Viele Jahre Erfahrung

Retter nach der Insolvenz: DRK Dessau gratuliert Hans-Peter Hündorf zum 40. Dienstjubiläum

Seit vier Jahrzehnten ist Hans-Peter Hündorf beim Deutschen Roten Kreuz. Er kann nicht nur Menschenleben, sondern auch Kreisverbände retten.

Von Annette Gens
Hans-Peter Hündorf (l.)  bekommt zum Dienstjubiläum viele Glückwünsche. Stefan Exner, Vorstand beim   DRK-Kreisverband, ist einer der Gratulanten.
Hans-Peter Hündorf (l.) bekommt zum Dienstjubiläum viele Glückwünsche. Stefan Exner, Vorstand beim DRK-Kreisverband, ist einer der Gratulanten. (Foto: Annette Gens)

Dessau/MZ - Die Marzipantorte, die auf dem Tisch steht, trägt eine „40“. Dazu serviert werden Schnittchen, Kaffee, Sekt und Saft. Die Runde, die kürzlich beim Dessauer Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes in der Amalienstraße zusammengekommen ist, will gratulieren. Es sind Arbeitskollegen, Mitstreiter, Geschäftspartner und Weggefährten von Hans-Peter Hündorf.

Die meisten der Gäste haben etwas mit der Rettung von Menschenleben oder mindestens mit der Rettung von einer Organisation zu tun. Hündorf hat in Dessau den Beweis angetreten, beides zu können.

Hans-Peter Hündorf, in Jena zu Hause und seit rund drei Jahren Chef des hiesigen DRK-Rettungsdienstes, ist seit 40 Jahren beim Deutschen Roten Kreuz.

Rund dreieinhalb Jahre haben Geschäftsführer, Mitarbeiter und Insolvenzverwalter gekämpft

Dass der schlanke, hochgewachsene 61-Jährige nach Dessau kam, ist nicht nur dem Zufall zu verdanken. Damals suchte der Thüringer eine Arbeit in der Nähe seines Wohnorts, weil er näher bei seiner Familie sein wollte. Und der Insolvenzverwalter des maroden Dessauer DRK-Verbandes suchte einen Fachmann, um den 2016 in Insolvenz geratenen Kreisverband mit Sachverstand aus tiefroten Zahlen und wirtschaftlicher Schieflage zu holen.

„Das war harte Arbeit“, sagt Hündorf rückblickend. Rund dreieinhalb Jahre haben Geschäftsführer, Mitarbeiter und Insolvenzverwalter gekämpft, den Verband wieder auf wirtschaftlich solide Füße zu stellen. Das alles ging nicht ohne Einschnitte ab, schildert er. Hündorf erinnert in diesem Zusammenhang an die Schließung der Pflegestation in der Amalienstraße, „weil sie wirtschaftlich nicht mehr darstellbar war“.

Die Sanitäter aus 800 Betrieben der Region werden hier fortgebildet

Neue, andere Projekte wurden in Angriff genommen. So baut der Kreisverband eine landesweite Hausnotrufzentrale schrittweise auf. 2019 wurde eine Akademie für Fort- und Weiterbildung gegründet. Die Sanitäter aus 800 Betrieben der Region werden hier fortgebildet. Darüber hinaus gibt es dort spezielle Angebote zum Beispiel für Motorradfahrer, junge Eltern oder Arztpraxen.

Sieben Mitarbeiter fanden in einer jüngst gegründeten Fahrdienst GmbH eine Anstellung. Der Fahrdienst soll schrittweise erweitert werden. „Wir wollen besser sein, als die anderen“, sagt Hündorf kämpferisch.

Als Leiter des Rettungsdienstes führt Hündorf eine tragende Säule des Dessauer DRK-Kreisverbandes an. 50 hauptamtliche Mitarbeiter sorgen unter seiner Leitung dafür, dass Menschen aus der Doppelstadt im Notfall schnelle medizinische Hilfe erhalten. 10.000 Mal im Jahr, tagtäglich rund um die Uhr rückt das DRK dafür aus. Die Hilfsfristen seien gut und trotzdem verbesserungswürdig, umschreibt Hündorf den Ist-Zustand. Zwar belegt seinen Worten zufolge der Rettungsdienst bei der Einhaltung der Hilfsfristen den dritten Platz im Land. Doch er sieht Reserven: Der Rettungsdienst werde häufiger zu Bagatellerkrankungen gerufen. Diese Zeit fehle bei tatsächlichen Notfällen.

Wer die Vita des 61-Jährigen liest, der ahnt, der Mann kennt das Deutsche Rote Kreuz aus dem Effeff

Wer die Vita des 61-Jährigen liest, der ahnt, der Mann kennt das Deutsche Rote Kreuz aus dem Effeff. Er war in seinem 40-jährigen Berufsleben schon alles, hat sich permanent hochgearbeitet vom Krankenpfleger bis zum Chef. Er arbeitete in den 1980er Jahren als Fachkrankenpfleger für Anästhesie und Notfalltherapie in einem Jenaer Krankenhaus, half als solcher bei Rettungseinsätzen. So war er damals zum DRK gekommen. Später qualifizierte er sich zum Rettungsassistenten, Rettungsdienstmanager, Praxisanleiter, fliegenden Rettungssanitäter.

Hündorf leitete noch viel später nach der politischen Wende mehrere Rettungsdienstschulen in verschiedenen Bundesländern. Bis 2017 war er Leiter des Bildungsinstituts beim DRK-Landesverband Rheinland-Pfalz. Er ist darüber hinaus Autor vieler Fachbücher.

Er hat nie aufgehört zu lernen - und seine Erfahrungen weitergegeben. Und er hat noch eini-ges vor beim Kreisverband in Dessau.