„Es gibt reichlich zu tun“

„Es gibt reichlich zu tun“: 21-Jährige aus Meinsdorf bleibt Roßlauer Ölmühle seit der Kindheit treu

Roßlau - Warum die 21-Jährige aus Meinsdorf ihren Bundesfreiwilligendienst in der Roßlauer Ölmühle verlängert hat.

Von Heidi Thiemann

Was ihr am meisten gefällt? Isabel Bolz muss nicht lange überlegen: „Ich habe hier Kontakt zu so vielen verschiedenen Leuten, kann bei verschiedenen Projekten mitwirken und lerne eine ganze Menge“, erzählt die 21-Jährige begeistert. „Das ist toll.“ Seit Dezember 2019 ist sie Bundesfreiwillige (Bufdi) in der Roßlauer Ölmühle, kann sich hier ausprobieren und einbringen.

Die Ölmühle kennt Isabel Bolz schon, seitdem sie ein Kind ist. „Mit meiner Mutti und meinem Bruder war ich oft hier“, erzählt die junge Frau aus Meinsdorf. Als Teenager kam sie zwar nicht mehr, aber als ihr Vater bei der kubanischen Ölmühlenkulturnacht mitgewirkt hatte, war auch Isabel Bolz mit dabei.

Und kam mit Iris Seidel, der Leiterin des Hauses ins Gespräch. Denn, so gibt sie zu, was sie nach dem Abitur am Berufsschulzentrum „Hugo Junkers“ machen wolle, wusste sie noch nicht genau. Und wurde neugierig gemacht auf den Bundesfreiwilligendienst.

In den vergangenen Monaten hat die Ölmühle Fördermittel einwerben können

Ein Jahr ist nun schon herum, inzwischen studiert Isabel Bolz in Leipzig Ägyptologie, doch ihren Bufdi-Dienst hat sie noch um ein halbes Jahr verlängert. „Ich komme gut klar“, erzählt sie und auch: „Es gibt reichlich zu tun.“ Auch in Corona-Zeiten, wo die Ölmühle - der soziokulturelle Treffpunkt an der Rossel in der Schifferstadt - derzeit für Publikumsverkehr geschlossen bleiben muss. Doch hinter den Kulissen wird schon vieles vorbereitet für den reibungslosen Neustart, sagt Regina Schumann vom Vorstand. „Und da werden wir viel Neues anbieten können.“

In den vergangenen Monaten hat die Ölmühle Fördermittel einwerben können und diese unter anderem in Theater- und Bühnentechnik investiert, auch in Computer- und Kameratechnik. „Jetzt sind unsere technischen Voraussetzungen wunderbar“, findet Schumann und freut sich, „dass wir junge Leute haben, die damit umgehen können. Wir Älteren tun uns schwer, uns da heranzutasten“, gibt sie zu.

Das Arbeiten im Team gefällt der 21-Jährigen sehr

Isabel Bolz hat diese Vorbehalte nicht, freut sich vielmehr, dass sie anderen helfen kann, die Technik zu beherrschen. Und selbst bringt sie sich bei, mit der neuen Kamera umzugehen, um künftig besser Veranstaltungen der Ölmühle filmen zu können, damit auf der Homepage des Hauses, auf Instagram oder Facebook mehr Einblick in das Mehrgenerationenhaus gebeben werden kann.

Schon jetzt habe die Ölmühle ihr Reichweite gut steigern können. Als sie vor Weihnachten zusammen mit einer Praktikantin beispielsweise eine virtuelle Weihnachtsmarktseite gestaltete, weil normale Weihnachtsmärkte nicht stattfinden konnten, wurden sogar Käufer in Leipzig und Chemnitz neugierig gemacht.

Das Arbeiten im Team gefällt der 21-Jährigen sehr. Quasi überall ist sie gefragt und lernt hinzu. Ob bei der Vorbereitung und Organisation von Festen, bei der Betreuung von Kindergeburtstagen oder der Büroarbeit. „Ich konnte in so viele Berufsrichtungen reinschauen, das bringt sehr viel“, erzählt sie. Am meisten aber schwärmt sie vom Kinder- und Jugendprojekt mit der Theaterburg Roßlau in den Sommerferien.

Ob sie sich noch mal für ein Bufdi-Jahr entscheiden würde?

Und nun wartet sie wie eigentlich alle in der Ölmühle darauf, dass hier wieder richtig Leben einziehen kann. Dass Projekte wie „Kultur trifft Digital“ für Kinder angeboten werden. Die lernen dann etwa Roboter zu bauen oder Videospiele zu programmieren. Momentan muss alles warten.

Ob sie sich noch mal für ein Bufdi-Jahr entscheiden würde? Unbedingt. „Für die Orientierung nach der Schule ist das sehr gut“, sagt die 21-Jährige. Nur das Taschengeld, das Bufdis bekommen, findet Regina Schumann, müsste viel höher ausfallen. (mz)