Für die Sache streiten

Frank Lehmann sieht in seiner Heimatstadt vieles im Argen und tritt bei OB-Wahl an

Dessau

- Frank Lehmann ist ein umtriebiger Dessauer mit Herz. Mit seinen beruflichen und ehrenamtlichen Tätigkeiten hat der 61-Jährige durchaus Spuren hinterlassen in der Doppelstadt, viele kennen ihn. Er ist ein „Hans Dampf in allen Gassen, der jetzt die Kapitänsmütze aufsetzen will“.

Lehmann wirft als achter Kandidat seinen Hut in den Wahlring für das Amt des Oberbürgermeisters. „Gründonnerstag habe ich meine Unterlagen abgegeben“, sagt er - und wirkt zufrieden damit. Die Entscheidung für die Kandidatur ist, so scheint es, von ihm gut überlegt und lange gereift. „Es liegt so vieles im Argen in unserer Stadt und auf der anderen Seite gibt es so viel Potenzial. Das weckt meinen Tatendrang“, erklärt er. „Wir müssen vom Reagieren zum Agieren kommen, das ist mein wichtigstes Ziel.“

Lehmann: „Wir haben mit Dessauern für Dessau viel gemacht“

In der Tat ist Frank Lehmann ein Macher. Geht nicht, gibt es für ihn nicht. Das hat er unter Beweis gestellt als Geschäftsführer der kommunalen Beschäftigungsgesellschaft DABS von 1992 bis 1998. In ABM-Maßnahmen haben Dessauer, die ihren Arbeitsplatz in einem der Industriebetriebe verloren hatten, ihre Stadt umgestaltet. Das Technikmuseum entstand ebenso wie das Haus Kühnau, die Dessau-Wörlitzer Eisenbahn wurde saniert, ehemalige Industriegebiete für Ansiedlungen vorbereitet. „Wir haben mit Dessauern für Dessau viel gemacht“, sagt Lehmann. „Ein Credo, das ich als OB wieder aufnehmen möchte.“

Nach der DABS-Zeit begleitete Lehmann als Projektmanager viele städtebauliche Vorhaben - so zum Beispiel den Umbau des alten Sudhauses zum Brauhaus, den Bau des Marthahauses in der Heidestraße, die Sanierung und Vermietung des Y-Hauses Friedrichstraße 17 im Auftrag von Bauunternehmer Wilhelm Geißel. Seit sechs Jahren führt Lehmann die Geschäfte der Wertstoffzentrum Dessau GmbH. Weil Dessau keinen vernünftigen Saal für größere Veranstaltungen hatte, baute er den baufälligen Hangar in der Kühnauer Straße zum Veranstaltungszentrum um, das er zehn Jahre bis 2010 betrieb. Mit dem Bevölkerungsschwund und der damit einhergehenden Überalterung waren potenzielle Hangar-Besucher weggebrochen.

Eine „Stadthalle“ braucht Dessau-Roßlau trotzdem. Ideen und Konzepte dafür gab es zuhauf - zum Beispiel für die Schade-Brauerei. „Die Stadt hat verkauft, zurückgekauft und wieder verkauft. Eine Ruine ist es immer noch.“ Hier ist Frank Lehmann mitten bei seinem Herzensprojekt, das er als Oberbürgermeister unbedingt verwirklichen will. „Die Entwicklung der Langen Gasse mit der Schade-Brauerei sehe ich als wichtige Aufgabe, um einen riesigen städtebaulichen Missstand in der Innenstadt zu beheben.“ Wovon es noch mehr gebe diesseits und jenseits der Elbe.

Wohnraum im Dessauer Zentrum hält Frank Lehmann für unabdingbar

Wohnraum im Zentrum zu schaffen, sieht Lehmann ebenfalls als unabdingbar an, um die Stadt insgesamt aufzuwerten. „Wenn Leute in der Innenstadt wohnen, fällt deren Belebung leichter, denn es sind schon welche da, die die Angebote nutzen.“ Und so sieht der Dessauer die Zukunft seiner Heimatstadt durchaus als Wohnstandort für die umliegenden Metropolen, in denen der Platz langsam eng wird. „Wir haben eine Tradition im experimentellen Wohnungsbau und mit dem Bauhaus und der Hochschule Anhalt kompetente Partner in der Stadt, die müssen wir wieder nutzen“, fordert Lehmann.

Dass er als Einzelkandidat antritt, sieht der 61-Jährige, der Anfang der 1990-Jahre für die Linken im Stadtrat saß, nicht als Nachteil. „Ich will für Inhalte stehen und fachlich um die Sache streiten.“ Der Stadtrat sei für ihn dabei ein wichtiger Partner, unabhängig von politischen Mehrheiten. Denn die könnten sich ändern, die Visionen für die Stadt aber blieben. „Einmal gefasste Beschlüsse sind umzusetzen und dürfen nicht in Frage gestellt werden, weil sich die politischen Kräfteverhältnisse verändert haben“, nennt er eine weitere Maxime. Es werde viel zu viel zerredet oder bleibe irgendwo stecken.

Auch wenn er kein Verwaltungsmensch sei, seien ihm die Strukturen nicht fremd, sagt Lehmann. Es gelte, die Kompetenz der Fachämter zu nutzen. „Und ein bisschen Ungeduld meinerseits kann ja nicht verkehrt sein“, ist er überzeugt.