Neue Bestimmung gefunden

Neue Bestimmung gefunden: Dessauer Spielmobil wird nach 22 Jahren außer Dienst genommen

Dessau - Nach 22 Jahren im Dienst des Urbanistischen Bildungswerks findet der alte MAN-Bus seinen „Alterssitz“ bei den Nahverkehrsfreunden - nebst Verjüngungskur.

Von Sylke Kaufhold

22 Jahre rollte dieser grün-bunte Bus des Spielmobils durch die Stadt und bot den Kindern ein nachmittägliches Freizeitangebot.

Beim Kilometerstand von 762.699 trennte sich das Urbanistische Bildungswerk von dem in die Jahre gekommenen Bus und verkaufte ihn an die Dessauer Nahverkehrsfreunde. Die werden den Bus, der 1980 in Ludwigshafen zugelassen wurde, aber nicht etwa aufs Altenteil stellen. „Wir arbeiten ihn auf und wollen ein mobiles Verkehrsmuseum zum Thema Nahverkehr daraus machen“, berichten die Vorsitzenden Dirk Edelmann und Niklas Grigo.

Das Urbanistische Bildungswerk als Träger des sozialpädagogischen Angebotes des Spielmobils trennte sich schweren Herzens von dem Bus. Vor allem Diana Wehnle schluckte schwer und sagt, „der 29. Oktober war ein schwarzer Tag für mich.“

Diana Wehnle war vom ersten Tag an das Gesicht des Spielmobils

Es war der Tag, an dem Verkauf an die Nahverkehrsfreunde erfolgte. Diana Wehnle war das Gesicht des Spielmobils. Vom ersten Tag an, das war im Februar 1993, war sie die sozialpädagogische Fachkraft für das Spielmobil. Das war zunächst ein Ikarus-Bus, im November 1998 kaufte das Urbanistische Bildungswerk den MAN Bus von der Dessauer Verkehrsgesellschaft. Seine letzte Fahrt als Spielmobil hatte er am 13. Juni 2019 zum Rondel.

Den Spielmobilgedanken will das Urbanistische Bildungswerk trotz des Busverkaufes aber nicht aufgeben, betont Geschäftsführerin Bettina Weinert. „Wir werden auf ein kleineres Fahrzeug umsteigen und hoffen, dann einfacher Personal zu finden.“ Dies war der Knackpunkt, der das Spielmobil an sich ausbremste.

Seit anderthalb Jahren sucht der Träger geeignetes Fachpersonal, das aber zudem auch noch den Lkw-Führerschein haben müsste oder ihn machen. Eine ziemlich hohe Hürde angesichts des allgemein verbreitete Fachkräftemangels im sozialpädagogischen Bereich. „Wir geben aber die Hoffnung nicht auf und suchen weiter“, sagt Weinert.

Die Nahverkehrsfreunde sind glücklich über ihre neue Errungenschaft

Der Bus habe mit seinen 40 Jahren natürlich seine Wehwehchen gehabt, erklärt Mitarbeiter Frank Spengler. Die Außenhaut war das Sorgenkind. Sie rostete und hätte erneuert werden müssen. Kosten: etwa 10.000 Euro. „Das ist für uns als kleiner Verein kaum zu stemmen und dann noch das ungelöste Personalproblem“.

Die Nahverkehrsfreunde sind glücklich über ihre neue Errungenschaft. Sie seien nicht die einzigen Kaufinteressenten gewesen, macht Frank Spengler aufmerksam. „Aber wir haben uns gegen einen Bieterwettbewerb entschieden, der Bus sollte in Dessau bleiben, wo er die meiste Zeit gefahren ist.“

„Technisch ist er auf einem guten Stand, nach ein paar Handgriffen läuft er jetzt wieder wie Butter“

Der Ludwigshafener kam 1993 nach Dessau, wurde hier aufgearbeitet und fuhr bis 1996 im Linienverkehr der DVG. Nach einem Motorbrand sei er zum Infomobil umfunktioniert worden, hat Niklas Grigo recherchiert. 1998 begann seine Laufbahn als Spielmobil.

In der Halle des Vereins wurde er natürlich schon genau unter die Lupe genommen. Erste Arbeiten erfolgten. „Technisch ist er auf einem guten Stand, nach ein paar Handgriffen läuft er jetzt wieder wie Butter“, schwärmt Niklas Grigo. Jetzt würden die Einbauten entfernt. „Und dann geht es an die Außenhaut, das wird sehr aufwendig.“ Den Bus zum Museum umzubauen werde ihre Winterarbeit, so Dirk Engelmann. „Im Laufe des nächsten Jahres wollen wir fertig sein.“ (mz)