Top-Thema

65. Todestag von Paul Greifzu

Paul Greifzu: Tochter erinnert sich am 65. Todestag an tragischen Unfall des Rennfahrers

Dessau - „Es ist uns immer wieder eine Freude, nach Dessau zu kommen. Wo das Andenken an unseren Großvater und Vater so hoch in Ehren gehalten wird.“ So dankte Maud Henke auch namens ihrer Mutter Inge Eckardt-Greifzu und ihrer Schwester Mirjam Bartl als direkten Nachfahren von Paul Greifzu für die Einladung zur ...

Von Silvia Bürkmann 11.05.2017, 10:00

„Es ist uns immer wieder eine Freude, nach Dessau zu kommen. Wo das Andenken an unseren Großvater und Vater so hoch in Ehren gehalten wird.“ So dankte Maud Henke auch namens ihrer Mutter Inge Eckardt-Greifzu und ihrer Schwester Mirjam Bartl als direkten Nachfahren von Paul Greifzu für die Einladung zur Gedenkveranstaltung.

Am Mittwoch jährte sich zum 65. Mal der Todestag der Rennsport-Legende Paul Greifzu auf der damaligen Autobahn-Rennstrecke.

Gedenkstein erinnert an den verunfallten Rennfahrer

Der Oldtimerstammtisch hat für die angemessene Gedenkkulisse gesorgt: Die Karossen blank, das Chrom der Scheinwerfer ohne Stäubchen - am Außenring von BlockA im Dessauer Stadion, das seit Oktober 1952 den Namen Paul Greifzus trägt - sind alte und ganz alte Wagen in Reihe aufgestellt.

Vor dem 2012 auf Initiative von Kfz-Innung und Oldtimerstammtisch an den Stadionwall umgesetzten Gedenkstein gedachten Dessau-Roßlauer Bürger und Motorsportfreunde um Innungschef Klaus-Lothar Bebber des berühmten Motorrennsportlers der frühen Nachkriegszeit.

„Leider hat kein Vertreter von Stadtverwaltung oder Stadtsportbund Zeit für diese Ehrung gefunden“, ärgerte sich Bebber.

Gedenkstelle am Unfallort erinnert an Paul Greifzu

Verlassen hingegen konnte sich der Innungschef neben dem Oldtimerstammtisch auch auf die Sponsoren verschiedener Unternehmen und Organisationen.

Nachdem also vor fünf Jahren der Gedenkstein vom Unfallort neben der Autobahn ins Paul-Greifzu-Stadion geholt wurde, konnte nun in Nähe der historischen Stelle eine neue Stele errichtet werden.

500 Meter hinter der Auffahrt Dessau-Süd auf der A9

Zu den Förderern gehörten die Stahlbauer von Thyrolf und Uhle, Steinmetzbetrieb Thieme, das Versorgungswerk der Kreishandwerkerschaft und die Autobahnmeisterei Dessau.

Sie nimmt das kleine Grundstück neben der A9, etwa 500 Meter hinter Auffahrt Dessau-Süd in Fahrtrichtung München in Pflege.

Tragischer Unfall im Jahr 1952

Hier ereignete sich der tragische Unglücksfall am frühen Abend eines Trainingstages. „Es war ein Sonnabend“, erinnert sich Tochter Inge, die 1952 gerade zwölf Jahre alt war.

Das 3. Dessauer Wagen- und Motorradrennen stand für Sonntag im Rennkalender. „Als meine Mutter Dora dann von Suhl nach Dessau kam, ist ihr erst einmal jeder aus dem Weg gegangen.

Der Dessauer Rennfahrer Artur Rosenhammer hat sich dann ein Herz gefasst und ihr die Wahrheit gesagt“, berichtet die Tochter von dem Unfassbaren. Kein Fahrfehler, keine Kollision führte zum Unglück.

Wahrscheinnlich ein Materialfehler führt zum Unglück

Wahrscheinlich ließ ein Materialfehler den Motor des BMW-„Silberpfeils“ platzen und eine riesige Rauchwolke aufsteigen. „Das Auto wurde gegen Aufbauten am Fahrbahnrand geschleudert“, erinnert sich Inge Eckhardt-Greifzu an das in der Familie Erzählte.

Mit Winfried Mohs begegnete ihr am Mittwoch im Paul-Greifzu-Stadion sogar noch ein Augenzeuge. Auch der war damals noch ein Schulkind (11) und hatte sich vom Sonnabend-Unterricht in Mildensee ein paar Stunden „ausgeklinkt“, um die Rennfahrer zu sehen.

Zeitzeuge berichtet vom tragischen Unfall

„Vom Unfall habe ich noch den lauten Knall und die große Rauchwolke in Erinnerung. Und zehn Sekunden später knirschte es entsetzlich, als das Holz zerbrach und zersplitterte.“

Keine Tribüne sei für Zuschauer aufgestellt worden, sondern lediglich „ein paar Holzbänke hintereinander“. Sie rissen den Ehemann und Familienvater, den hochgeehrten Sportler und DDR-Meister jäh aus dem Leben. Er war gerade 50 geworden und wollte als Ehren-Rennfahrer nach der laufenden Saison mit dem aktiven Sport aufhören.

Der Rennwagen steht heute noch im Museum in Suhl

Nunmehr startete das Rennen am 11. Mai 1952 statt mit heulenden Motoren im bedächtigen Ehrenstart vorbei am verbeulten „Silberpfeil“. Der ist heute im Automuseum Suhl zu sehen.

In seiner thüringischen Heimatstadt wurde Paul Greifzu vier Tage nach dem Unfall beigesetzt. In Suhl erinnern die Namen einer Straße und eines Gymnasiums an den berühmten Sohn der Stadt. (mz)