Abschied

Letzter Arbeitstag von Oberbürgermeister Kuras - Flaschengeist bleibt im Dessauer Rathaus

Von Annette Gens 10.07.2021, 08:30
Der neue und der alte Oberbürgermeister an der Eingangstür vom Dessauer Rathaus: Peter Kuras geht, Robert Reck kommt.
Der neue und der alte Oberbürgermeister an der Eingangstür vom Dessauer Rathaus: Peter Kuras geht, Robert Reck kommt. (Foto: Annette Gens)

Dessau-Rosslau/MZ - Es war eine stille Reserve für schwierige Stunden - die Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister in den sieben Jahren seiner Amtszeit nie benötigt hat. Einst bekam er einen „Spirit of Science“ von der Hochschule Anhalt mit den launigen Worten überreicht, dass, wenn es mal gar nicht gehe, er ein Schlückchen vom 42-prozentigen Kirschgeist nehmen möge. Der Hochprozentige, gebrannt von Bernburger Wissenschaftlern, blieb über die Jahre verschlossen. Die Flasche samt Inhalt diente am Freitag als Staffelstab. Kuras zu seinem Nachfolger Robert Reck: „Wenn mal gar nichts mehr geht... .“ Doch eigentlich ist der scheidende Oberbürgermeister zuversichtlich, dass Dessau-Roßlaus künftiger Oberbürgermeister den Flaschengeist nicht beschwören muss.

Peter Kuras reicht den Oberbürgermeister-Staffelstab symbolisch an Robert Reck weiter

Peter Kuras hatte am Freitag seinen letzten offiziellen Arbeitstag. Sein Schreibtisch im Rathaus sieht ziemlich aufgeräumt aus. Auf dem Konferenztisch sind noch ein paar Akten zu finden, die der OB quasi in letzter Minute mal schnell unterzeichnen muss. Alles in allem wird der letzte Tag vom Protokoll bestimmt. Am Morgen gibt es für Reck den Staffelstab, danach trifft er sich ein letztes Mal mit seinem Dezernat I.

Und auch, wenn es in wenigen Tagen noch eine Abschiedsfeier im Technikmuseum „Hugo Junkers“ für Begleiter und Weggefährten gibt, zieht der FDP-Politiker schon mal eine kurze Bilanz:

Gründe, den Kirschbrand zu öffnen, gab es einige. „Man hat immer Licht und Schatten. Manche Entscheidung trifft man einsam“, meinte Kuras. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit habe er die Handballkrise bewältigen müssen. Den Staatsanwalt im Rücken, die Fans vor der Brust.

Besonders weh getan habe ihm das ZDF-Ranking, wo die Stadt den 402. Platz von 402 Plätzen belegt hatte. Doch es gab auch Licht: Die einstimmige Stadtratsentscheidung für den Neubau der Synagoge gehöre definitiv dazu. Und auch die Entscheidung, das Bauhausmuseum im Stadtpark zu bauen mit der kompletten Infrastruktur und den Roßlauer Hafen anzupacken. „Es war von vorn herein klar, es wird eine schwierige Sache“, sagte er zum Abschied. Dass es in der Stadt seit 2014 eine „flächendeckende Mitbestimmung örtlicher Gremien gibt“, für diese Entscheidung wurde er von anderen Amtskollegen bestaunt. „Wir haben in der Stadt basisdemokratische Elemente, auch wenn ich nicht mit jeder Entscheidung einverstanden war.“

Kuras sieht viel Arbeit auf seinen Nachfolger zukommen

Viel Unerledigtes bleibe nicht. Aber trotzdem sieht Kuras viel Arbeit auf seinen Nachfolger zukommen. Zum Beispiel gebe es positive Nachrichten in Sachen Ortsumgehung Roßlau, die Kuras erst konkreter in der kommenden Woche öffentlich machen will. Er sagte: „So weit waren wir noch nie“, aber es werde trotzdem noch viel Arbeit in dieser Frage bevorstehen. Der letzte Arbeitstag war der Freitag nur offiziell, wie der OB andeutete. Noch ist sein Schreibtisch nicht ganz leer.