Intelligente Materialien

Intelligente Materialien: Interaktive Ausstellung in Dessau lädt zum experimentieren ein

Dessau - Das Stahlhaus wird für drei Monate zum Forschungslabor. Hier ist anfassen, mitmachen, verändern erlaubt - von jedermann, ob Kind oder Erwachsener. „Smart Materials Satellites. Material als Experiment“ heißt die Ausstellung, die am Mittwoch eröffnet ...

Von Heidi Thiemann

Das Stahlhaus wird für drei Monate zum Forschungslabor. Hier ist anfassen, mitmachen, verändern erlaubt - von jedermann, ob Kind oder Erwachsener. „Smart Materials Satellites. Material als Experiment“ heißt die Ausstellung, die am Mittwoch eröffnet wurde.

Vom auf den ersten Blick sperrig klingenden Namen sollte man sich nicht abhalten lassen, sondern vielmehr die kostenfreie Gelegenheit zum Experimentieren mit „intelligenten“ Materialien nutzen.

Interaktive Ausstellung der Weißensee Kunsthochschule Berlin und der Stiftung Bauhaus Dessau

Die interaktive Ausstellung wird gemeinsam von der Weißensee Kunsthochschule Berlin und der Stiftung Bauhaus Dessau präsentiert. „Wir wollen der Öffentlichkeit die Möglichkeit geben, Materialien und Materialforschung kennenzulernen“, sagt Julia Wolf von der Berliner Kunsthochschule.

Sie ist gemeinsam mit Veronika Aumann, ebenfalls Kunsthochschule, sowie Lilo Viehweg von der Stiftung Bauhaus Dessau für die Ausstellung verantwortlich. Partner des Projektes sind die Technischen Sammlungen Dresden, das Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Dresden und die SYN Stiftung | Kunst Design Wissenschaft Halle.

Designer, Künstler, Wissenschaftler stellen sich gemeinsam der Herausforderung, Erkenntnisse aus der Fachwelt heraus in die breite Öffentlichkeit zu tragen.

Intelligente Materialien reagieren auf bestimmte äußere Reize

Doch was sind „intelligente“ Materialien überhaupt? Wie funktionieren sie? Wozu braucht man sie und was kann man damit machen? All diese Fragen, sagt Lilo Viehweg, kann man im Forschungslabor auf den Grund gehen. Smart Materials sind Materialien mit besonderen technischen Funktionen, erklärt Holger Kunze, Hauptabteilungsleiter Mechatronik am Frauenhofer IWU.

Die Materialien reagieren auf bestimmte äußere Reize. Solche Materialien - ein Kunststoff, ein Metall und eine Keramik - kann man im Stahlhaus kennen lernen. Bei den Experimenten kann man herausfinden, wie sie sich durch unterschiedliche Temperaturen oder die Zufuhr von Strom verändern.

Wer sich beispielsweise kräftig die Hände warm reibt und diese im Eingangsbereich des Stahlhauses auf die schwarze Wand legt, wird sein weißes Wunder erleben - denn die Wandfarbe verändert sich, der Handabdruck ist weiß auf schwarz zu sehen und verschwindet, wenn die Wand abkühlt. Das Geheimnis: eine thermochrome Farbe - ein intelligentes Material.

Thermisches Formgedächtnis verwandelt Drahtgeflecht in einen Würfel

Experimente kann man machen mit Piezokeramiken, die man zum Beispiel vom Feuerzeug kennt. Dass man damit auch Töne oder Nebel erzeugen kann, weiß mancher vielleicht nicht. Oder dass dielektrische Elastomere (Kunststoffe) sich bei Zuführung von 5.000 Volt um ein Vielfaches ausdehnen können.

Aus Sicherheitsgründen ist dieses Experiment nur auf dem Bildschirm zu verfolgen. Ein mögliches Anwenderszenario sei, sagt Kunze, die dünnen mit Elektroden beschichteten Kunststoffmembrane im Meer zum Erzeugen von elektrischem Strom zu nutzen.

Auch mit Thermischen Formgedächtnislegierungen darf experimentiert werden. Wie von Zauberhand entsteht auf einem 2D-Drahtgeflecht in heißem Wasser ein Würfel. Alle Versuchsaufbauten, verweist Veronika Aumann, sind beschrieben.

Experimentierfreude der Besucher soll die Regale füllen

Hinzu kommt ein Workshopraum, der, so wünschen es sich die drei Kuratorinnen, ebenfalls rege genutzt wird. Denn die Regale, die jetzt noch leer sind, sollen durch die Experimentierfreude der Besucher mit Exponaten gefüllt werden. „Unsere These ist“, sagt Julia Wolf, „dass die Besucher durch Tun etwas lernen.“

Das Stahlhaus ist dabei nur eine Station von mehreren. Auch auf Messen wird das interdisziplinäre Forschungsprojekt vertreten sein.

Eine weitere Ausstellung gibt es von Mai bis September nächsten Jahres in Dresden und auch bei der Leopoldina-Tagung in Halle wird das Thema eine Rolle spielen, sagt Holger Seifert, Bereichsleiter Wissenschaftskommunikation der Technischen Sammlung Dresden. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. (mz)

Die Ausstellung „Smart Materials Satellites“ mit Forschungslabor ist bis 22. Oktober - mittwochs bis sonntags von 12 bis 18 Uhr - im Stahlhaus, Südstraße 5, geöffnet. Angeboten werden Werkstoffwochen, Workshops, Treffs mit Künstlern und mehr.

Das Programm ist zu finden auf www.bauhaus-dessau.de