Empor Waldersee und der Eichenspinner

Frust bei Sportverein - „So extrem wie jetzt, war es noch nie“

Von Werner Michaelis
Warnung vor dem Eichenprozessionsspinner.
Warnung vor dem Eichenprozessionsspinner. (Foto: Ruttke)

Dessau - Die Coronapandemie hat den Amateursport lange lahmgelegt. Wie überall im Land, herrschte dabei auch auf den Fußballplätzen in Dessau-Roßlau ein gespenstische Ruhe. Seit rund vier Wochen entspannt sich die Lage, nach und nach können die Anlagen wieder genutzt werden, darf trainiert und gespielt werden. Allerdings nicht auf jedem Gelände, denn seit Ende Mai legt ein anderes Problem das Treiben teilweise erneut lahm.

Der Eichenprozessionsspinner, dessen Haare im dritten Larvenstadium für Menschen gefährlich werden können, grassiert in der Stadt. Unter anderem bei der SG Empor Waldersee. „Wir haben das Problem schon Jahre. Aber so extrem wie jetzt, war es noch nie“, schimpft Andreas Wieprich. Er ist Trainer im Nachwuchs des Vereins, dessen Gelände am Eingang zum Parkgelände Luisium, das einen großen Bestand an Eichen hat, bis auf weiteres für jeglichen Publikumsverkehr gesperrt ist. „Es wäre verantwortungslos, das Gelände mit Kindern zu betreten und gar zu trainieren“, sagt Wieprich.

Dessen Ton wird scharf, als er aufzählt, an wen sich der Verein schon gewendet hat, damit man von städtischer Seite aktiv wird und das Problem bekämpft. „Die deutsche Bürokratie musste in Gang gebracht werden. Unser erster Ansprechpartner war der Stadtsportbund. Im Anschluss wurden wir an das Sportamt verwiesen und landeten schließlich beim Tiefbauamt“, so der Nachwuchscoach. Der Wahrscheinlichkeit nach, erkannte man dort das Gefahrenpotenzial. Am vergangenen Montag wurde gehandelt und die sehnsüchtig erwartete Chemiekeule eingesetzt.

Die Substanz muss nun zwei Wochen wirken, das Sportgelände bleibt in dieser Zeit weiter gesperrt. Im Anschluss werden die Nester entfernt. Bis zum Zeitpunkt der Freigabe des Geländes, müssen die Männermannschaften und die B-Jugend der SG Empor mit dem Kunstrasenplatz im Dessauer Berufsschulzentrum vorlieb nehmen. Die C- und D-Junioren trainieren auf dem Mildenseer Sportplatz am Anger. Die F- und E-Jugend dagegen in Vockerode nutzen. „Wir möchten uns bei den Vereinen für die schnelle und reibungslose Nachbarschaftshilfe bedanken“, sagt Andreas Wieprich.