Reaktion auf Corona-Pandemie

Reaktion auf Corona-Pandemie: Oury-Jalloh-Demo durch Dessau fällt deutlich kleiner aus

Dessau-Roßlau - Wegen der Corona-Pandemie gehen am Donnerstag weniger Demonstranten gegen Polizeigewalt auf die Straße. Verzichten wollen sie darauf aber nicht.

Von Oliver Müller-Lorey
So sah es im Vorjahr am 7. Januar aus: 650 Demonstranten zogen durch Dessau. In diesem Jahr wird die Kundgebung deutlich kleiner und unter den Eindämmungsregeln gegen das Coronavirus stattfinden.

Die jährliche Demonstration im Zusammenhang mit dem nicht vollständig aufgeklärten Tod des Afrikaners Oury Jalloh im Dessauer Polizeirevier wird in diesem Jahr deutlich kleiner ausfallen als in der Vergangenheit.

Während im vergangenen Jahr mehr als 650 Teilnehmer durch die Stadt zogen und Station an verschiedenen Gebäuden wie der Staatsanwaltschaft und dem Landgericht machten, wird sich der Weg der Kundgebung jetzt am Donnerstag auf wenige Hundert Meter und noch weniger Teilnehmer beschränken.

„Für die Kundgebung haben wir 150 Teilnehmer angemeldet. Um 14 Uhr werden wir vom Dessauer Hauptbahnhof auf direktem Weg zum Polizeirevier ziehen“, sagte Nadine Saeed, eine der Sprecherinnen der Initiative „Break the Silence“, die sich für die Aufklärung der Todesumstände von Oury Jalloh einsetzt. Man achte dabei auf genügend Abstand zwischen den Teilnehmern, die einen Mund-Nasen-Schutz tragen werden, so Saeed.

In den vergangenen Jahren waren stets Besucher aus dem ganzen Bundesgebiet nach Dessau gefahren

Vor dem Polizeirevier wird die Anwältin der Initiative, Beate Böhler, einen Vortrag zur aktuellen juristischen Situation des Themenkomplexes halten. In den vergangenen Jahren waren stets Besucher aus dem ganzen Bundesgebiet nach Dessau gefahren. Jetzt wirbt die Initiative dafür, vor Ort kleinere Kundgebungen abzuhalten.

Der Asylbewerber aus Sierra-Leone war am 7. Januar 2005 in einer Gewahrsamszelle des Dessauer Polizeireviers in der Wolfgangstraße ums Leben gekommen. Sein Körper war verbrannt. Ob er sich selbst mit Hilfe eines Feuerzeugs angezündet hat, wie es die Polizei behauptete, oder ermordet wurde, ist umstritten. Es folgten mehrere Gerichtsprozesse und Brandgutachten. Seitdem wird jährlich am Tag seines Todes in Dessau demonstriert.

Wegen der Corona-Pandemie und der Schutzmaßnahmen gegen das Virus sei das Gesundheitsamt in die Vorbereitung der Demo involviert gewesen, sagte Stadtsprecher Carsten Sauer. Welche Auflagen den Organisatoren gemacht wurden, etwa, ob die Teilnehmer Masken tragen müssen, blieb unklar. Die Stadt, die Versammlungsbehörde ist, sorge am Donnerstag vor Ort für die „Einhaltung der gültigen Bestimmungen.“

Polizeiinspektion Dessau stellt sich auf einen großen Einsatz ein

Die Polizeiinspektion Dessau, die den Einsatz leitet, stellt sich trotz der geringeren Teilnehmerzahl auf einen großen Einsatz ein. „Die Polizeiinspektion wird durch Einsatzkräfte der Landesbereitschaftspolizei unterstützt. Es befinden sich insgesamt über Einhundert Kräfte im Einsatz“, sagte Behördensprecherin Doreen Wendland der MZ. Nähere Einzelheiten gab sie „aus taktischen Gründen“ nicht bekannt. Der Einsatz werde seit Ende vergangenen Jahres geplant, der Polizeiführer habe ein Einsatzkonzept vorbereitet.

Der Haupteingang des Reviers wird zwischen 13 und 17 Uhr geschlossen sein. Besucher können die Behörde nur über einen Seiteneingang erreichen. Im vergangenen Jahr war das Portal des Landgerichts großflächig mit Aufklebern beklebt, auf das Polizeirevier das Wort „Mörder“ projiziert worden. Ob die Polizei nun mit Angriffen auf das Revier rechnet, sagte sie nicht. Das Zuschließen des Eingang solle „dem zugesicherten Versammlungsraum und der Versammlung selbst zweckdienlich sein“. Zu Verkehrsbehinderungen kann es auch im Bereich Hauptbahnhof/ Bitterfelder Straße kommen. (mz)