Wahlkreis 70

Johannes Hüthel will für „Die Linke“ mit Umwelt- und Verkehrsthemen als Direktkandidat in den Bundestag

Der 22-jährige Johannes Hüthel ist einer der jüngsten Kandidaten für den Bundestag.

Von Oliver Müller-Lorey
Johannes Hüthel tritt für die Linken zur Bundestagswahl an. Er ist Direktkandidat und steht auf keiner Wahlliste.
Johannes Hüthel tritt für die Linken zur Bundestagswahl an. Er ist Direktkandidat und steht auf keiner Wahlliste. (Foto: Thomas Ruttke)

Dessau-Roßlau/MZ - Vor Kurzem war Johannes Hüthel selbst noch in der Schule, jetzt sorgt er dafür, dass die Klassenräume mit elektronischen Tafeln, Laptops und smarten Lernplattformen versorgt sind. Der 22-jährige Dessauer, der am 26. September für die Partei „Die Linke“ zur Bundestagswahl antritt, arbeitet in der Dessau-Roßlauer Stadtverwaltung im Amt für Bildung und Schulentwicklung. Dort ist er für die Digitalisierung zuständig und war daher besonders in der Pandemie, in der es viel Fernunterricht gab, gefragt.

Und obwohl ihm der Job Spaß macht, will er nun den Schritt in die große Politik wagen. „Im Parlament sitzen viele alte Abgeordnete. Um neue Impulse zu setzen, braucht es mehr Junge. Es geht um neue Ideen, um Social Media etwa“, sagt er. Dass der vor Kurzem ausgelernte Verwaltungsfachangestellte weniger Erfahrung hat, als ältere Politiker, sieht er dabei nicht als Nachteil. „Mit den Jahren wird man leider auch betriebsblind.“

„Auch Menschen, die sich kein E-Auto leisten können, müssen mobil sein“

Hüthel kam 2017 zu den Linken, nachdem ihm sein Großonkel, der ebenfalls Mitglied war, die Partei näher gebracht habe. „Die sozialen Ideen dieser Partei sind wunderbar“, sagt Hüthel, der sich selbst keinem bestimmten Flügel zuordnet. Seine Vorstellungen von guter Politik aber klingen gemäßigter als die so mancher Parteifreunde. Etwa, wenn es um das Thema Mobilität der Zukunft geht. „Klima und Umweltschutz müssen sozial verträglich sein und dürfen nicht auf Kosten von Menschen mit weniger Einkommen gehen“, sagt er.

Daher könne er sich Subventionen von E-Autos bis zu 90 Prozent vorstellen. „Auch Menschen, die sich kein E-Auto leisten können, müssen mobil sein.“ In der Stadt gelinge das durch öffentlichen Nahverkehr, doch er denke auch an die Landbewohner in seinem Wahlkreis. „Wir dürfen die Dorfbewohner nicht zurücklassen, die etwa in der Landwirtschaft tätig sind und uns versorgen.“ Erst müsse man die Grundlagen für die Verkehrswende schaffen, dann über ein Aus des Verbrennungsmotors diskutieren. „Ob das 2030 schon so weit ist, bezweifle ich.“ Damit sich bis dahin Menschen mit niedrigem Einkommen das Benzin leisten können, könne er sich Pauschalbeträge oder Steuererleichterungen für sie vorstellen.

Um Gewerbe- und Industrieansiedlungen zu erleichtern kann sich Hüthel in bestimmten Fällen ein vereinfachtes Baurech vorstellen

Beim Thema Wirtschaft will Hüthel vor allem auf den Tourismus setzen. „Wir sind eine Tourismusregion. Eine stadt- und landkreisübergreifende Vermarktungsgesellschaft könnte Kräfte bündeln“, sagt er. Die Region Dessau-Roßlau und Wittenberg habe mit bedeutenden Stätten wie dem Bauhaus, dem Gartenreich, Simonettihaus und Luther so viel zu bieten, dass es gelingen müsse, Touristen für einen mehrtägigen Aufenthalt zu begeistern.

Um Gewerbe- und Industrieansiedlungen zu erleichtern kann sich Hüthel in bestimmten Fällen ein vereinfachtes Baurecht mit weniger hohen Hürden vorstellen.

Auch in Sachen Migration hat Hüthel eine differenzierte Meinung

Vor allem mit Abklingen der Corona-Pandemie wird die Wirtschaft wieder stärker in den Blick geraten. Bis jetzt, findet er, seien die Corona-Maßnahmen richtig und wichtig gewesen. Aktuell mache er sich aber Sorgen, dass ein zu hoher Druck auf Nicht-Geimpfte ausgeübt wird. „Das kommt schon einer Impfpflicht nahe. Wer sich unwohl fühlt, sollte sich nicht impfen lassen müssen“, meint er. Zudem sollten Corona-Tests weiterhin kostenlos bleiben.

Auch in Sachen Migration hat Hüthel eine differenzierte Meinung. „Kein Mensch ist illegal“, wie es in linken Kreisen oft heißt? So einfach sei es eben nicht, sagt der 22-Jährige. „Jeder muss, unabhängig davon, ob er ein Wirtschafts- oder Bürgerkriegsflüchtling ist, einen Asylantrag stellen können. Diesen Menschen müssen wir dann Integrationsangebote machen und vor allem Deutschkurse ermöglichen.“ Zeige sich aber nach einem bis anderthalb Jahren, dass kein Wille zur Integration da sei, und Kurse dauerhaft nicht besucht würden, müsse man zumindest bei Wirtschaftsflüchtlingen über eine Abschiebung sprechen.

Zur Person

Johannes Hüthel ist 22 Jahre alt, wurde in Dessau-Roßlau geboren und wuchs dort auf. Heute wohnt er in Dessau-Süd. Nach dem Besuch und Abitur am Walter-Gropius-Gymnasium absolvierte er ein Praktikum in der Dessauer Stadtverwaltung und hatte einen Nebenjob im Einzelhandel. 2017 trat er der Linken bei und ist dort Mitglied im Stadtverband.

In seiner Freizeit fährt Hüthel gerne Fahrrad, ist an der Mulde unterwegs, er fotografiert und spielt Computer. Außerdem liest er gerne Sachbücher. Über seinen Familienstand macht der 22-Jährige keine Angaben.