Ein Hund tot

Ein Hund tot: Legen Unbekannte Giftköder in Roßlau aus?

Roßlau - Roßlauer Halter beobachten an ihren Tieren Vergiftungserscheinungen nach Touren in Altstadt und an Rosselpromenade. Geschädigte erstatten Anzeige.

Von Silvia Bürkmann 12.07.2016, 07:30

Die Stimme stockt beim Erzählen, zu hören sind tapfer herunter geschluckte Schluchzer, zu sehen die Tränen in den feuchten Augen. „Am Freitag ist Benny in meinen Armen eingeschlafen.“ In der Tierklinik Wittenberg endete eine schlimme Woche für Familie Schammer aus Roßlau. Und das bis dato mopsfidele Leben ihres kleinen Jack Russell Terriers.

Angst vor etwaigen Giftködern

Mit der Halterfamilie fragen sich seit vorige Woche viele anteilnehmende Roßlauer Hundefreunde besorgt: Hat da etwa jemand Giftköder ausgelegt?

In der Altstadt im Viertel Karl-Liebknecht-Straße, Südstraße, Elbstraße sowie an der Rosselpromenade und im Richard-Paulick-Ring sind den Schammers aus ihrem Bekannten- und Freundeskreis inzwischen vier Fälle von verdächtigen Vergiftungen bei Hunden bekanntgeworden. „Wir erstatten im Polizeirevier Anzeige gegen unbekannt“, so die tieftraurige Hundehalterin am Montagvormittag. Und erzählt von ihrem vierbeinigen Hausgenossen, der fünfeinhalb Jahre zur Familie gehörte.

Hundevernarrte Familie

Dabei war der kleine Benny nicht als Welpe zu ihnen gekommen. Sondern übernommen worden aus denkbar schlechter Haltung.

Peter und Birgit Schammer hatten Zeit ihres Lebens Haustiere verschiedener Art um sich. Bei den heranwachsenden Söhnen Enrico (heute 34) und Dennis (29) waren es dann vorzugsweise Hunde. Die Pudelhündin Jäcki („Jaqueline“ nach Stammbuch) war als echter Wildfang mit den Jungen aufgewachsen.

Danach zogen die schneidigen Dobermänner Donut und Alina bei Schammers ein. Als Alina dann 2010 an einer Krebserkrankung starb und kurz zuvor Birgits Vater in den Armen der Tochter verstorben war, brachten die Söhne dann den kleinen Terrier zu Mutter: „Mama, du musst wieder auf andere Gedanken kommen!“

Fremden gegenüber blieb benny misstrauisch

Das klappte. Der völlig verängstigte junge Hund wurde vom verstörten Dauer-Beller zum zuverlässigen und treuen Wegbegleiter für Herrchen und Frauchen. „Er hatte ein ganz feines Gespür, wenn seine Menschen Trost brauchten.“

Fremden gegenüber aber blieb Benny misstrauisch und wachsam. „Er hat mal einen mutmaßlichen Einbrecher aus dem Haus vertrieben. Als er merkte, dass irgendwas nicht stimmte und so lange bellte, bis Peter, der von einer Nachtschicht ausschlafen wollte, nachsehen kam.“

Es sind viele Geschichten, an die sich Birgit Schammer mit Benny erinnert. Auch charakterlich war er in seinem sicheren Umfeld „ein ganz Lieber“ geworden. „Natürlich haben wir ihn auch gehörig verwöhnt. So hatte er am Tisch seinen Platz und wusste genau, der letzte Bissen ist für mich!“

Zusammenbruch nach Gassirunde

Den letzten Spaziergang ging seine „Hundemutti“ Elke mit ihm, weil sich Birgit Schammer am Bein verletzt hatte. Die Tour war dem lebhaften, flinken Hund in Fleisch und Blut übergegangen: Aus der Haustür einmal rund um die Baracke gegenüber, dann um das frühere WTZ und hinauf zur Südstraße. Hinüber und die Lehmbrücke runter auf die Elbewiesen.

Nach Strafgesetzbuch wird Rohheit gegenüber einem Wirbeltier als Antragsdelikt auf Wunsch des Geschädigten strafrechtlich als Sachbeschädigung verfolgt.

Verstöße gegen das Tierschutzgesetz von 1998 hingegen werden als Offizialdelikt von den Strafverfolgungsbehörden selbstständig verfolgt. Laut deutschem TierSchG drohen laut §17 Freiheitsstrafen bis zu drei Jahren oder Geldstrafen. (sib)

Diese Strecke ist bei Roßlauer Hunden und deren Besitzern beliebt und viel begangen - eine regelrechte Hundepromenade. Benny aber brach nach seiner letzten Runde förmlich zusammen. Die Helfer der Tierklinik fanden auch mit sofortiger Tropf- und Schmerztherapie kein Gegenmittel. Konnten mit Tests das Gift nicht isolieren und bestimmen.

Opfer von Umweltsündern?

An gezielt ausgelegte Köder will Birgit Schammer nicht glauben: „Das macht doch kein mitfühlender Mensch.“ Außerdem sei Benny nach seiner dunklen Welpenzeit immer misstrauisch geblieben und hatte nichts Herumliegendes aufgenommen. „Der wäre an einer Bockwurst vorbeimarschiert.“ Was dem Abkömmling alter Jagdhundrassen zum Verhängnis geworden sein könnte: Er hat viel gestöbert und aufgeleckt. Vielleicht auch Unkrautvernichter oder Schadstoffe? (mz)