titsch bedient die Rangierlok, eine robuste V60.
Thomas Ruttke

Die im Hafen Roßlau umgeschlagenen Stahlstäbe haben einen Durchmesser zwischen 20 und 26 Millimeter und sind entweder sechs, 16 oder gar 18 Meter lang. Und werden mit Tieflandern auf „die letzte Meile“ zum hiesigen Stahlunternehmen geschickt.

Ladungen werden entweder auf Gleiswaage oder Straßenwaage gemessen und dokumentiert

Neben der neuen Gleiswaage am Kai hat der Hafen auch seine traditionelle Straßenwaage behalten. Das Hafengebäude selbst ist der schlichte, langgestreckte Steinbau an der Zufahrt geblieben. Der von Autos besetzte Parkplatz signalisiert: „Hafenmeister“ an Bord. Das Fenster zum Büro steht offen,

Vom Waggon an  der Traverse auf  die Lkw-Ladefläche: Die Pakete mit 2,5 Tonnen Last und   16 Meter langen Stahlstäben werden  verladen für den Transport.
Vom Waggon an der Traverse auf die Lkw-Ladefläche: Die Pakete mit 2,5 Tonnen Last und 16 Meter langen Stahlstäben werden verladen für den Transport.
Thomas Ruttke

Auf die Straßenwaage hat Michael Mushak aus Wusterwitz gerade sein Gespann samt Hänger gelenkt. Seine Fracht: Altholz von einer Baustelle in Reuden, einem Ortsteil von Zerbst. 30,3 Tonnen wog das Gespann samt Fahrer bei Ankunft und 21,5 Tonnen bei Abfahrt. Das waren also 8,8 Tonnen Ladung. Der Disponent reicht den Wiegeschein durchs Fenster. „Den Zettel braucht der Lieferant für die Abrechnung... und der Fahrer womöglich bei einer Polizeikontrolle“, verabschiedet Jens Seyffert die Hafenkundschaft: „Machs jut, Micha. Gute Fahrt!“