Geburtstag auf dem Storchenhof

Geburtstag auf dem Storchenhof: Treue Seele bringt Störche wieder auf die roten Beine

Loburg/MZ. - Großer Bahnhof wurde am Mittwoch auf dem kleinen Bahnhof in Loburg veranstaltet. Als Erika Herbst aus dem gerade aus Magdeburg angekommenen Triebwagen stieg, verschlug es ihr die Sprache. Da standen die Kinder und Erzieherinnen der Johanniter-Tagesstätte "Storchennest" mit einem Blumenstrauß und gratulierten der ehrenamtlichen Mitarbeiterin des Storchenhofes zu ihrem 70. ...

Von Claus Blumstengel 29.11.2001, 19:50

Großer Bahnhof wurde am Mittwoch auf dem kleinen Bahnhof in Loburg veranstaltet. Als Erika Herbst aus dem gerade aus Magdeburg angekommenen Triebwagen stieg, verschlug es ihr die Sprache. Da standen die Kinder und Erzieherinnen der Johanniter-Tagesstätte "Storchennest" mit einem Blumenstrauß und gratulierten der ehrenamtlichen Mitarbeiterin des Storchenhofes zu ihrem 70. Geburtstag.

Nicht nur die Kinder, auch Vertreter des Landesamtes für Umweltschutz, des Ornithologischen Vereins Dessau, der Kreisverwaltung, des Vereins "Loburger Weg" und natürlich "Storchenvater" Dr. Christoph Kaatz wollten die treue Seele des Storchenhofes ehren.

Seit mehr als 20 Jahren fährt die Magdeburgerin Tag für Tag mit der Bahn zum Storchenhof nach Loburg, wo sie verletzte Störche pflegt und Jungtiere aufzieht, die von den Altstörchen wegen Futtermangels aus dem Nest geworfen wurden oder die im Brutkasten geschlüpft sind. 35 Storcheneier wurden in diesem Jahr in Loburg abgegeben. Sie wurden entnommen, wenn einer oder beide Altvögel umgekommen sind. 27 Jungstörche schlüpften daraus, die Frau Herbst aufzog. "Das ist, als hätte man 27 Kinder, und die haben ab früh um vier Hunger. Da kann ich nicht sagen, heute habe ich keine Lust", beschreibt Erika Herbst ihre Mühe.

Den größten Teil der jährlich mehr als 1 000 Besuchergruppen führt Erika Herbst durch die Einrichtung, erläutert ihnen die Erfordernisse des Natur- und Umweltschutzes und erzählt so manche unterhaltsame Storchengeschichte.

"Schon zehn Jahre vor der Rente habe ich mir überlegt, womit ich mich später einmal beschäftigen könnte", blickt die Jubilarin zurück. Aus der Presse erfuhr sie vom Storchenhof und rief Dr. Kaatz an. Der war erfreut über das Hilfsangebot und wenig später besuchte Erika Herbst die Storchen-Pflegestation zum ersten Mal.

Hier hat sie sich endlich einen Kindheitstraum erfüllt; denn in der Natur und mit Tieren wollte sie schon arbeiten, als sie in einem Dorf bei Helmstedt aufwuchs. Doch es kam anders. Erika Herbst studierte nicht Biologie, wie sie es eigentlich vor hatte, sondern Maschinenbau und zog mit ihrem Mann nach Magdeburg. Zuvor hatte sie noch Schlosser gelernt. "Das war eine gute Schule fürs Leben", weiß sie ihre praktischen Fähigkeiten zu schätzen. 38 Jahre lang arbeitete sie im Schwermaschinenbau-Kombinat, unter anderem an Schwingungsberechnungen für Dieselmotoren.

In den ersten Tagen am Storchenhof besorgte sich Erika Herbst erst einmal Fachliteratur. "Ich musste viel lernen, wie Natur funktioniert, was sie braucht und was man besser lassen sollte. Da ist der Storchenhof eine gute Schule", schätzt sie ein. Und es macht ihr nach wie vor Spaß, die theoretischen Abhandlungen mit dem Verhalten der Tiere in der Praxis zu vergleichen. Da sie wissenschaftliche Arbeit gewöhnt ist, interessieren sie auch die Forschungen von Kaatz-Sohn Michael, der den Zug der Schreitvögel mittels Sendern und Satelliten verfolgt.

Es dauerte nicht lange, da wurde die Magdeburgerin als Verbindungsfrau zur Tierklinik auserkoren. Sie bringt die Patienten nicht nur dorthin. Wenn ein Storch mit einer Hochspannungsleitung kollidiert ist, sich die Beine mit Bindegarn abgeschnürt oder anderweitig schwer verletzt hat, so schläft er nach der Operation die Narkose in der Wohnung seiner Pflegerin aus. "Wenn sie aus der Narkose erwachen, oft mitten in der Nacht, sind die Störche völlig orientierungslos und könnten sich im Gehege erneut verletzen", begründet Erika Herbst diese ungewöhnliche Methode.

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