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Dessauer Nahverkehr: Historische Straßenbahnfahrten für jedermann

Dessau - Von Mai bis September kommen die historischen Straßenbahnen wieder zum Einsatz. Doch vorher wird gefeiert. Die Partybimmel der Dessauer Verkehrsbetriebe haben Edelmann, Grigo und Pannicke zum Vatertag, am 5. Mai gebucht. 15 Uhr geht die Sause am Hauptbahnhof in die erste Runde. Wer möchte, kann unterwegs an ausgewählten Haltestellen zwischen Hauptbahnhof, Tempelhofer Straße und Junkerspark zusteigen.

Von Danny Gitter 29.04.2016, 10:13

„Irgendwann hat man sich diesen Virus halt eingefangen“, sagt Dirk Edelmann. Ansteckung? Die ist erwünscht. Wer sich wie Edelmann und seine Mitstreiter „infiziert“ hat, der kommt nicht mehr davon los, den öffentlichen Personennahverkehr zu lieben. Da sind Bus und Straßenbahn nicht nur Fahrzeuge, die einen von A nach B bringen. „Die Technik, die Historie und das ganze Drumherum. Das kann einen doch nicht einfach kalt lassen“, sagt Edelmann.

Seit fast sieben Jahren betreibt der 24-Jährige eine Webseite zum Dessau-Roßlauer Nahverkehr. Die lange Geschichte ist dort in Bild und Text dokumentiert. Im vorigen Jahr begann der Sohn eines Straßenbahnfahrers, der zur Zeit in diesem Beruf eine Ausbildung bei den Leipziger Verkehrsbetrieben macht, mit zwei Mitstreitern einmal monatlich von Mai bis September Themenfahrten mit historischen Straßenbahnen anzubieten.

Partytram: Einfach zusteigen

Die Resonanz war groß. Also wollen Edelmann, Niklas Grigo und Markus Pannicke das in diesem Jahr unbedingt wiederholen. Von Mai bis September kommen die historischen Straßenbahnen wieder zum Einsatz. Doch vorher wird gefeiert. Die Partybimmel der Dessauer Verkehrsbetriebe haben Edelmann, Grigo und Pannicke zum Vatertag, am 5. Mai gebucht. 15 Uhr geht die Sause am Hauptbahnhof in die erste Runde. Wer möchte, kann unterwegs an ausgewählten Haltestellen zwischen Hauptbahnhof, Tempelhofer Straße und Junkerspark zusteigen.

Die historischen Themenfahrten beginnen am 14. Mai ab 14 Uhr am Hauptbahnhof. „Zu Dessau unter Bauhausprägung“ wird Edelmann während der Fahrt dann einiges erzählen. Am 11. Juni geht es zu „Dessau in den Goldenen Zwanzigern“ weiter. So weit, so gewohnt.

Doch ist in diesem Jahr etwas anders. Zur Webseite gibt es seit fast einem halben Jahr den Verein „Nahverkehrsfreunde Dessau“. Neun Mitglieder hat der derzeit. Die Geburtswehen sind überstanden. „Anfangs mussten wir ganz schön viel organisieren und Papierkram bewältigen“, erzählt Markus Pannicke. Der 21-Jährige arbeitet bei der DB Fahrzeuginstandhaltung und kann sich auch in seiner Freizeit für Schienenfahrzeuge begeistern. „Dabei wollen wir doch nur fahren“, ergänzt Edelmann.

Der erste eigene Bus

Das wollen sie demnächst auch mit dem ersten vereinseigenen Fahrzeug. Einen stillgelegten Berliner Linienbus hat sich der Verein zugelegt. Durch Sponsoring, Einnahmen von 360 Euro aus einer Crowdfunding-Aktion im Internet und Spenden der Vereinsmitglieder sind die nötigen 5.950 Euro zusammengekommen, um im Mai den Mercedes-Bus von Berlin nach Anhalt zu überführen. In der Werkstatt eines Oranienbaumer Autohauses wird der „MB 0305“ für seinen Einsatz flott gemacht. „Ein bisschen Lack aufbereiten, poröse Schläuche- und Öl wechseln, dann müsste fast alles Notwendige erledigt sein“, bilanziert ganz fachmännisch Niklas Grigo. Im Herbst beginnt der 16-jährige Schüler aus Oranienbaum eine Ausbildung zum Mechatroniker für Nutzfahrzeuge. Der Bus wird wahrscheinlich ab Oktober einsatzbereit sein. Zu Themenfahrten, für Hochzeits- und Geburtstagsgesellschaften soll er Busfahren dann zu einem besonderen Erlebnis machen.

Infos zum Verein, zur Vatertagsbimmel und den Themenfahrten gibt es unter www.dessauer-nahverkehr.de. (mz)