Hilfe nach Überschwemmungen

Erste Spenden aus Dessau-Roßlau für Hochwasseropfer - Feuerwehr und THW sind bereit

Wassersportvereine sammeln spontan für Opfer der Naturkatastrophe an Mosel und Ahr. Die Feuerwehren der Stadt warten auf den Marschbefehl.

Von Annette Gens
Das Unwetter hat wie hier  in Rheinland-Pfalz nicht nur über 100 Menschenleben gekostet, sondern auch immense Zerstörung angerichtet.
Das Unwetter hat wie hier in Rheinland-Pfalz nicht nur über 100 Menschenleben gekostet, sondern auch immense Zerstörung angerichtet. (Foto: DPA)

Dessau-Roßlau/MZ - In Dessau-Roßlau sind die ersten Spenden für die Opfer der Überschwemmungskatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz gesammelt worden. Während der gerade erst wieder nach dem Corona-Lockdown angelaufenen Live-Musik-Veranstaltungsreihe „Home of Rock“ im Kochstedter Grünen Baum kamen am Samstag spontan 277 Euro zusammen.

Gespendet wurde das Geld von den 60 Zuhörern. Mehr als 3.000 Euro überwiesen die Wassersportvereine am Dessauer Leopoldshafen als Hilfe für die Flutopfer in Rheinland-Pfalz und NRW. Diese Summe wurde am Sonntag bei einem Fest des Yachtclubs, der Junkers-Paddelgemeinschaft, des Seesportvereins und des MBC Elbe gesammelt.

Dessau-Roßlau hat nach den Hochwassern in den Jahren 2002 und 2013 auch viel Hilfe erhalten

Die Gebäude im Leopoldshafen waren 2013 beim Elbehochwasser überflutet worden. In den folgenden Jahren flossen erhebliche Steuermittel und Spenden in deren Sanierung und in Ersatzneubauten. Auch 2002 war Dessau und insbesondere dem überfluteten Stadtteil Waldersee viel Hilfe aus der gesamten Republik zuteilgeworden. Die Leopoldshafen-Vereine hatten deshalb entschieden, sich nun für die Solidarität zu revanchieren.

Das Geld wurde an die Aktion „Deutschland hilft“ überwiesen, in der sich mehrere Hilfsorganisationen zusammengeschlossen haben, die direkt oder indirekt in den Katastrophengebieten aktiv sind. Am Sonntag hatte ursprünglich das Elbebadefest stattfinden sollen, es war aber mit Blick auf die Corona-Pandemie schon vor Monaten abgesagt worden. Stattdessen feierten vier Vereine vom Leopoldshafen ein kleines Fest.

Auch in Sollnitz ist eine Spendensammlung angelaufen. Einige Sollnitzer um Ortsbürgermeisterin Carola Böhme unterstützen den Spendenaufruf des Inselclubs Raguhn, der zu Sachspenden aufgerufen hat. Laut Böhme sind die ersten Spenden eingetroffen. Böhme selbst will helfen, weil sie sich gut an die Jahrhunderthochwasser an Mulde und Elbe und das damit verbundene Leid erinnern kann.

„Das DRK nimmt Spenden mit dem Verwendungszweck ‚Hochwasser 2021‘ entgegen“

Bei der Wahl des Spendenkontos sind die Dessau-Roßlauer allerdings auf sich allein gestellt. „Derzeit gibt es keinerlei geplante Aktionen der Stadtverwaltung in Sachen Spenden“, bestätigte die Pressestelle im Dessau-Roßlauer Rathaus auf MZ-Nachfrage. „Sollten Technik oder Einsatzkräfte benötigt werden, wird die Stadt gern ihre Unterstützung anbieten“, heißt es weiter.

Abwartend ist auch der Dessauer Kreisverband vom Deutschen Roten Kreuz, der auf seiner Internetseite von Sachspenden abrät, weil „für die Grundversorgung von Betroffenen und Einsatzkräften bereits gesorgt ist und sämtliche Logistik des DRK gerade anderweitig im Rettungseinsatz ist“. DRK-Geschäftsführer Ralf Zaizeck bittet um Verständnis dafür, dass keine Sachspenden angenommen werden können. „Trotzdem wird jeder Euro im Katastrophengebiet benötigt. Das DRK nimmt Spenden mit dem Verwendungszweck ‚Hochwasser 2021‘ entgegen.“

Dessau-Roßlau hatte für die Feuerwehren bereits am Freitag vom Land eine gezielte Anfrage für Hilfeleistungen bekommen

Dessau-Roßlau bietet außerdem seine Unterstützung bei der Beräumung der Flutschäden an. Mehr als 20 Helfer freiwilliger Feuerwehren warten nur noch auf ihren Marschbefehl. Dann werden sie samt Ausrüstungen sowie sechs Helfer des Sanitätsbetreuungsdienstes vom DRK in Richtung Westen aufbrechen. Das Überschwemmungsgebiet liegt rund 500 Kilometer von der Doppelstadt entfernt.

In Sollnitz gingen erste Spenden für Hochwasseropfer ein.
In Sollnitz gingen erste Spenden für Hochwasseropfer ein.
(Foto: Carola Böhme)

Dessau-Roßlau hatte für die Feuerwehren bereits am Freitag vom Land eine gezielte Anfrage bekommen und daraufhin die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren ermittelt, die mehrere Tage im Katastrophengebiet bei den Aufräumarbeiten helfen können. „Montagnacht haben wir unsere Einsatzbereitschaft an das Land gemeldet“, erklärte Martin Müller, stellvertretender Chef des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz.

Auch die Technik des Ortsverbandes Dessau des Technischen Hilfswerkes steht auf Abruf bereit

Neben den Sanitätern werden Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren Kochstedt, Mildensee und Roßlau zum Einsatz fahren. Je ein Löschfahrzeug stellt jede freiwillige Wehr und dazu natürlich auch die Technik wie Pumpen oder Notstromaggregat, schildert Müller. Zur logistischen Unterstützung wird die Dessauer Berufsfeuerwehr ein Fahrzeug zur Verfügung stellen.

Auch die Technik des Ortsverbandes Dessau des Technischen Hilfswerkes steht auf Abruf bereit. Sie wurde bis zum Montag jedoch nicht abgefordert. Doch so ein erfahrener Helfer wie Dessau-Roßlaus THW-Chef Daniel Freyer-Gottschalk beweist in der Katastrophe einen kühlen Kopf. „Es wird die Zeit kommen - und die Helfer vor Ort sind erschöpft“, meint er. Dann könnten unter anderem die Dessauer in die Bresche springen.

Der DRK-Kreisverband hat ein Spendenkonto für die Opfer der Überschwemmungen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen eingerichtet: DRK Dessau, Stadtsparkasse Dessau; DE 39800535720115030182