Pilgerfahrt nach Rom

Pilger aus Anhalt: Protestanten und Katholiken gemeinsam beim Papst

Rom/Dessau - Über 1.000 Christen aus Mitteldeutschland, darunter 120 Pilger aus Anhalt, sind am Wochenende von einer ökumenischen Pilgerfahrt aus Rom zurückgekehrt.

19.10.2016, 07:21

Über 1.000 Christen aus Mitteldeutschland, darunter 120 Pilger aus Anhalt, sind am Wochenende von einer ökumenischen Pilgerfahrt aus Rom zurückgekehrt.

Unter dem Motto „Mit Luther zum Papst“ hatten die überwiegend jugendlichen Teilnehmer sich vom 9. bis 15. Oktober gemeinsam auf Spurensuche in der „ewigen Stadt“ begeben.

Dabei diskutierten sie über die Verantwortung von Christen für die Welt und entwickelten – in Anlehnung an Luther – „95 Thesen zur Ökumene“. Ein Höhepunkt war die Begegnung mit Papst Franziskus, der die 95 Thesen in Empfang nahm.

Von Bistum und evangelischer Kirche gemeinsam organisiert

Vorbereitet wurde die Fahrt gemeinsam vom Bistum Magdeburg, der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland und der Evangelischen Landeskirche Anhalts.

Aus Anhalt federführend dabei waren Landesjugendpfarrer Matthias Kopischke und Silvia Schmidt, Geschäftsführerin des Kinder- und Jugendpfarramtes. Unterstützung gaben zahlreiche jugendliche Helfer.

„Unsere große Gruppe ist jeden Tag ein Stück zusammengewachsen“. sagte Kopischke. Die unterschiedlichen Konfessionen seien nach und nach in den Hintergrund getreten.

„Dafür bekamen Dinge, die uns verbinden, immer mehr Gewicht. Die Stimmung in Rom war einzigartig schön.“ Ihn habe unter anderem beeindruckt, in welcher Offenheit Papst Franziskus die Gruppe aus Mitteldeutschland empfangen habe.

Wer ist besser? Wir alle zusammen!

Seine Abschlussfrage sei gewesen: Wer ist besser, die Evangelischen oder die Katholischen? „Seine Antwort auf Deutsch: ,Wir alle zusammen!’ wird sicher in vielen nachklingen.“

„Bei 1.000 Pilgern ist vieles im Vorfeld zu bedenken, zu planen und vorzubereiten“, betonte Schmidt. Doch das sei in gemeinsamer Anstrengung gut gelungen.

„Es gab wunderbare Begegnungen, mit Pilgern aus unserer großen Gruppe, aber auch mit Menschen aus Rom – etwa aus der deutschen katholischen Gemeinde Santa Maria dell’ Anima, wo wir eine Pilgerstation aufgebaut hatten.

Vor allem unsere ökumenische Besetzung hat viel Aufsehen erregt. Es gab viele Fragen zum Projekt und große Anerkennung, nicht zuletzt von anderen Pilgern aus Deutschland.“

Überwiegend junge Leute

Der anhaltische Kirchenpräsident Joachim Liebig, der die Gruppe begleitete, sagte: „Dass sich so viele überwiegend junge Leute, darunter auch Konfessionslose, auf den Weg nach Rom machen, ist wunderbar und wäre vor nicht allzu langer Zeit kaum vorstellbar gewesen.

Diese Fahrt ist aller Mühe wert gewesen. Im Gespräch miteinander haben alle Teilnehmenden festgestellt, wie viel sie verbindet.“ Unter dem Dach des gemeinsamen Glaubens lasse sich das Trennende zwischen den Konfessionen ertragen.

„Das gemeinsame Abendmahl steht aus, aber wir Evangelischen müssen vielleicht auch noch deutlicher machen, welche Bedeutung das Abendmahl für uns hat.“

Eine eindrucksvolle Begegnung

Die Begegnung mit Papst Franziskus, so Liebig, sei eindrucksvoll gewesen. In Rom sei deutlich geworden, wie vielfältig die christliche Kirche weltweit sei.

„Viele Pilger aus Mitteldeutschland sind es gewohnt, als Christen in der Minderheit zu sein. In Rom konnten wir erfahren, wie viele Christen es tatsächlich gibt.“

Neben der Papstaudienz gab es noch einen Auftaktgottesdienst in der Kirche Santa Sabina mit der deutschen Botschafterin beim Heiligen Stuhl, Annette Schavan. Schavan hatte auch die Schirmherrschaft für das Projekt inne. (mz)