Gnadenhof für Katzen

Gnadenhof für Katzen in Kleutsch: Vereinschefin für Kastrationspflicht von Freigängern

Kleutsch - Die Katzenpopulation in Dessau-Roßlau und der Umgebung ist zuletzt deutlich gewachsen. Verein „Ein Heim für Tiere“, der den Tiergnadenhof bei Kleutsch betreibt, sucht noch finanzielle Hilfe und materielle Unterstützung.

Von Danny Gitter 10.07.2016, 16:51

Kinderaugen strahlen und Verzückung liegt in der Stimme. „Ist das niedlich, können wir es mitnehmen“, fragt ein kleines Mädchen ihre Eltern. Die müssen selbst standhaft bleiben, um dem Willen ihrer Tochter nicht nachzugeben.

Denn diese Augenblicksentscheidung könnte den Alltag in Zukunft massiv verändern. Sie gehen weiter. Das Katzenbaby bleibt erst einmal im Gehege auf dem Tiergnadenhof bei Kleutsch.

„Katzenbabys finden recht schnell neue Besitzer“

Doch bald wird sich jemand von diesen großen Augen und dem Blick erweichen lassen, ist sich Ursula Blumenthal sicher. „Katzenbabys finden recht schnell neue Besitzer“, spricht Blumenthal aus Erfahrung. Vorsitzende des Vereins „Ein Heim für Tiere“, der den Tiergnadenhof bei Kleutsch betreibt, ist die Mitarbeiterin des Anhaltischen Theaters.

Am Sonnabend gab es aus gutem Grund mehr Publikumsverkehr als sonst auf dem großen Gelände des Gnadenhofs. Zu seinem nunmehr sechsten Sommerfest lud der Verein. Ein Flohmarkt, Kuchen und Gegrilltes für das leibliche Wohl und Auftritte der Linedancer der Volkshochschule Dessau-Roßlau sowie der Schlagersängerin Bianca Graf bildeten den Rahmen fürs Programm.

Mehrheitlich Katzen auf dem Hof

Unumstritten im Mittelpunkt standen aber wieder über 80 Tiere, die auf dem Gnadenhof eine vielleicht letzte Zuflucht gefunden haben. Kamerun-Schafe, Ziegenböcke, Waschbären, Schweine, Kaninchen, Hunde und vor allem Katzen gehören derzeit zu den Bewohnern des Kleutscher Gnadenhofs.

55 Samtpfoten haben hier ein vorläufiges oder auch endgültiges Zuhause gefunden. In Zukunft könnten es noch mehr werden. „Ich appelliere an die Vernunft der Tierhalter, ihre Freigänger dementsprechend zu kastrieren und zu sterilisieren“, sagt Blumenthal.

Freiläufer kastrieren

Vielmehr als das, hofft sie aber auf den Erlass einer neuen Katzenschutzverordnung, die vorschreibt, Freilaufkatzen verpflichtend zu kastrieren. Denn gerade in jüngster Vergangenheit ist die Katzenpopulation in Dessau-Roßlau und der näheren Umgebung erheblich gestiegen.

Nicht um jeden Nachwuchs wird sich gekümmert. Blumenthal, die engagierte Tierschützerin, mag sich nicht ausmalen, was das im Alltag bedeutet. Denn auch sie sagt ganz klar: „Wir können nicht jedem helfen“.

Leerstehende Hundezwinger auf dem Gnadenhof wurden schon zu Katzengehegen umfunktioniert. Ausgesetzten und abgegebenen Tieren gibt der Verein eine neue Unterkunft.

Ältere Tiere finden hier ihr letztes Zuhause

Die besten Vermittlungschancen an neue Besitzer hat der Katzennachwuchs. Der erfüllt oft das Klischee des Schmusetigers. Ältere Tiere finden meist auf dem Vereinsgelände ihr letztes Zuhause. Andere sind schwer vermittelbar, weil sie einen starken Spieltrieb haben und richtig wild sind. Diese Katzen halten es auch kaum im Gehege aus.

Eine Freilaufstrecke auf seinem Vereinsgelände will „Ein Heim für Tiere“ dafür anlegen. Gesucht wird dafür auch noch eine Holzhütte als Unterschlupf und Futterplatz. „Wer so etwas zu vergeben hat, würde uns richtig helfen“, sagt Blumenthal. Mit Spenden, Mitgliedsbeiträgen der 55 Mitglieder und durch Sponsoren kann der Verein die nötigsten Aufgaben bewältigen.

15 Mitarbeiter umsorgen die Tiere

Ein Kern von 15 Ehrenamtlichen und vier Festangestellten kümmert sich täglich um das Wohlergehen der tierischen Bewohner. Gehege und Unterkünfte säubern, füttern, Gassi gehen, Anlagen warten und neue Anlagen bauen, gehören zum Tagesgeschäft. Oft stoßen Blumenthal und ihre Mitstreiter dabei an ihre Grenzen.

Seit neuestem ist die Vereinsvorsitzende auch Vorsitzende der Tierschutzvereine in Sachsen-Anhalt, die unter dem Dach des Deutschen Tierschutzbundes vereint sind. „Mit einer besseren Vernetzung sollten wir es hinbekommen uns zukünftig gegenseitig besser zu unterstützen um damit noch mehr für den Tierschutz tun zu können“, beschreibt Blumenthal, was in nächster Zeit auf ihrer Agenda steht. (mz)