Lebensprojekt für Dessauer Paar

Lebensprojekt für Dessauer Paar: Einzug in Villa Kämmerer für Dezember geplant

Dessau - Dessauer Paar saniert Villa Kämmerer am Tivoli. Für Dezember ist der Einzug geplant. Kampf um Haus dauerte lange - entstanden ist aber auch eine tiefe Bindung.

Von Lisa Garn

Ganz unbefangen kann sie Türen, Fenster oder Treppen manchmal gar nicht mehr betrachten. „An anderen Häusern guckt man inzwischen nur noch, wie die das gemacht haben, ob eine Anregung dabei ist“, sagt Joana Zinke.

Mit ihrem Mann Matthias Zinke hat sie vor etwa fünf Jahren ihr Lebensprojekt gefunden: Die Sanierung der Villa Kämmerer am Tivoli. 1874 vom Seifenfabrikanten Carl Gustav Kämmerer erbaut, hatte die Schönheit aus Backsteinen in den vergangenen Jahrzehnten schwer gelitten.

2015 kauften Zinkes das Grundstück - und konnten in dieser Woche ihr Richtfest feiern. Es soll ein Haus für die Familie werden. Noch vor Weihnachten will das Paar einziehen, 2019 dann dessen Eltern. Über 500 Quadratmeter Wohnraum werden umgebaut, dazu kommt ein riesiger Garten.

„Wenn das Dach erstmal fertig ist, geht es schnell“

„Wir haben so lange um dieses Haus gekämpft, jetzt kommt einer der wichtigen Schritte. Wenn das Dach erstmal fertig ist, geht es schnell“, sagt Joana Zinke. 2013 war es, dass sie zum ersten Mal mit dem Fahrrad am Tor anhielten und beschlossen: „Da ziehen wir ein.“ Lange hat es gedauert, bis der Kaufvertrag zustande kam. 2017 begannen die Arbeiten. Inzwischen ist das Haus komplett entkernt, alle Balken mussten wegen Schimmelbefalls raus, neue Decken wurden eingezogen und Durchbrüche geschaffen.

So ganz vorstellbar ist das Wohnen in der Villa noch nicht. „Ich habe das aber alles im Kopf, die Raumaufteilung, wo was stehen soll, wo wir Steckdosen brauchen, wie die Tapeten aussehen sollen. Manchmal träume ich auch nachts von einer Idee, die wir dann genau so machen“, sagt Joana Zinke.

Im Haus selbst sind noch die nackten Mauern zu sehen, die Eichenholz-Fenster müssen erst eingebaut werden - ganz zu schweigen von Gestaltungsfragen beispielsweise zum Eingang oder zur Terrasse. „Wir liegen im Plan. Es war aber auch klar, was auf uns zukommt. Wir haben nicht blauäugig geplant“, sagt Matthias Zinke. „Im Moment feilen wir auch noch sehr an Details.“

Das Haus soll so originalgetreu wie möglich saniert werden

Denn das Haus soll so originalgetreu wie möglich saniert werden. Alte Bilder dienen als Vorbild. „Es muss so nah wie möglich an das Original kommen - sonst ist es nicht perfekt“, sagt Joana Zinke. „Aber wir mussten auch lernen, Abstriche zu machen, bei manchem loszulassen.“

Ähnliche Schmucksteine wie damals beispielsweise oder orangefarbene Klinkersteine, die gibt es nicht. Die Tür ist auch noch so ein Rätsel. Es gibt nur ein leicht unscharfes Foto, mit einer Tischlerei soll nun ein Muster gefunden werden, das passt.

Das Paar - er ist 45, Inhaber und Geschäftsführer von Senioreneinrichtungen in der Stadt, sie ist 33 und leitet dort den Sozialen Dienst - hat eine besondere Beziehung zur Villa entwickelt. Nicht nur, weil es eine Art Liebe auf den ersten Blick war. Sondern weil Beide enge Freundschaften zu den Nachfahren der Kämmerers aufgebaut haben.

Das Projekt, es ist Dauerthema, jeden Tag sind Entscheidungen abzustimmen

„Es sind unglaublich herzliche Menschen, die uns viel Kraft und Mut geben. Wir haben durch sie viel über die Geschichte und Menschen des Hauses erfahren“, so der Hausherr. Es gibt Fotos, Briefe, Postkarten, auch Möbel aus dieser Zeit. „Das Haus ist uns eine Verpflichtung, das Andenken zu ehren.“

Das Projekt, es ist Dauerthema. Jeden Tag sind Entscheidungen abzustimmen. „Irgendwann müssen wir dann auch mal abschalten - und nicht darüber reden“, sagt Joana Zinke. „Aber wir werden schon noch ein paar Jahre zu tun haben, bis auch das Umfeld fertig ist. Aber so etwas macht man ja nur einmal im Leben - und es soll ja auch ein Schmuckstück werden.“ (mz)