Meisterhaus-Ensemble

Meisterhaus-Ensemble in Dessau-Roßlau: Trinkhalle verwandelt sich wieder in Kiosk

Dessau - Pinke Leuchtschrift zeigt schon über den Kreisverkehr hinweg: Es ist wieder Betrieb in der Trinkhalle in der Mauer um das Meisterhaus-Ensemble. Und diesmal ist es nicht „nur“ Kunst. Seit Mittwochnachmittag ist die Trinkhalle nach über 50 Jahren tatsächlich wieder ein echter Kiosk mit Kaffee, Limonade, Süßigkeiten, frischem Orangen-Saft - und bald vielleicht noch vielem mehr. „Wir sind total offen, was auf uns zukommt“, sagt Jörg ...

Von Ute König 15.06.2016, 17:15

Pinke Leuchtschrift zeigt schon über den Kreisverkehr hinweg: Es ist wieder Betrieb in der Trinkhalle in der Mauer um das Meisterhaus-Ensemble. Und diesmal ist es nicht „nur“ Kunst. Seit Mittwochnachmittag ist die Trinkhalle nach über 50 Jahren tatsächlich wieder ein echter Kiosk mit Kaffee, Limonade, Süßigkeiten, frischem Orangen-Saft - und bald vielleicht noch vielem mehr. „Wir sind total offen, was auf uns zukommt“, sagt Jörg Klambt.

Kunstaktion hat Nachfrage gezeigt

Im vergangenen Jahr gab es in Mies van der Rohes Trinkhalle schon einmal Bonbons. Ein Eismann-Schirm, ein weißer Gartenstuhl und eine Zigarre im Aschenbecher lockte die Dessauer an, letztendlich war das ganze aber nur eine Kunstinstallation. Die Passanten waren etwas enttäuscht. „Das hat uns über einen kurzen Zeitraum gezeigt, welches Potenzial hier drin steckt“, sagt Jörg Klambt, der nun nicht nur Chef des Design-Shops im Bauhaus-Gebäude ist, sondern auch die Trinkhalle betreibt. Die Idee zur Wiedereröffnung der Trinkhalle reifte bei Klambt und der Stiftung Bauhaus schon kurz danach. „Und jetzt haben wir’s angepackt“, sagt Klambt.

Kein einfacher Umbau

Ganz einfach war das nicht. Strom- und Wasser-Anschluss beispielsweise gab es zwar. Aber nicht für eine gastronomische Nutzung. Also wurde erst einmal gebaut. „Die Trinkhalle war bisher ja eigentlich ein purer Betonbau, eine Bauskulptur ohne eindeutige Funktion“, erklärt Klambt. Denn genau wie das neue Meisterhaus Gropius ist auch die Trinkhalle eine Neuinterpretation des ursprünglichen Baus von Mies van der Rohe aus dem Jahr 1932.

Das Original überstand zwar weitgehend unbeschadet den zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1962 ist die Trinkhalle aus unbekannten Gründen aber abgerissen und durch einen Zaun ersetzt worden. Mit der Reparatur der Meisterhaussiedlung kam 2014 dann auch die Trinkhalle in neuer Form zurück an die Kreuzung.

Espresso in Gropuis' Garten

Nun soll sie erst einmal bis Oktober geöffnet bleiben, freitags bis sonntags von jeweils 12 bis 18 Uhr. „Wenn sie angenommen wird, dann wollen wir das weiter ausbauen“, sagt Klambt. Genauso wie das gastronomische Angebot.

Zwar wird keine Milch mehr verkauft, ganz im Sinne des Kiosks von damals gibt es in der neuen Trinkhalle aber Lakritzschnecken, weiße Mäuse, Weingummis und andere Süßigkeiten im Tütchen zu kaufen. Herzstück ist die neue Kaffeemaschine, die „echt guten italienischen Espresso“ macht - „to go“ oder auch in richtigen Tassen, mit denen sich die Gäste dann gemütlich in Gropius’ Garten setzen können. Selbstverständlich wurden extra Stühle angeschafft.

Erinnerungen werden wach

Das Angebot an Erfrischungsgetränken orientiert sich noch an dem einer hippen Szenekneipe. „Wir wollen aber noch mehr mit regionalen Partnern zusammenarbeiten“, so Klambt. Das gilt auch für das Essen. Gerade ist man beispielsweise noch auf der Suche nach einem guten Bäcker mit leckerem Brot.

Auch Brause könnte es bald wieder geben. Viele Dessauer hätten in den vergangenen Tagen neugierig den Bauarbeiten in der Trinkhalle zugeschaut. So mancher hat dabei von seinen Erinnerungen an den alten Kiosk erzählt. Nachbarn berichteten gerne mal von der grünen und roten Brause von damals. „Es wäre doch toll, wenn die Leute hier bald wieder eine schöne Himbeer- oder Waldmeisterbrause trinken könnten.“ (mz)